Nach den ersten heißen Runden im Porsche Cayman GT4 verfiel die Sportwagen-Welt in kollektiven Jubel. Gerechtfertigt? Zeit für eine Positionsbestimmung inmitten seiner schärfsten Brüder.
Nach den ersten heißen Runden im Porsche Cayman GT4 verfiel die Sportwagen-Welt in kollektiven Jubel. Gerechtfertigt? Zeit für eine Positionsbestimmung inmitten seiner schärfsten Brüder.
Die vier Zuffenhausener Cayman GTS, Cayman GT4, 911 Carrera GTS und 911 GT3 treffen sich zum Familienausflug mit insgesamt 1.630 PS.
Als Aufsichtspersonen mit dabei: Die Test-Crew von auto motor und sport.
Porsche 911 GT3: Wenn ein Sportwagen einfach viel zu schnell für diese Welt gerät.
Mit 475 Pferdchen im Heck ist er der stärkste Porsche im Test.
Den Sprint auf Tempo 100 erledigt der radikale Sportler bevor der Fahrer "Vollgas" rufen kann. 3,6 Sekunden stehen auf der Uhr.
Auch noch im Grenzbereich bleibt der Motorsport-Elfer noch erstaunlich berechenbar und reagiert auf schnelle Lastwechsel mit beherrschbarem Übersteuern.
Porsche 911 GT3: 0 - 100 km/h in gemessenen 3,6 Sekunden.
Trotz riesigem Spoiler wiegt der 911 GT3 nur 1.442 kg, der Sprint von 0-200 km/h erfolgt in 11,8 Sekunden.
Noch renntauglicher? Das geht nur im GT3 RS. Aber auch der herkömmliche GT3 braucht sich mit 440 Nm Drehmoment und seinem rasiermesserscharfen Doppelkupplungsgetriebe nicht zu verstecken.
Die direkte Lenkung verursacht schon fast Schwindelgefühle und auch beim Bremstest macht dem GT3 keiner was vor: Aus 100 km/h steht der Wagen nach 32,6 Metern.
Laut und böse wie ein Rudel Heavy-Metal-Fans: Der Sound des GT3 bricht wie ein Orkan über den Fahrer herein.
Endlich richtig herum: nein, nicht die Endrohre, sondern das Schaltschema des PDK.
Wer Zeit hat, beim GT3-Fahren die Drehmomentkurve zu verfolgen: bitte sehr.
Ein kleiner Teil der 29 Kilogramm Mindergewicht zum GTS geht auf die serienmäßig nicht vorhandenen Rücksitze zurück, ...
... ein größerer auf die vorderen Schalen (3.320 Euro extra).
Als Semi-Professioneller fühlt man sich im GT3 manchmal wie Käpt’ n Iglo, der mit Japans bestem Sushimesser hantieren muss. Der kompromisslose Elfer ist einfach so gut.
Die Jungs, die früher ausgiebig mit Fischetechnik-Baukästen gespielt haben, arbeiten heute möglicherweise bei Porsche in der Entwicklung und dürfen hin und wieder aus dem schier unendlichen Technik-Pool was richtig versautes zusammenbauen.
Dazu gehört auch der 911 Carrera GTS. Mit 430 PS rangiert er im Test nur knapp hinter dem 911 GT3.
Der Spezial-Carrera lässt bereits nach 4,2 Sekunden die 100 km/h links liegen.
Unter Volllast untersteuert der GTS nur milde und vorhersehbar, ...
... wer es aber richtig krachen lassen möchte - bitte: Das geht problemlos und ohne garstige Konter, das Spielkind im Fahrer ist geweckt.
Mit 94 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem Cayman GT4 fährt der Carrera GTS auf dem Rundkurs aber nicht mehr allein in seiner Liga, der kleine Bruder holt mächtig auf.
Unter der Motorabdeckung schuftet wie im GT3 ein 3,8-Liter-Aggregat mit 440 Nm.
Für den Zentralverschluss der Felgen braucht's einen mächtigen Drehmomentschlüssel. Beim Bremstest aus 100 km/h steht der GTS nach 32,7 Metern und somit nur 10 Zentimetern mehr als der GT3.
Sprotzelnder Porsche-Sound auch beim GTS-Modell des Carrera.
In der guten Stube lassen sich zu zweit locker Langstrecken abreißen, zu viert kann es dann doch etwas ungemütlich werden.
Und mal ehrlich: Drei Rundinstrumente wären genug, sähen aber nicht so hübsch aus.
Die ansteigende Mittelkonsole findet sich mittlerweile in allen Porsche-Modellen.
Und im Testwagen fehlt auch wirklich gar nichts: Der tritt mit der aufpreispflichtigen Wankstabilisierung an.
Der Sportwagen, der - fast - alles kann. Während der Abstand nach oben beständig bleibt, schrumpft der Vorsprung auf den Power-Cayman.
Der ließ in vorausgegangenen Tests den Redakteuren den Mund offen stehen, so beeindruckend präsentierte sich das neue Cayman-Topmodell.
Aus Entwicklersicht wurde der Wagen einfach um die Konstante "Getriebe" herum entwickelt.
In 4,6 Sekunden schnellt der Cayman GT4 auf Tempo 100, die 200-km/h-Mauer fällt nach 15 Sekunden.
Und dabei ist es nicht einmal die schiere Fahrleistung, die den Cayman so begehrlich macht, sondern vielmehr die spektakuläre und kompromisslose Rennstreckentauglichkeit.
Der 3,8-Liter-Sechszylinder aus dem Carrera S leistet im Cayman GT4 385 PS bei einem Leergewicht von nur 1.377 Kilogramm: Spitzenwert im Test.
Vor allem im Grenzbereich wirkt der GT4 wie eine komprimierte Einheit, und selbst im abenteuerlichen Drift überfällt den Fahrer dank perfekter Abstimmung keine Hektik.
Wie auch der 911 GT3 trägt der Cayman GT4 einen gewaltigen Spoiler auf dem Hinterteil.
Das Gaspedal fällt, das Kupplungspedal kommt. Das Triebwerk darf sich sofort austoben und dreht völlig aufgekratzt bis knapp 7.800/min.
Die Sideblades leiten Luft zum Motor.
Lenkrad, das: Dient der Richtungsänderung eines Fahrzeugs – im GT4 sehr fix. Und kann einfach rund sein, ohne Paddel- und Tastenballast.
Falls das Selbstschalten verwirrt, mahnt der GT4 den optimalen Zeitpunkt und Gang an.
Diese Gangwechsel... wie ein wunderbarer, herrlicher und nachdrücklicher Schlag ins Genick.
Die Türschlaufen sind witzig, die Sitze nicht – sie stützen ganz ernsthaft, geradezu perfekt.
Mit dem GT4 haben die Porsche-Ingenieure mal wieder ungeheures Fingerspitzengefühl bewiesen. Der Cayman fährt sich auf der Rennstrecke wie eine Lenkrakete.
Mit 137.303 Euro ist der 911 GT3 der Teuerste im Feld, dicht gefolgt vom Carrera GTS, der für 121.690 Euro beim Händler steht.
Den Cayman GT4 gibts für 85.776 Euro, der GTS steht bei 77.214 Euro im Katalog.
Cayman GTS: Wenn ein Sportwagen einfach nur das Mittelmotor-Konzept feiert.
Mit 340 PS hält der Cayman GTS die rote Leistungslaterne im Test. Dabei machen die vorhandenen Pferdchen immer noch ausreichend Laune.
Auch im GTS sortiert das Getriebe die Gänge auf den Punkt genau, treibt den Cayman ohne Gnade voran.
Die Unterschiede zum GT4 erscheinen so wie die zwischen einem Date mit Kate Upton oder Jennifer Larence. Für Nicht-Kenner bedeutet das: nicht vorhanden.
Unter Zug untersteuert der GTS in den Kurven dann aber doch ein wenig mehr, ...
... aus den Kurven ballern die 380 Nm trotzdem wie eine Eins.
Den kleinsten Motor im Test hat der GTS auch. Mit 3,4 Litern Hubraum muss der Boxermotor auskommen.
Optionsräder, -bremse, -sitze: macht 11.365 Euro. Der GTS knallt aber auch ohne.
Falls kein Geld mehr für ein Soundsystem übrig sein sollte: Dieses hier kostet nichts extra.
Dass im Interieur alles passt, wirklich alles, dagegen nicht.
Die Großen tragen fünf, der Kleine nur drei: Unterschiedliche Anzahlen von Rundinstrumenten.
Doppelkupplungsgetriebe PDK: Der Traum vieler schlafloser Nächte.
Der Cayman GTS zählt zu den besten Sportwagen, einfach weil er als solcher konstruiert wurde. Aus 100 km/h steht er nach 34,4 Metern still.
Ein Blick auf die Messwerte, schon steht der Sieger fest: 911 GT3. Aber mal im Ernst: ...
... Cayman GTS wie auch 911 Carrera GTS kommen dem Sportwagen-Ideal so nahe wie andere bestenfalls im Prospekt. Zur Crème de lá Crème schwingt sich aber der Cayman GT4 auf. Ein bisschen rau, ein bisschen hart, dennoch alltagstauglich und irrsinnig agil.