Hightech-E-Plattform mit Verbrenner-Hintertür
Renaults Sportwagenmarke hat erste technische Details ihrer neuen "Alpine Performance Platform" bekannt gegeben. Und diese weist einige Eigenheiten auf.
Alpine bereitet sich auf seine elektrische Zukunft vor. Die Prämisse dabei: Die eigene Sportwagen-DNA soll keinesfalls verwässert werden! Deshalb entwickelt die Sportabteilung des Renault-Konzerns ein neues Herzstück für seine kommenden E-Modelle: die neue Alpine Performance Platform (APP), eine mit Fokus auf Elektro-Sportwagen entwickelte Architektur. Sie soll die klassischen Zielkonflikte aus Gewicht, Packaging und Design lösen und gleichzeitig das liefern, wofür Alpine steht: Agilität, Leichtfüßigkeit und ein besonders direktes Fahrgefühl.
Elektro-A110 als Coupé, Spider und 2+2-Sitzer
Alpine hat beim "futuREady"-Strategietag der Konzernmutter erstmals technische und strategische Details hinsichtlich der APP und der darauf basierenden Modelle bekannt gegeben. Die Franzosen planen vorerst drei neue Modelle auf APP-Basis: ein neues elektrisches A110 Coupé als Nachfolger des aktuellen Vierzylinder-Turbosportlers, eine offene Spider-Version und eine Variante mit 2+2-Sitzanordnung. Zudem wird wohl Konzernmutter Renault die APP-Architektur nutzen: Wie das britische Magazin "Autocar" berichtet, soll der kompromisslose E-Sportler Renault 5 Turbo 3E darauf aufbauen.
Die Plattform fußt auf einer fortschrittlichen Aluminiumstruktur, die auf hohe Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht ausgelegt ist. Alpine setzt dabei auf eine Kleb- und Niettechnologie, die strukturelle Integrität mit Leichtbau verbinden soll. Die Plattform ist zudem modular angelegt – ein Schlüssel, um verschiedene Leistungs- und Karosserievarianten zu realisieren, ohne die fahrdynamischen Grundtugenden zu opfern. Für eine sportwagentypische Balance zielt Alpine auf eine 40:60-Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Um das zu erreichen und zugleich die bekannte, flache Silhouette der A110 zu bewahren, werden zwei Batteriepacks in die Architektur integriert.
800 Volt und 3-in-1-E-Achse
Technisch setzt Alpine auf ein 800-Volt-System, eine Cell-to-Pack-Bauweise bei der Batterie und Akkuzellen mit hoher Energiedichte. In Kombination verspricht dies weniger Gewicht und kürzere Ladezeiten. An der Hinterachse kommt eine neue 3-in-1-E-Achse mit zwei Elektromotoren zum Einsatz. Ein SiC-Wechselrichter (Siliziumkarbid) soll eine besonders schnelle Regelung und hohe Leistung sowie ein kräftiges Drehmoment ermöglichen. Ergänzt wird das durch neue Vollaluminium-Achskonstruktionen sowie integrierte Brems- und Lenksysteme.
Die Software wird dabei zur Schaltzentrale: Das "Alpine Dynamic Model" (ADM ECU) fungiert als "Hightech-Gehirn" der Plattform und bündelt Funktionen vom Batterie-Management bis zur Motorsteuerung – inklusive Regelung von Bremsen, Lenkung und aktiver Aerodynamik. Für die Dynamik setzt Alpine außerdem auf "Alpine Active Torque Vectoring" (AATV): Alle zehn Millisekunden kann das System die Drehmomentverteilung zwischen linkem und rechtem Rad anpassen, um Traktion, Einlenkverhalten und Stabilität zu optimieren.
APP-Baukasten kann auch Verbrenner aufnehmen
Doch das ist nicht alles, denn die APP ist keine reine Elektro-Plattform. Das bestätigte Alpine-Markenchef Philippe Krief am Rande des "futuREady"-Events. "Bevor Sie fragen: Ja, die Plattform wurde entworfen, um einen Verbrennungsmotor unterzubringen", sagt der CEO bei "Autocar". Damit bestätigt er Informationen, die auto motor und sport bereits im Sommer 2025 aus Unternehmenskreisen erhielt. Wobei die Addition eines Benzinmotors nur eine Notlösung zu sein scheint. "Der neue A110 wird elektrisch sein", ergänzte Krief. Das Ziel von futuREady sei es jedoch, für die Zukunft gerüstet zu sein. "Daher haben wir die Plattform so entwickelt, dass sie einen Verbrennungsmotor aufnehmen kann."
Krief schränkte allerdings von vornherein ein: Dass die APP auch für Verbrenner vorbereitet sei, bedeute nicht, "dass wir das auch tun werden". Ein reiner Verbrenner-Antriebsstrang dürfte angesichts immer strengerer Emissionsziele sowie Zulassungs-Beschränkungen in einigen Märkten ohnehin ausgeschlossen sein. Wahrscheinlicher ist ein Plug-in-Hybridantrieb, dessen Entwicklung allerdings kostenintensiv ist.
Doch egal, mit welchem Antrieb die nächste Alpine A110 und ihre Ableger vorfahren werden: Das Cockpit soll den Sportwagen-Anspruch dick unterstreichen. Alpine spricht von einer von der Formel 1 inspirierten Fahrposition – tief sitzend, mit eher vertikal stehendem Lenkrad und Instrumenten im direkten Sicht- und Griffbereich.
Neue A110 kommt 2026 – vorerst mit E-Antrieb
Alpine-Chef Krief formuliert den Anspruch klar: Alpine wolle "die besten Fahrerautos der Elektroauto-Ära" bauen. Nach dem geschärften Renault-5-E-Tech-Derivat A290 und dem E-Crossover A390 soll die neue A110 als erster "echter" Elektro-Sportwagen der Marke folgen – und mit Hilfe des APP-Unterbaus sogar heutige Verbrenner-Sportwagen übertreffen. Wann genau die Produktion in Dieppe in der "Manufacture Alpine Jean Rédélé" startet, bleibt bislang zwar unklar. Es soll jedoch noch im Jahresverlauf 2026 so weit sein – vorerst jedoch mit reinem E-Antrieb.
