So wenig sparen Sie im Monat
Der Tankrabatt der Bundesregierung entlastet private Haushalte nur in begrenztem Umfang und erreicht energiearme Haushalte deutlich seltener als erwartet. Das geht aus einer Kurzstudie des RWTH Aachen hervor.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Tankrabatt die Haushalte im Durchschnitt nur moderat entlastet. Pro Haushalt ergibt sich eine monatliche Ersparnis von rund 10,70 Euro.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen. Haushalte mit höherem Einkommen profitieren stärker, da sie im Schnitt mehr Kraftstoff verbrauchen. In der oberen Hälfte der Einkommensverteilung liegt die monatliche Entlastung bei etwa 12,90 Euro.
Haushalte im untersten Einkommensbereich sparen dagegen deutlich weniger. Ihre Entlastung fällt im Schnitt um rund 3,20 Euro geringer aus als beim Durchschnitt.
Staatliche Kosten erreichen Betroffene nur teilweise
Die finanziellen Aufwendungen für den Tankrabatt liegen laut Studie bei rund 330 Millionen Euro pro Monat. Der größte Teil dieser Mittel fließt jedoch nicht an besonders belastete Haushalte.
Nur 8,6 Prozent der Entlastung kommen energiearmen Haushalten zugute. Der überwiegende Anteil von 91,4 Prozent entfällt auf Haushalte, die nicht als energiearm gelten.
Energiearmut definieren die Autoren über einen hohen Anteil der Kraftstoffkosten am Einkommen und ein verbleibendes Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle. In Deutschland betrifft das mehr als 2,2 Millionen Haushalte. Diese verfügen im Durchschnitt über rund 1.430 Euro monatlich und geben etwa 150 Euro für Kraftstoff aus.
Leichter Anstieg der Kraftstoffnachfrage
Neben der Entlastungswirkung analysiert die Studie auch Veränderungen im Verhalten der Haushalte. Durch die niedrigeren Preise steigt die Nachfrage nach Kraftstoff leicht an.
Im Durchschnitt erhöht sich der Verbrauch um etwa 1,2 Liter pro Haushalt und Monat. Das entspricht einem Zuwachs von rund zwei Prozent.
Die Autoren weisen darauf hin, dass dieser Effekt in einer angespannten Versorgungslage relevant sein kann. Laut Daten des Statistischen Bundesamts stammen rund 6,1 Prozent der deutschen Rohölimporte aus dem Nahen Osten, wo aktuell Teile der Liefermengen ausfallen.
Ausgangspunkt der Untersuchung sind deutlich gestiegene Kraftstoffpreise im Zuge des Kriegs im Iran. Zwischen dem 27.02.2026 und dem 12.04.2026 stieg der Benzinpreis von rund 1,77 Euro auf 2,10 Euro pro Liter. Diesel verteuerte sich im selben Zeitraum von 1,74 Euro auf 2,29 Euro pro Liter.
Die Bundesregierung reagierte am 13.04.2026 mit einem Entlastungspaket. Neben einer Senkung der Energiesteuer um 17 Cent pro Liter wurde eine steuerfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro für Beschäftigte angekündigt.
Entlastungsprämie wirkt direkter
Deutlich größere Effekte zeigt die zusätzliche Entlastungsprämie. Unter der Annahme, dass sie vollständig ausgezahlt wird, ergibt sich ein durchschnittlicher Einkommenszuwachs von rund 721 Euro pro Haushalt.
Auch hier profitieren Haushalte mit höherem Einkommen stärker, da dort mehr Beschäftigte pro Haushalt vorhanden sind. In der oberen Einkommenshälfte liegt die Entlastung im Schnitt bei rund 932 Euro, während sie im untersten Einkommensbereich etwa 190 Euro beträgt.
Im Vergleich zum Tankrabatt wirkt die Prämie direkter auf das verfügbare Einkommen und hat geringere Auswirkungen auf die Kraftstoffnachfrage.
Methodik basiert auf Mikrodaten und Simulationen
Die Berechnungen der Studie stützen sich auf mehrere Datensätze, darunter die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts, das Sozio-oekonomische Panel sowie das Deutsche Mobilitätspanel.
Verhaltensänderungen wurden über preisabhängige Nachfrageelastizitäten modelliert. Grundlage sind empirische Schätzungen aus früheren Studien. Die Ergebnisse basieren auf einem Mikrosimulationsmodell, das unterschiedliche Haushaltsstrukturen berücksichtigt.
