Mercedes-Gewinn stürzt um 49 Prozent ab
Rückläufige Gewinne, schwache Geschäfte und sinkende Dividende: Auf der Mercedes-Hauptversammlung 2026 gab es viele schlechte Nachrichten. Allerdings auch einen optimistischen Blick nach vorn.
Mercedes-Benz hat auf der Hauptversammlung 2026 ein schwieriges Geschäftsjahr aufgearbeitet und zugleich neue Wachstumsziele formuliert. Der Stuttgarter Konzern steht unter Druck: Der Gewinn brach 2025 deutlich ein, der Absatz sank, das China-Geschäft verlor an Dynamik. Aktionärsvertreter forderten mehr Tempo bei der Transformation sowie überzeugendere Strategien für den wichtigsten Einzelmarkt des Unternehmens.
China-Geschäft verliert stark
Die Zahlen markieren eine spürbare Eintrübung. Der Nettogewinn fiel im Geschäftsjahr 2025 um rund 49 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank um 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Der Umsatz verringerte sich um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro. Damit verzeichnet Mercedes den vierten Gewinnrückgang in Folge. Als Belastungsfaktoren nannte das Unternehmen unter anderem Zölle, negative Wechselkurseffekte und den intensiven Wettbewerb in China.
Auch das laufende Jahr begann verhalten. In den ersten drei Monaten gingen die Verkäufe zurück. Besonders deutlich fiel der Rückgang in China aus: Dort setzte Mercedes 27 Prozent weniger Fahrzeuge ab als im Vorjahreszeitraum. Investoren verwiesen auf sinkende Marktanteile und steigenden Wettbewerbsdruck durch lokale Hersteller, die bei Software, Elektrifizierung und Preisgestaltung zunehmend das Tempo vorgeben.
Absatzsteigerung im Fokus
Vorstandschef Ola Källenius stellte dem auf der Hauptversammlung eine Kombination aus Produktoffensive, regionaler Anpassung und finanzieller Disziplin entgegen. "Wir wollen profitabel wachsen", sagte er. Mittelfristig sollen rund zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden. Das wäre ein Plus von mehr als zehn Prozent gegenüber 2025. Im margenstarken Top-End-Segment peilt Mercedes ein Wachstum von 15 Prozent an. Der Anteil von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden am Gesamtabsatz soll auf rund 40 Prozent steigen.
Zugleich soll Mercedes-Benz Cars mittelfristig eine bereinigte Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent erreichen. Bemerkenswert daran: Nach Aussage des Vorstandschefs sei in diesem Ziel bereits "eine dauerhaft hohe Zollbelastung" berücksichtigt. Das verweist auf die geopolitischen Risiken, die inzwischen fester Bestandteil der Unternehmensplanung geworden sind.
Zölle werden zum Dauer-Thema
Källenius rückte die aktuelle Modellpolitik ins Zentrum. Mercedes fahre die "größte Produkt- und Technologieoffensive" der Unternehmensgeschichte. Genannt wurden neue Baureihen in den Volumensegmenten ebenso wie die überarbeitete S-Klasse, Modelle von AMG sowie zusätzliche Einstiegsfahrzeuge unterhalb des CLA – was angesichts der früher verkündeten "Luxus-Strategie" besonders bemerkenswert ist. Parallel investiere der Konzern 2026 "deutlich über zehn Milliarden Euro", vor allem in neue Technologien.
Ein Schwerpunkt bleibt Software. Das eigene Betriebssystem MB.OS soll schrittweise in alle neuen Modelle einziehen, unabhängig vom Antriebskonzept. Hinzu kommen Assistenz- und Automatisierungsfunktionen. In China bietet Mercedes bereits erweiterte Fahrassistenzsysteme an, in den USA läuft der Marktstart weiterer Anwendungen.
Forschung und Entwicklung in China
Die China-Strategie war eines der zentralen Themen der Hauptversammlung. Källenius räumte die Bedeutung des Marktes ausdrücklich ein. "Wer sich dort beweist, wird auch im Rest der Welt Erfolge einfahren können." Mercedes wolle das Geschäft dort noch stärker lokal ausrichten. Das betreffe Produkte, Technologien, Produktion und Lieferketten. Zudem solle Forschung und Entwicklung vor Ort gestärkt und enger mit chinesischen Partnern zusammengearbeitet werden.
Damit reagiert der Konzern auf einen Markt, der sich strukturell verändert hat. Chinesische Anbieter besetzen zunehmend Premium-nahe Segmente, verkürzen Entwicklungszeiten und setzen bei digitaler Nutzererfahrung neue Maßstäbe. Für internationale Hersteller bedeutet das höheren Anpassungsdruck. Mercedes setzt darauf, lokale Fertigung, regionale Modellvarianten und Kooperationen stärker zu verzahnen.
Aufsichtsratschef Martin Brudermüller verteidigte den strategischen Kurs trotz der schwachen Zahlen. "Das Wirtschaftsklima ist rau geworden", sagte er. Energie sei teuer, die technologische Transformation verlange hohe finanzielle Anstrengungen, zugleich fordere neue Konkurrenz etablierte Hersteller technologisch heraus. Mit Blick auf das Ergebnis 2025 ergänzte er: "Zufrieden sind wir damit aber nicht."
Dividende sinkt
Brudermüller stellte zugleich die finanzielle Stabilität des Konzerns heraus. Die Nettoliquidität liegt nach Unternehmensangaben bei mehr als 32 Milliarden Euro. Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu zwei Milliarden Euro. Wichtig nicht nur für die großen Anteilseigner: Im Anschluss beschloss die Hauptversammlung eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie nach 4,30 Euro im Vorjahr.
Auch in der Unternehmensführung gab es im abgelaufenen Jahr einen Umbruch. Brudermüller verwies auf die teilweise Neubesetzung des Vorstands mit jüngeren Managern und zusätzlichen Zuständigkeiten für China, Vertrieb, Technologie und Nachhaltigkeit. Der Aufsichtsrat verstehe sich nicht nur als Kontrollgremium, sondern als aktiver strategischer Partner des Vorstands.
Entscheidend ist derzeit, wie Mercedes seine bisher hohe Ertragskraft in einem schwierigeren Umfeld halten will. Der Preisdruck nimmt zu, Investitionen in neue Technik bleiben hoch, und die Märkte entwickeln sich regional sehr unterschiedlich. Die frühere Konzentration auf besonders profitable Luxusmodelle wird deshalb breiter ausgelegt: mit mehr Baureihen, verschiedenen Antrieben und stärker auf einzelne Regionen zugeschnittenen Angeboten.
