Prinz Andrew: Queen drängte auf Ernennung ohne Sicherheitsprüfung
Queen Elizabeth II. (1926-2022) hat sich offenbar höchstpersönlich dafür eingesetzt, dass ihr Sohn Andrew Mountbatten-Windsor (66) zum britischen Handelsbeauftragten ernannt wird. Das belegen Dokumente, über die der "The Guardian" berichtet und die am Donnerstag von der britischen Regierung freigegeben wurden. Handelsstaatssekretär Chris Bryant (64) räumte in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Parlament ein: Vor der Berufung des früheren Prinzen habe keine formelle Sicherheitsüberprüfung stattgefunden.
Das Dokumentenpaket umfasst 31 Seiten interner Regierungskorrespondenz. Die oppositionellen Liberaldemokraten hatten deren Herausgabe über ein selten genutztes parlamentarisches Verfahren durchgesetzt. Hintergrund: Das US-Justizministerium hatte zuvor E-Mails publik gemacht, die darauf hindeuten, dass Mountbatten-Windsor als Handelsbeauftragter vertrauliche Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) weitergereicht haben könnte. Der 66-Jährige weist sämtliche Vorwürfe von sich.
Aufschlussreich ist insbesondere ein Memo aus dem Februar 2000, das an den damaligen Außenminister Robin Cook (1946-2005) gerichtet war. Verfasst hatte es David Wright, seinerzeit Vorstandschef der Handelsförderungsorganisation British Trade International. Darin heißt es unmissverständlich: "Es ist der Wunsch der Königin, dass der Herzog von York die Nachfolge des Herzogs von Kent in dieser Rolle antritt." Der Monarchin sei es "sehr wichtig" gewesen, dass ihr Sohn eine "prominente Rolle bei der Förderung nationaler Interessen" einnehme. Wright regte an, der Ex-Prinz solle Reisen innerhalb des Landes unternehmen, jährlich zwei bis drei Auslandsvisiten absolvieren und vereinzelt Handelsdelegationen leiten.
Scharfe Kritik von Politikern
Staatssekretär Bryant bezeichnete das Ausbleiben einer Sicherheitsüberprüfung als "verständlich" - schließlich habe es sich um eine Fortführung der traditionellen royalen Besetzung dieser Position gehandelt. Die Liberaldemokraten reagierten empört. Fraktionsgeschäftsführerin Wendy Chamberlain nannte es "schockierend und zutiefst beunruhigend", dass Andrew ohne jegliche Prüfung in das Amt berufen worden sei. Niemand dürfe sich über derartige Standards erheben.
Mountbatten-Windsor wurde im Februar 2026 als erstes Mitglied des britischen Königshauses in der Neuzeit verhaftet - der Verdacht lautet auf Amtsmissbrauch. Nach seiner Festnahme kam er unter Ermittlungsvorbehalt frei; die polizeilichen Untersuchungen laufen weiter. Im Zentrum der Ermittlungen steht unter anderem der Verdacht, er habe in seiner Funktion als Handelsbeauftragter vertrauliche Regierungs- und Wirtschaftsdaten an Epstein übermittelt.
Davon unabhängig war der frühere Prinz bereits seit Jahren in den Epstein-Skandal verstrickt. Virginia Giuffre, die 2025 verstarb, hatte ihm vorgeworfen, sie mehrfach sexuell missbraucht zu haben - auch als sie noch minderjährig gewesen sei. Mountbatten-Windsor bestritt stets, sie überhaupt gekannt zu haben. Im Jahr 2022 einigte er sich dennoch mit Giuffre auf einen außergerichtlichen Vergleich in Millionenhöhe in den USA. Im selben Jahr, in dem er 2011 von seinem Posten als Handelsbeauftragter zurückgetreten war, war ein Foto aufgetaucht, das ihn mit dem Arm um Giuffre zeigt.