Die vier Jahreszeiten gingen an ihm vorüber. Rettungslos verloren schien ...
Die vier Jahreszeiten gingen an ihm vorüber. Rettungslos verloren schien ...
... dieser Mercedes 250 D. Aber er hat es gepackt.
Friedhofsruhe am Waldrand. Der Mercedes 250 D wartet schon lange auf seine Erlösung, so oder so.
Moos, Algen und Regenschlieren verwandeln Arcticweiß ...
... in ein schmutziges Rostbiotop.
Ein alter Diesel verzeiht viel: Zehn Liter Kraftstoff eingefüllt, eine starke Batterie drangehängt, fünf Minuten Vorglühen.
Der Motor nagelt los, raucht und läuft anfangs unrund.
4 Jahre Standzeit im Freien, eine Rosskur. Vor allem Uni-Lack ohne Klarlackschicht leidet extrem unter den Witterungseinflüssen. Er kreidet matt aus. Die Gussteile der Bremsen rosten fest, Wasserabläufe verstopfen, Gummi versprödet.
Na also, läuft doch! Ein Hygieneproblem gibt es nicht. Das Interieur ist sauber und adrett.
Wir lassen den abrupt geweckten Fünfzylinder noch eine Weile warm laufen. Handauflegen hilft.
Obwohl der 250 D einen Oxidations-Katalysator besitzt, kriegt er die Rote Karte für die Umweltzonen.
Die Nachrüstung eines Partikelfilters für den OM 602 ist möglich, aber mit rund 1.800 Euro Kosten leider unwirtschaftlich.
Wer verkauft hier wem ein Auto? Giuseppe Bellanti fragt ratlos: "Was wollen Sie damit?"
Die Radkappen habe ich mitgebracht. Auf den trashigen Libanon-Look verzichte ich gerne.
Ein zweiter Satz Räder lag im Kofferraum. Sie wurden wie die Radzierblenden geklaut.
Der Anfangspreis von 800 Euro konnte auf 500 Euro gehandelt werden.
Im Innenraum lässt der Mercedes seinen altbekannten Charme aufleben.
Im Windfang hat sich schon Humus gebildet. Die 85-Ah-Batterie von Berga ist tiefentladen.
Kein Mercedes ohne Stern. Es ist eine Frage der Ehre. Mechaniker Nico montiert liebevoll.
Im Kofferraum findet man Allerlei Flohmarkt-Krempel.
Zuletzt gewartet wurde der Mercedes 250 D von Auto Bellanti, der uns den Klassiker auch verkauft.
Wenn das Regenwasser nicht richtig abläuft, rostet es ...
... an den unmöglichsten Stellen.
Glücksspiel mit hohem Risiko: Wer nicht viel von Autos versteht, für den gilt: nicht nachmachen! Die Bremsen sind nach langer Standzeit oft festgerostet oder fast wirkungslos.
Vier Jahre im Freien machten es dem Rost leicht. Aber die Hinterachsaufnahmen haben überlebt.
Vertrocknete Insekten, Reste von Wespennestern. Mal eben durchsaugen reicht aber völlig.
Der Mercedes kann mit 94 PS aufwarten und ist warm gefahren von angenehmer Laufruhe.
Nur das stuckerige Wummern der ausgehärteten Winterreifen erinnert noch an die vier Jahre im Freien.