Ford Focus ST Turnier, Seat Leon ST Cupra 280, VW Golf R Variant und Skoda Octavia RS 230 Combi tanzen zum großen Test an.
Ford Focus ST Turnier, Seat Leon ST Cupra 280, VW Golf R Variant und Skoda Octavia RS 230 Combi tanzen zum großen Test an.
Staffellauf: Den Sprint absolvieren alle vier entsprechend ihrer nominellen Ausgangsposition. Der Seat hat anfangs Mühe, der Golf dank Allrad und Launch Control leichtes Spiel.
Der Gold fetzt in 5,3 Sekunden auf 100 km/h. Der Leon und der Focus müssen mit 6,8 Sekunden schon abreißen lassen.
Der Octavia erst recht: 7,1 Sekunden auf Tempo 100.
Der VW räubert über Landstraßen, röhrt, rumst in Gullydeckel und rockt mit dem Resonator. Kurzum: Endlich spürt man das R im Golf!
21,2 Sekunden: So lange benötigt er auf 200 km/h.
Auch auf der Bremse macht ihm niemand was vor: 35,3 Meter aus 100 km/h bis zum Stilstand mit warmen Stoppern.
Wild: Mächtig aufgeladen, trotzdem spontan; homogen in der Kraftentfaltung, roh im Charme.
Blendet man alles Rationale aus, gewinnt der Focus haushoch. Das fetzige Fahrverhalten, der brünstige Klang – bei einem Kombi traut sich das eben nur Ford. Die Traktion ist bescheiden, das Fahrwerk spröde – aber hey: Für Perfektion gibt es Waschmaschinen.
Über sieben Sekunden mehr vergehen, bis der Ford die 200 km/h passiert (28,2 Sekunden).
37,8 Meter stehen bei 100-0 km/h zu Buche.
Krawallig: Der Zweiliter klingt fast wie der alte Fünfzylinder. Und tritt genauso massiv zu.
3.000 Euro Aufpreis will Skoda für den RS 230, ...
... womit sein bester Grund zum Hindernis wird.
Auf 200 km/h rennt er in 26,6 Sekunden. Immerhin schneller als der Focus, aber klar langsamer als Golf und Leon.
Aufgespritzt: Der Leistungszuwachs um 10 PS schlägt sich nicht in den Messwerten nieder.
Zum Golf fehlen dem Leon 20 PS, 30 Nm, die angetriebene Hinterachse – und nur vier Zehntel in Hockenheim.
22,1 Sekunden: So schnell spritzt der Seat Leon ST Cupra 280 auf 200 km/h. Damit fehlt ihm nicht einmal eine Sekunden auf den großen Konzernbruder.
Zum Stilstand bringen die warmen Bremsen die ST-Karosse nach 38,0 Metern (100-0 km/h). Der schlechteste Wert der vier Kombis im Test.
Aufgewertet: Der Top-Leon erhielt sogar ein Upgrade auf 290 PS. Es wird eng für den Golf.
Wankstabil: Das steife Fahrwerk gestattet kaum Bewegung, Bremse ohne Gnade im Golf. Seine Vorgänger waren immer etwas unentschlossen in ihrer Sportlichkeit, gehemmt, ja schüchtern, ...
... er hier jedoch rumst mit seinem rabiaten Fahrwerk rücksichtslos über Gullydeckel, rotzt beim Hochschalten, röchelt durch vier Rohre, röhrt rauchig mit dem Resonator, räubert richtig rattig durchs Rurale und hängt auf der Rennstrecke den Racer raus.
Wahllos: Aktuell ist der Golf R Variant ...
... auf das DSG festgenagelt – mit allen üblichen Vor- und Nachteilen.
Weich: Couchige Sitzfläche, steife Seitenwangen.
Kantig: Die E-Sperre im Focus hackt rüde dazwischen, die Bremse nicht richtig rein.
Der Motor klingt mit seinem dumpfen Ansauggrölen fast wie sein Vorgänger, der alte 2,5-Liter mit fünf Zylindern, obwohl er selbst nur noch deren vier besitzt.
Korrigiert: Mit der Modellpflege ist Ford zu einer irdischeren Einrichtung zurückgekehrt. Superspitze Lenkung.
Klammernd: Hautenge, aber zu hoch positionierte Recaros.
Im ST werden die Gänger per Hand in die Gassen manövriert.
Ausgebaut: 19-Zöller und Quersperre als Mehrwert im Skoda; anständige Bremse.
Vierzylinder-Sound durch zwei je seitlich angeordnete Endrohre.
Ansehnlich: Nachdekorierter Innenraum mit bestem Raum- und Platzangebot, aber klobigerem Tragekomfort.
Angemalt: Tadellose Sitze mit Farbspielereien.
Allein mit seiner ploppigen Handschaltung, dem zünftigen Druck der – wie im Seat – 350 Nm ist der Octavia ein durchaus knackiger Kombi ist.
Adrett: Maue Bremswerte relativieren eine ansonsten brillante Performance des Seat.
Focus und Octavia sehen ihn im Test nur von hinten.
Aalglatt: Der Innenraum spart sich jegliches Spektakel und passt damit hervorragend zum diskreten Charakter.
Anschmiegsam: Flaumiger Stoff, aber fester Seitenhalt.
Sechsgang-Handschalter im Seat Leon ST Cupra 280.
Emotional lässt VW den Golf R Variant nun endlich von der Kette: hart, laut, trocken. Wer hätte das gedacht?
Doch er kann es sich leisten, so zu sein, weil es mit dem Seat eine dezentere, ähnlich flinke Alternative gibt. Auch der Skoda hätte – in seinem Leistungsrahmen – das Zeug dazu, stolpert aber über sein erzkonservatives ESP.