Ein bisschen Deutsch ist der auch
Mit seiner 30-mm-Kanone ist der ACV-30 für die direkte Feuerunterstützung der Marines ausgelegt. Besatzung und Waffensystem bleiben dabei unter dem Schutz der Fahrzeugwanne.
Das US-Marine-Corps feiert die Tage sein 250-Jahr-Jubiläum und zeigte in einer Vorführung auch seinen neuen amphibischen Radpanzer.
Das ACV (Amphibious Combat Vehicle) ersetzt schrittweise den seit den 1970er-Jahren eingesetzten Assault Amphibious Vehicle (AAV), das über Jahrzehnte das Standardfahrzeug für amphibische Landungsoperationen der Marines war.
Entwickelt wurde das Amphibious Combat Vehicle von BAE Systems gemeinsam mit Iveco Defence Vehicles. Während der bisherige AAV auf ein Kettenfahrwerk setzte, entschieden sich die Entwickler beim Nachfolger bewusst für ein modernes 8×8-Radfahrzeug. Ziel war es, die Mobilität an Land zu verbessern, den Wartungsaufwand zu senken und gleichzeitig die amphibischen Fähigkeiten zu erhalten. Hier können Sie die Zukunft des 8x8-Radpanzers entdecken.
8×8-Plattform als Grundlage der gesamten Fahrzeugfamilie
Die Basis des ACV bildet das von Iveco entwickelte SuperAV-Konzept, das speziell für amphibische Einsätze ausgelegt wurde. Anders als klassische Radpanzer ist das Fahrzeug von Beginn an dafür konstruiert worden, direkt vom Landungsschiff ins Wasser zu fahren und anschließend ohne Umladen an Land weiterzusetzen.
Nach Herstellerangaben erreicht das Fahrzeug auf Straßen Geschwindigkeiten von mehr als 105 km/h. Im Wasser erfolgt der Antrieb über zwei Wasserstrahlaggregate, die Geschwindigkeiten von über sechs Knoten ermöglichen. Die Reichweite an Land liegt bei rund 523 Kilometern, wodurch das Fahrzeug nach der Landung auch längere Verlegungen ohne Unterstützung bewältigen kann.
Eine Besonderheit des ACV ist auch das H-Drive-System, das den Antrieb permanent auf alle acht Räder verteilt und sowohl an Land als auch in der Brandungszone für Traktion sorgen soll. Nach Angaben von BAE Systems kann das 32 Tonnen schwere und 9,2 Meter lange Fahrzeug Einsätze sind bis Seegangsstärke 3 absolvieren und brechende Brandung mit Wellen von bis zu rund 2,7 Metern durchfahren.
Deutlich höheres Schutzniveau als beim Vorgänger
Ein wesentlicher Entwicklungsfokus lag auf dem Schutz der Besatzung. Der ACV verfügt über einen V-förmigen Fahrzeugboden, der die Auswirkungen von Minenexplosionen und improvisierten Sprengsätzen reduzieren soll. Hinzu kommen moderne ballistische Schutzlösungen sowie energieabsorbierende Sitze, die Belastungen bei Explosionen verringern.
Die Standardversion wird von einer dreiköpfigen Besatzung gefahren und kann zusätzlich 13 vollständig ausgerüstete Marines aufnehmen. Damit bleibt die Transportkapazität des Fahrzeugs für amphibische Infanterieeinsätze erhalten, während gleichzeitig der Schutz gegenüber dem AAV deutlich verbessert wurde.
Mehrere Varianten auf einer gemeinsamen Plattform
BAE Systems entwickelte den ACV von Anfang an als komplette Fahrzeugfamilie. Sämtliche Varianten nutzen dieselbe Grundplattform und unterscheiden sich vor allem durch ihre Ausrüstung und den jeweiligen Einsatzzweck.
Der ACV-P dient als klassischer Mannschaftstransporter. Daneben entstand mit dem ACV-C eine Führungsvariante, die zusätzlichen Platz für Kommunikations- und Führungstechnik bietet. Für Feuerunterstützung wurde der ACV-30 entwickelt, der mit einem ferngesteuerten Turm entwickelt. Er trägt eine 30-mm-Maschinenkanone vom Typ Mk44 Bushmaster und ein zusätzliches 7,62-mm-Maschinengewehr.
ACV-30 mit Rheinmetall-Turm
Die Waffenanlage ist stabilisiert, gleicht also Bewegungen des Fahrzeugs aus. Kommandant und Richtschütze verfügen über eigene Tag- und Wärmebildvisiere sowie Laserentfernungsmesser. Sie bedienen die Bewaffnung aus der gepanzerten Wanne. Neben der dreiköpfigen Besatzung können acht Marines mitfahren, beim Mannschaftstransporter ACV-P sind es 13.
Für diesen Turm wird American Rheinmetall künftig Bauteile fertigen. Wie das Unternehmen am 2.9.2026 mitteilte, hat Kongsberg einen Auftrag im Wert von rund 710.000 US-Dollar erteilt, entsprechend etwa 607.000 Euro. Die Fertigung übernehmen die Werke in Lapeer und Lansing im US-Bundesstaat Michigan. Geliefert werden soll 2026 und 2027. Welche Komponenten Rheinmetall herstellt und für wie viele Türme sie bestimmt sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Ergänzt wird die Familie durch den ACV-R, der beschädigte Fahrzeuge bergen und Instandsetzungsarbeiten im Einsatz unterstützen soll.
Wichtiger Baustein der Modernisierung
Bei der Vorführung in Camp Pendleton trat das Amphibious Combat Vehicle gemeinsam mit dem bodengestützten Anti-Schiffs-Raketensystem NMESIS auf. Beide Systeme übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Während das ACV Marines schnell und geschützt vom Schiff an Land bringt, dient NMESIS der Bekämpfung gegnerischer Schiffe über große Entfernungen.
