Was kann Suzukis erstes E-Modell?
Der grüne Suzuki spurtet die Gerade entlang, wirft sich durch das Schlammloch, fährt weiter, so ungerührt als habe er gerade in einer City-Tiefgarage eingeparkt.
Der elektrische Vitara, der auf das Suzuki EVX Concept zurückgeht, wird in Indien produziert und kommt im Herbst 2025 nach Deutschland. Wir haben Infos und Bilder sowie erste Fahreindrücke des Prototypen.
Suzuki startet mit dem E-Vitara in die Welt der Elektromobilität. Der 4,28 Meter lange SUV ordnet sich zwischen den aktuellen Modellen Vitara und SX4 S-Cross ein. Produziert wird das neue Elektromodell im indischen Werk Gujarat und nutzt die speziell für batterieelektrische Fahrzeuge entwickelte Plattform "Heartect‑e". Technisch ist der E-Vitara eng verwandt mit dem Toyota Urban Cruiser, mit dem er sich die Basis teilt.
So fährt der Suzuki e-Vitara
Suzuki nennt das Allrad-System Allgrip, in Anspielung auf die mechanischen Allradsysteme von Vitara, Jimny und Co., in Wahrheit hat es natürlich wenig damit zu tun. Es besteht aus den beiden Motoren an Vorder- und Hinterachse sowie einer intelligenten Steuerung, die das System-Drehmoment achsselektiv verteilen kann. Zudem können in einer E-Diff-Funktion griparme Räder gezielt eingebremst werden.
Das Schöne daran: Es funktioniert nicht nur im Schlammloch, sondern ebenso bei der Fahrt auf trockenem Asphalt. Der zusätzliche E-Antrieb an der Hinterachse stabilisiert den Suzuki e-Vitara auch bei schneller Kurvenfahrt, reduziert das Untersteuern und lässt ihn neutral um langsame und schnelle Biegungen fegen. Auch das dürfen wir ausprobieren, ebenso wie die diversen Assistenzsystem wie etwa den aktiven Spurhalter und den Abstands-Tempomaten. All das beherrscht der e-Vitara, nicht weniger wird von einem modernen Elektroauto erwartet.
Was fiel noch auf bei der ersten Ausfahrt im Suzuki e-Vitara? Der Federungskomfort erweist sich als angenehm, selbst als es mitunter über holprigen Untergrund geht. Die Lenkung könnte mehr Rückmeldung vertragen, an der Präzision gibt es dagegen wenig auszusetzen. Auch Verarbeitung, Bedienung und Infotainment machen einen seriösen Eindruck.
Karosserie mit kompakten Abmessungen
SUV-typisch setzt der e-Vitara auf einen bulligen Auftritt mit klaren Kanten und Linien, hoher Fronthaube, abgesetzten Karosseriebeplankungen und Unterfahrschutz-Elementen. Das Serienmodell bleibt dabei nahe an der Linienführung der EVX-Studie. An der Frontschürze wurde der Unterfahrschutz etwas reduziert, dafür dürfen die Kühlluftschächte im Format zulegen. Entfallen sind auf dem Weg in die Serie die seitlichen, senkrecht verlaufenden Kiemen vor den Radläufen. Zusammengefasst zu einem Scheinwerfer wurden die drei einzelnen LED-Lichtstreifen.
Die Flanken tragen nun konventionelle Außenspiegel, eingefasste Seitenscheiben, eine sichtbare B-Säule sowie Bügeltürgriffe – der hintere versteckt sich dabei in der Fenstereinfassung. Die Alueinleger in den seitlichen Stoßleisten sind nun in Kunststoff ausgeführt. Am Heck gibt es ebenfalls weniger Unterfahrschutz, ein konventioneller gezeichnetes Rückleuchtenband und der geschrumpfte Bürzel unter dem Heckfenster ist nun mit einem Scheibenwischer bestückt.
Innenraum für fünf
Im Innenraum trennt eine hohe, durchbrochene Mittelkonsole, die den Drehregler für die Antriebssteuerung aufnimmt, die Frontpassagiere. Der Fahrer greift in ein oben und unten abgeflachtes Zweispeichen-Multifunktionslenkrad. Davor streckt sich ein XXL-Display bis weit über die Armaturenbrett-Mitte. Das 10,25 Zoll große digitale Kombiinstrument und das zentrale Display im 10,1-Zoll-Format bilden hier unter einer Glasscheibe eine digitale Einheit, über die sich Navigation, Klimaautomatik und weitere Fahrzeugeinstellungen einfach und intuitiv steuern lassen. Smartphones können über Apple CarPlay und Android Auto kabellos mit dem Infotainmentsystem verbunden werden. In den höheren Ausstattungsvarianten ist auch eine induktive Ladeschale an Bord.
Die horizontal ausgerichtete Armaturentafel wird von vier senkrecht ausgerichteten Lüftungsdüsen strukturiert. Im Fond nimmt eine Dreierbank mit geteilt umlegbaren Lehnen Passagiere auf. In der Studie schienen die vorderen Sitzschalen noch zu schweben. Gleiches gilt auch für die Rückbank, die bereits drei Plätze bot. Über allen Passagieren spannt sich auch in der Serie ein zweigeteiltes Glas-Panoramadach auf. Die Ambientebeleuchtung wird zeitgemäß über LEDs realisiert.
Der Elektroantrieb
Kunden können zwischen drei Antriebskonfigurationen wählen. Die Basisversion kombiniert einen 106 kW (144 PS) starken Frontmotor mit einer 49‑kWh‑Batterie. Darüber rangiert eine Variante mit 61‑kWh‑Batterie, die wahlweise mit Front- oder Allradantrieb angeboten wird. In den Frontantriebsmodellen leistet der Elektromotor 128 kW (174 PS). Die Allradversion erhält zusätzlich einen zweiten E‑Motor an der Hinterachse mit 48 kW (65 PS), wodurch sich die Gesamtleistung auf 135 kW (183 PS) erhöht. Je nach Version soll die Reichweite bis zu 426 Kilometer betragen. Das Gewicht für den E-Vitara gibt Suzuki mit 1.700 bis 1.900 Kilogramm an. Die Höchstgeschwindigkeit ist in allen Versionen auf 150 km/h limitiert. Die Spurtzeiten liegen zwischen 7,4 und 9,6 Sekunden.
Etwas schüchtern gibt man sich bei Suzuki mit der Angabe der Ladeleistung. Von 75 kW am DC-Lader und 11 kW am Wechselstrom ist die Rede. Wichtiger seien Betriebssicherheit und Lebensdauer des Energiespeichers. Ohnehin scheint der E-Vitara eher für den Nahbereich konzipiert, wo das Schnellladen so gut wie keine Rolle spielt. Dazu passt auch die Serienausstattung, etwa mit Wärmepumpe zur Innenraum- und Batterie-Temperierung oder innenbelüfteten Scheibenbremsen hinten, sonst bei preiswerten E-Autos eher die Ausnahme. Was leider nicht so gut zu dem Szenario des E-Vitara im Einsatz passt, ist die bescheidene Anhängelast von 750 kg.
Marktstart und Preis
Der neue Suzuki E‑Vitara kann bereits bestellt werden. Er wird in zwei Batterievarianten und drei Ausstattungslinien – Club, Comfort und Comfort+ – angeboten. Die Preise beginnen bei 29.990 Euro.
Bereits die Basisausstattung Club verfügt über ein volldigitales 10,25‑Zoll‑Kombiinstrument und ein zentrales 10,1‑Zoll‑Multimedia‑Display mit kabelloser Smartphone‑Anbindung. Hinzu kommen ein automatisch abblendender Innenspiegel, elektrisch einstell- und anklappbare Außenspiegel sowie Einparkhilfen vorne und hinten inklusive Rückfahrkamera. 18‑Zoll‑Leichtmetallräder und abgedunkelte Scheiben im Fond sind ebenfalls serienmäßig.
Top-Version kostet 40.490 Euro
Die mittlere Linie Comfort (ab 36.490 Euro) ist an die 61‑kWh‑Batterie gekoppelt und bietet zusätzlich Sitzheizungen vorn, eine Warmluftführung für die Rücksitze sowie beheizbare Außenspiegel, ein beheizbares Lenkrad und eine beheizbare Frontscheibenpartie.
Die Topversion Comfort+ startet bei 40.490 Euro und ergänzt die Ausstattung um einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, ein Glasdach mit Sonnenblende, das Infinity Premium Soundsystem mit acht Lautsprechern und Subwoofer, eine induktive Ladeschale, adaptives Fernlicht, eine 360‑Grad‑Kamera, Nebelscheinwerfer und 19‑Zoll‑Alufelgen.
Der Aufpreis für den Allradantrieb beträgt 3.000 Euro in der Comfort‑Variante bzw. 2.500 Euro für Comfort+. Optional erhältlich sind Metallic‑Lackierungen (890 Euro) und Zweifarblackierungen (400 Euro). Die ersten Auslieferungen des E-Vitara sind für das Frühjahr 2026 vorgesehen.
