Verdrängt der Mercedes-AMG GT S den Porsche 911 Turbo von der Ideallinie – oder hat die Marketingabteilung mit dem aggressiven Werbespot den Mund zu voll genommen? Das Duell des Jahres.
Verdrängt der Mercedes-AMG GT S den Porsche 911 Turbo von der Ideallinie – oder hat die Marketingabteilung mit dem aggressiven Werbespot den Mund zu voll genommen? Das Duell des Jahres.
Ein kleiner Junge schreckt aus dem Schlaf, weil sein Traumauto 911 Turbo vom neuen GT S von AMG überholt wird. Zerbirst dieser Kindheitstraum heute tatsächlich?
Leistungsmäßig hält der 911er den AMG noch in Schach: 520 Boxer-PS stehen 510 Biturbo-Pferdchen gegenüber.
Auf der Bremse setzt der Mercedes-AMG aber ein erstes Ausrufezeichen. Aus 100 km/h steht er nach 31,6 Metern, der Porsche benötigt 31,8 Meter.
Aggressive Werbung hat in Schwaben Tradition: Schon in den 90er-Jahren bewarb Porsche den Elfer mit den Worten: "Die meisten hängt er beim Beschleunigen ab, den Rest beim Bremsen. Porsche - so baut man Sportwagen."
Im Mercedes-AMG GT S arbeitet ein Biturbo-Achtzylinder mit einem maximalen Drehmoment von 650 Nm.
Der gut versteckte Sechszylinder-Boxer wuchtet aus 3,8 Litern Hubraum sogar 710 Nm maximales Drehmoment.
Der AMG GT S ist ganze 40 mm länger und 59 mm breiter als der silberne Konkurrent.
Das Doppelkupplungsgetriebe im AMG GT S schaltet unter ...
... Volllast deutlich knackiger als der Porsche, ...
... im Fahrprogramm "Race" werden automatisierte Zwischengas-Salven hinzugeschaltet.
Immer wieder überraschend: Trotz brachialer Kraftentfaltung lässt sich der Turbo relativ neutral und einfach fahren.
Die perfektionistische Zusammenarbeit von Hinterachslenkung, Torque-Vectoring-System, Wankstabilisireung und variablem Allradantrieb sorgt mal wieder für Sprachlosigkeit beim Tester des 911er.
Einziges Manko: Das PDK verfügt leider über keinen "echten" Rennmodus. Auch wenn manuell geschalten wird, schaltet das Getriebe beim Erreichen der Drehzahlgrenze automatisch hoch.
In nur 3,8 Sekunden katapultiert sich der Mercedes-AMG GT S auf Tempo 100.
Die Keramikbremsen im AMG kosten Aufpreis, die Sportparameterlenkung lenkt extrem zackig ein und ermöglicht ein direktes Ansprechverhalten in Kurven.
Der V8-Biturbo verfügt über knapp vier Liter Hubraum. Wer schreit ihr noch nach den aussterbenden Saugern?
Im Edition-1-Sondermodell ist der AMG GT S zusätzlich mit größerem Frontsplitter, Seitenschwellern, Carbondach und dem feststehenden Heckflügel ausgestattet.
Wollüstig und bassig brodelt der Auspuff des Mercedes vor sich hin, die serienmäßige Performance-Klappenabgasanlage ist das Sahnehäubchen der akkustischen Befriedigung.
Die Leistungssteigerung vom normalen AMG GT zum GT S beträgt stattliche 48 PS.
Auch der Porsche Turbo arbeitet mit innenbelüfteten und optional bestellbaren Keramikbremsen.
Porsche-Front mit tiefgezogenem Spoiler und unter dem Kühlergrill verbauter Kamera.
Heckmotor und serienmäßiger Allradantrieb verhelfen dem 911 Turbo vor allem beim Herausbeschleunigen aus Kurven zu einer besserem Traktion bei höherem Gripniveau.
Der feststehende Heckspoiler beim Turbo ist ein Markenzeichen. Optisch immer wieder leicht modifiziert, exitiert er seit Porsche den Turbo baut.
Der Sechszylinder im Heck des Turbo pustet denselben in wahnwitzig schnellen 3,2 Sekunden von 0-100 km/h. Topspeed: 315 km/h.
Wunderbar aufgeräumte, von acht übersichtlich positionierten Knöpfen geprägte Mittelkonsole. Nur der rot blinkende Startknopf leichtet verlockend.
Optionale AMG-Performance-Sitze im GT S. Die tiefe Sitzposition und fast schulterhohe Seitenlinie untermauern die rennsportähnliche Cockpit-Ergonomie.
Am Cockpit des 911 Turbo gibt es ebenso so gut wie nichts zu kritisieren. Größer sollte der Elfer aber innen und außen bitte nicht mehr werden.
Feine Sportsitze sowie der "turbo"-Schriftzug auf der Einstiegsleiste verheißen Schönes.
Mercedes: 134.351 Euro. Porsche: 165.149 Euro. vor allem in puncto Querdynamik und Bremswerten setzt der AMG den Turbo gehörig unter Druck. Das Preis-Leistungs-Verhältnis gibt den Ausschlag. Mercedes gewinnt das Duell der Süddeutschen Giganten.
Die Leistungsmessung auf dem Prüfstand ermittelt beim Porsche 911 Turbo 537,5 PS, bei Mercedes-AMG GT S 534,3 PS. Beeindruckend. Zumal zehn Prozent Abweichung gesetzlich durchaus erlaubt sind.