Nach dem kantigen GLK schickt Mercedes nun den rundlichen GLC ins Rennen gegen Audi Q5 und BMW X3.
Nach dem kantigen GLK schickt Mercedes nun den rundlichen GLC ins Rennen gegen Audi Q5 und BMW X3.
Ob der neue SUV auch sonst eine runde Sache geworden ist, klärt der Vergleich im der drei Rivalen mit Vierzylinder-Diesel und Allradantrieb.
Im Rahmen des International Test Drive auf dem Bridgestone-Testgelände in Italien darf das frische Mercedes SUV vor internationaler Jury nun beweisen, ob es das Zeug hat, die etablierte Konkurrenz zu bezwingen.
Wo der GLC hinwill, zeigt schon der selbstbewusste Preis: Als 250 d 4Matic steht er mit mindestens 46.410 Euro in der Liste.
Dafür bietet er mit seinem optionalen Luftfahrwerk den mit Abstand besten Fahrkomfort in diesem Vergleich. Generell ist das Wohlfühlen die große Stärke des GLC.
Zum Komfort-Charakter passt auch das wenig stimulierende Handling und die betuliche Lenkung, zumal weder Fahrpräzision noch Sicherheit des Schwaben-SUV darunter leiden.
Als 250d wirft der GLC mit 204 PS und 500 Nm spürbare 14 PS und satte 100 Nm mehr Drehmoment in die Waagschale als die Konkurrenz. Damit zieht er entschlossen druckvoll voran und bleibt doch ganz entspannt.
Serienmäßig kommt der GLC mit einem winzigen 50 Liter Tank daher. Die 60 Euro Aufpreis für den 66 Liter Tank sind gut angelegt. Das AdBlue-Additiv sorgt dafür, dass der Diesel die strenge Euro 6 - Abgasnorm schafft.
Obwohl der 2008 gestartete Audi Q5 in dieser Runde inzwischen der Älteste ist, wirkt er noch immer kompetent und ausgewogen.
Der Audi Q5 fegt unauffällig schnell, sicher und recht komfortabel über kurvige Landstraßen, fährt sich erfreulich neutral, direkt und ohne starke Karosseriebewegungen. Dazu steht er bei einer Vollbremsung aus 100 km/h rund zwei Meter früher als die Konkurrenz.
Die Lenkung könnte zwar mehr Rückmeldung geben und weniger auf Spurrillen reagieren, der Wind etwas leiser um die großen Außenspiegel streichen und die Federung grobe Holperpisten sanfter absorbieren, doch ansonsten zeigt der Audi nirgends echte Schwächen.
Der Zweiliter-TDI mit 190 PS und 400 Nm Drehmoment wirkt nicht besonders druckvoll, zumal schon leer 1.933 kg bewegt werden wollen. Damit liegt er beim Leergewicht zwischen BMW (1.837 kg) und Mercedes (1.941 kg).
Zwei Einfüllstutzen für den großen Kraftstofftank (75 Liter) und das Adblue-Additiv.
Ganz markentypisch ist dem BMW X3 ein starker Vorwärtsdrang zu eigen, eine spürbare Lust am bewussten, engagierten Fahren.
Mit seinem leichtfüßigen Handling und der direkten, präzisen Lenkung folgt er behände und fahrstabil dem eingeschlagenen Kurs, animiert dazu, die nächste Kurve noch punktgenauer zu durcheilen als die letzte.
Die Kehrseite der Agilität ist der leicht eingeschränkte Fahrkomfort. Trotz adaptiver Dämpfer muss der X3 zumindest auf groben Pisten die meisten Stöße einstecken. Zudem passen die schwächsten Bremsen des Vergleichs (37,4 m aus 100 km/h) nicht ganz zum dynamischen Anspruch.
Der BMW-Diesel bietet nominell identische Leistungsdaten wie der Zweiliter-Diesel im Audi. Dennoch wirkt das Münchner Triebwerk lebendiger und druckvoller. Weniger gefällt die rustikale Klangkulisse und der höchste Testverbrauch (8,2l/100km).
Über die Rolle der SUV als ideale Allrounder herrscht noch weitgehend Einigkeit, doch schnell zeigen sich unterschiedliche Präferenzen bei den internationalen Kollegen.
Das schmucke, hochwertige Cockpit im Mercedes GLC ähnelt sehr stark dem der C-Klasse.
Zwischen den analogen Rundinstrumenten befindet sich ein Multifunktionsdisplay, dass unter anderem für die visuelle Darstellung der zahlreichen Assistenzsysteme dient.
Die Bedienung des Infotainment im GLC ist gut, wenn auch nicht ganz auf BMW iDrive-Niveau.
Neben dem Fahrwerk lassen sich auch Lenkung und Antrieb per Menü konfigurieren.
In Bedienung, Fahrerassistenz und Materialanmutung zeigt sich das Alter des Audi Q5.
Das Zentraldisplay zwischen den Instrumenten übernimmt im Audi Q5 vergleichsweise wenig Funktionen.
Bestellt man das Optionsfahrwerk mit adaptiven Dämpfern für 1.100 Euro sind fünf Modi von "comfort" bis "individual" an Bord des Ingolstädter.
Ungewohnt hohe Sitzposition und karge Ausstattung, aber leichte Bedienung im X3.
Beim BMW verschmelzen bei der Instrumentierung analoge Zeiger mit digitalen Displays zu einem Anzeigepanel.
Zum Driving Assistant Plus (1.620 Euro) gehört eine Auffahrwarnung mit Notbremsfunktion.
Die bekannte ZF-Achtgang-Automatik verrichtet auch im X3 einen vorbildlichen Dienst.
Komfortable Sitze mit viel Langstreckenkomfort im GLC.
Auch in der zweiten Reihe kommt man im Schwaben-SUV kommod unter.
Große, bequeme Vordersitze im Alcantara-Leder-Mix.
Auf der verschiebbaren Rückbank des Audis sind auch die Fond-Passagiere ordentlich untergebracht.
Eng geschnittene Sportsitze im X3. Die Stoff-Leder-Kombination wirkt im Gegensatz zur Konkurrenz eher einfach.
Hinten sitzt man tief und hart mit stark angewinkelten Knien.
Hoher Ladeboden und schräges Heck machen den GLC weniger sperrguttauglich. Obwohl er mehr Zuladung als die Rivalen verträgt, bleibt das Fahrverhalten sicher und problemlos. Mit 550 - 1.600 Liter Ladevolumen ist er auf demselben Niveau wie der X3.
Mehr Variabilität innen dank längsverschiebbarer Rücksitze mit verstellbaren Lehnen. 540 - 1.560 Liter Ladevolumen im Q5 liegen leicht hinter GLC und X3 zurück.
Wie bei den anderen lässt im X3 msich die Rücksitzlehne in drei Teilen vorklappen. 550 - 1.600 Liter Ladevolumen sind identisch mit dem GLC.
Gruppenbild ohne Dame: 16 Chefredakteure aus 15 Nationen konnten die Autos ein ganzes Wochenende lang auf unterschiedlichen Straßen testen.
"Vom GLK zum GLC ist es ein großer Schritt. Am besten gefallen mir Straßenlage und Interieur." Dusan Lukic, avto magazin, Slowenien
"Mit seinem sportlichen Handling ist der X3 ein echter BMW. Der Audi wirkt inzwischen alt." Alrik Söderlind, auto motor & sport, Schweden
"Der GLC ist ein gutes, komfortables Auto, das allerdings im Kofferraum unnötig Platz verschenkt." Andrea Stassano, Quattroruote, Italien
Dass sich der neue GLC vor allem bei Komfort und Sicherheit profiliert, war zu erwarten, der Vorsprung in der Antriebswertung dagegen nicht. Aber erst der kräftige, leise und sparsame Diesel samt der wunderbaren Neungangautomatik machen den Sieg klar.