Während BMW mit dem M4 im vergangenen Jahr seinen letzten Saugmotor auslöschte, bekommt er im Lexus RC F nun noch mal eine Chance. Es wird seine letzte sein. Kann er sie auch nutzen?
Während BMW mit dem M4 im vergangenen Jahr seinen letzten Saugmotor auslöschte, bekommt er im Lexus RC F nun noch mal eine Chance. Es wird seine letzte sein. Kann er sie auch nutzen?
Wenn man nur will: Entgegen aller Turbomotor-fordernden Emissionsverordnungen bring Lexus noch einmal einen reinen Achtzylinder-Sauger auf den Markt.
Sympathisant des Testteams ist klar der Lexus. Schon des Prinzipes wegen.
Der neue Dreiliter-Turbo lässt den alten Vierliter-V8 vergessen werden, ist der hier der Maßstab für alles was kommt, kann man sich damit wirklich arrangieren.
Sogar mit aktiviertem ESP powert der M4 in Ansätzen im Drift durch die Kurven. Verblüffend.
Von Null auf Tempo 100 benötigt das aufgeladene Müchner Kraftpaket schlappe 4,1 Sekunden.
Beim Testen der Launch Control enttäuscht der M4 jedoch. Selbst niedrige Werte von knapp 2.000/min lassen die Hinterräder in Rauch aufgehen. Nach drei vergeblichen Versuchen braucht dann die Kupplung eine Pause.
Wie eine Tänzern swingt der M4 Performance leicht mit dem Hinterteil ind die Kurven und den darauffolgenden Drift hinein, ...
... wo ihn dann das akive Sperrdifferenzial sogleich mit erhobenem Zeigefinger erwartet. Lange Rede kurzer Sinn: Gelenkt wird der M4 lieber mit dem Gaspedal als dem Lenkrad.
Der aufgeladene Reihensechszylinder hebt aus drei Litern Hubraum stolze 431 PS und 550 Nm Drehmoment.
Wo war nochmal eben das angekündigte reduzierte Gewicht? Die Waage im Test treibt der BMW M4 Performance bis auf 1.614 Kilogramm.
Das sind erschreckenderweise aber immer noch 240 Kilogramm weniger als der Lexus mit 1.853 Kilogramm. Der Japaner hat eindeutig Übergewicht, und das nicht zu knapp.
Beim Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 verliert der Lexus so auch erwartungsgemäß Zeit auf den BMW.
Exakt vier Zehntel bleibt er zurück und benötigt 4,5 Sekunden.
Großes wiederkehrendes Manko: Das hohe Gewicht belastet die Drehfreude des RCF ungemein und so kommt in schnellen Kurven die verfügbare Leistung mit den Extrapfunden einfach nicht zurecht.
Brav nach Lehrbuch gefahren und schon früh "auf der Bremse geholt" ...
... schmeißt sich auch der Lexus mit dem Seitenfenster vorraus in den Kurveneingang.
Sehr weite Lenkwinkel sorgen aber dafür, dass vor allem im Drift enorm Unterarmmuskulatur aufgebaut wird. Es wird gekurbelt, dass die Fetzen fliegen.
Der aussterbende V8-Sauger leistet 477 PS, sein maximales Drehmoment von 530 Nm erreicht er aber leider erst bei 4.800/min.
Der M4 erscheint auf schwarzen 19-Zöllern, dahinter schimmern goldene Bremssättel.
Der Sound im Sechzylinder-Turbo ist leider nicht mehr mit dem Vorgänger zu vergleichen. Zwar versuchten die Ingenieure über die Audio-Anlage und das Sounddesign viel zu erhalten, der M4 klingt nun aber weder wie ein Sechs- noch wie ein Achtzylinder.
Die Performance-Abgasanlage soll zusätzlich noch ein wenig Emotion ins Spiel bringen und macht den M4 zwar noch um einiges lauter, aber nicht authentischer.
Karbon-Schürze auf den Heck des BMW M4 Performance.
Die Serienvariante des BMW M4 Performance kostet 76.400 Euro. Für eine Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h ist das in der Norm.
Durch zahlreiche Extras kann der Preis aber auch in schwindelerregende Höhen klettern. Der Testwagen hätte beim Händler mal eben 112.588 Euro gekostet.
Ebenfalls 19-Zoll-Felgen beim lexus RC F.
Aufgestockt: Die zweigeschossige Abgasanlage stapelt angesichts des wuchtig-athletischen Fünfliter-V8 akustisch eher tief.
Das "Spoilerchen" sorgt mehr für einen Aha-Moment, als wirklich Abtrieb zu generieren.
Lexus RC F kostet mit Serienausstattung 74.900 Euro und rennt bis 270 km/h.
Dunkel gehaltenes M4 Performance-Cockpit mit vielen Karbon-Elementen.
Sportliche Sitze im M4 mit ordentlichem Seitenhalt.
Das DKG-Getriebe des M4 explodiert förmlich bei jedem Zug an den Schaltpaddeln.
Der Tank des BMW M4 Performance fasst 60 Liter.
Japanoides Cockpit mit Drehzahl-TFT und vier Fahrprogrammen.
Futuristisch anmutende Sportsitze vorne im RC F.
Komm ich heut nicht, komm ich morgen. Die als "Shift Direct" bezeichnete Achtsufenautomatik reagiert phasenweise und bei langsamerem Fahren extrem träge und muss förmlich zur Aktion gezwungen werden.
Japanisches Playstation-Chichi im Lexus RC F.
Die optimale Runde im Rc F ist reine Sisyphusarbeit: Die Balance zwischen Über- und Untersteuern ist wie einer 477 PS starker Ritt auf der Rasierklinge.
Lexus RC F sogar mit G-Kraft-Anzeige.
Fazit: Der Turbomotor schlägt für den BMW den Sieg heraus. Das straffere fahrwerk und der himmelweite Unterschied der Arbeitsformen der getriebe macht die Differenzen perfekt. Der Lexus macht trotz allem Spaß. Fahrend und Zuhöhrend.
Nach Punkten hält der RC F aber sowohlk mit den AUDI RS 5 Coupé als auch dem C63 AMG Coupé von Mercedes mit.
Einziger Haken: Beide Sauger sind Auslaufmodelle und sowohl Mercedes als auch Audi haben schon die nachfolgenden Turbo-Motoren in den Startlöchern stehen.