Warum BMW siegt und Porsche zurückfällt
Die auto motor und sport-Leserwahl BEST CARS ist ein Gradmesser der Marken. Der große Gewinner 2026 kommt aus München, VW hat besonders stark zugelegt. Die großen Verlierer kommen aus Stuttgart und den USA.
Wie attraktiv ist die Modellpalette einer Marke? Ein sehr sensibles und schnelles Instrument für die Beurteilung ist die Frage, ob die Marke im Trend liegt. Seit vielen Jahren stellt auto motor und sport bei der BEST CARS-Leserwahl genau diese Frage. Und die 94.911 Teilnehmer der größten Leserwahl im Automobilbereich in Europa sorgten für einen neuen Sieger: BMW. Die Münchner lösten die gerade fulminant an die Spitze geschossene Marke Cupra ab – obwohl die Katalanen in der Beurteilung der Leserinnen und Leser im Vergleich zum Vorjahr einen Prozentpunkt zugelegt haben.
Die Gründe für den BMW-Erfolg
Was macht den Erfolg von BMW aus? Natürlich zuallererst der großartige neue Elektro-BMW, der iX3. Das erste Auto der künftigen Palette, die auch PR-strategisch mustergültig aufgebaut wurde, passt perfekt zur Marke, besticht mit technischen Weltbestleistungen für Elektroautos und gefällt offensichtlich auch mit seinem neuen ikonischen Design. Aber auch markenstrategische Einschätzungen sorgen für das gute Abschneiden von BMW. Denn man hatte in München konsequent am Kurs der Technologieoffenheit festgehalten, auch wenn es dafür von dem einen oder anderen Massenmedium Prügel gab. Offensichtlich kommen die neuen Modelle der "Neuen Klasse" jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt. Alles richtig gemacht, BMW!
Am anderen Ende der Fahnenstange baumelt übrigens Tesla. Elon Musk hat in der Sicht der BEST CARS-Teilnehmer völlig verwachst: Der einstige Branchenprimus in Sachen Innovation stürzt auf Platz 31 ab und verliert drastische 25 Prozentpunkte zum Vorjahr. Offensichtlich hallt das völlig missglückte Polit-Abenteuer des reichsten Manns der Welt noch nach. Dazu kommt, dass seit Jahren keine neuen Modelle von Tesla auf den Markt fahren und man sich langsam des Eindrucks nicht erwehren kann, der große Zampano interessiere sich eher für Raketen und Roboter denn für schnöde Automobile.
Porsche sucht den Trend und macht ihn nicht
Für die Marke Porsche gilt das natürlich nicht, der Sportwagenhersteller baut mit Inbrunst herrliche Autos. Pech für die Zuffenhausener, dass gerade im Erhebungszeitraum unserer Wahl ein großer Strategieschwenk verkündet wurde. Der mittlerweile bei Porsche aus dem direkten Management ausgeschiedene VW-Konzernchef Oliver Blume musste einige seiner Elektro-Neuentwicklungen kassieren und wieder zum Verbrenner zurückgehen. Eine Volte, die eher nach "Wir suchen den Trend" als nach "Wir machen den Trend" aussieht. Womit das deutliche Minus von 15 Prozentpunkten in der Sicht der Teilnehmer erklärbar ist. Man darf gespannt sein, wie schnell sich die Marke unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Michael Leiters erholt und wieder Richtung Spitze klettert.
Seit Jahren vorn dabei liegt, wenn wir schon beim VW-Konzern sind, die pragmatisch agierende Marke Skoda. Solide Autos, eine technologieoffene Modellpalette mit erfolgreichen E-Modellen, unaufgeregt, praktisch, bewährt – das funktioniert in den Augen der Wahlteilnehmer bestens. Ergebnis: Platz drei noch vor Mercedes – verdient. Ebenso wie der Riesenschritt von VW. Mit einem satten Plus von 16 Prozentpunkten springt der Marktführer wieder in die Top Ten. Die Strategie stimmt, in Kürze kommen wieder echte, weil günstige Volkswagen auf den Markt. Die Autos funktionieren wieder besser, und mit dem beliebten VW T-Roc bringt man einen sinnvoll überarbeiteten Bestseller genau zur richtigen Zeit. Und dies alles in einem Design, das die Marke VW zelebriert und nicht ins Beliebige abdriftet. Wolfsburg kommt voran.
Neben der aktuellen Modellpalette und den schon bekannten Neuheiten beeinflusst auch die Markenstrategie die Einschätzung der Wahlteilnehmer. Auch aktuelle Geschehnisse werden intensiv in die Beurteilung integriert. Wenn dann genau während des Befragungszeitraums drastische Veränderungen kommuniziert werden, kann das großen Einfluss auf das Ergebnis haben. Die für 2026 sehr verhaltene Porsche-Bewertung lässt diesen Schluss eindeutig zu.
