Königin Sonja: Neue Rolle als erste Königswitwe Norwegens seit 1905
Mit dem Tod von König Harald V. (1937-2026) am Freitagmorgen im Alter von 89 Jahren hinterlässt der Monarch seine Ehefrau Königin Sonja (89) - und damit erstmals seit dem Ende der schwedisch-norwegischen Union 1905 eine Königswitwe. Das norwegische Königshaus steht vor einer beispiellosen Situation: Weder Haralds Vater Olav V. noch sein Großvater Haakon VII. hinterließen ihre Ehefrauen, beide überlebten ihre Gemahlinnen.
Könnte Königin Sonja bei der Trauerfeier sprechen?
Der Tod Haralds markiert einen fundamentalen Wandel für Sonja. Nach über drei Jahrzehnten als Königin an der Seite ihres Mannes tritt die 89-Jährige nun aus dem Zentrum der Macht zurück. Ihr Sohn Haakon VIII. (53) hat die Regentschaft übernommen und wird am Dienstag seinen Eid ablegen. Seine Frau Mette-Marit (53) ist von der Kronprinzessin zur neuen Königin aufgestiegen.
Norwegen zählt damit nun zwei Königinnen. Sonja darf ihren Titel behalten, wie der Palast unmittelbar nach Haralds Ableben bekanntgab. Doch welche Funktion wird sie künftig ausfüllen - und was bedeutet diese Konstellation für die Monarchie?
Bereits beim Staatsbegräbnis am Mittwoch, dem 9. September, könnte die Königswitwe besonders in Erscheinung treten - möglicherweise mit einer Trauerrede. Ein solcher Auftritt wäre in der modernen norwegischen Monarchie seit 1905 einmalig. Die norwegische Royal-Expertin Tove Taalesen hält dies für denkbar. "Sie waren 58 Jahre verheiratet, und Königin Sonja ist eine begabte Rednerin. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie es täte." Das wäre gewiss ein "sehr bewegender Moment".
Eine solche Geste würde auch verdeutlichen, dass das Königshaus weiterhin auf Sonja zählen kann. Besonders für König Haakon könnte sie zur bedeutenden Stütze werden, während sich Mette-Marit nach ihrer Lungentransplantation noch erholen muss und seine Tochter, Thronfolgerin Ingrid Alexandra (22), ihr Studium fortsetzt.
Auch Sofía und Margrethe behielten Titel
Orientierung für ihre künftige Rolle könnte Königin Sonja bei anderen europäischen Monarchien finden. Königin Sofía von Spanien (87), Gattin des ehemaligen spanischen Königs Juan Carlos I. (88), behielt nach dessen Abdankung im Juni 2014 ebenfalls ihren Titel. Die Mutter des regierenden spanischen Königs Felipe VI. (58) überlässt das Rampenlicht seither größtenteils ihrer Schwiegertochter, Königin Letizia (53). In begrenztem Umfang nimmt die 87-Jährige jedoch weiterhin repräsentative und soziale Verpflichtungen wahr.
Beatrix wechselte vom Königinnen- zum Prinzessinnen-Titel
Margrethe II. von Dänemark (86) und Beatrix der Niederlande (88) waren zwar keine eingeheirateten Königinnen, sondern selbst Regentinnen. Nach ihrem Thronverzicht mussten jedoch auch sie ihre Position innerhalb der Monarchie neu definieren.
Margrethe II. behielt nach ihrer Abdankung im Januar 2024 ihren Titel, weshalb auch Dänemark nun zwei Königinnen hat. Gelegentlich nimmt sie noch offizielle Termine wahr. Im Juni etwa fuhr sie an Bord des Königsschiffs Dannebrog unter der nach ihr benannten neuen Storstrømsbrücke hindurch.
Beatrix der Niederlande hingegen legte ihren Titel mit der Abdankung im April 2013 ab. Seither trägt sie wieder wie vor ihrer Thronbesteigung den Prinzessinnen-Titel. Damit ist Schwiegertochter Máxima (55) an der Seite von Beatrix' Sohn Willem-Alexander (59) die einzige niederländische Königin. Prinzessin Beatrix bewohnt seit Februar 2014 Schloss Drakensteyn in Lage Vuursche und tritt nur noch zu ausgewählten Anlässen öffentlich auf.
Im März erschien sie zum Beispiel zur Verleihung des zwölften Prinz-Friso-Preises in Eindhoven, der an ihren verstorbenen Sohn erinnert, und besuchte im Zuge einer Freiwilligenaktion einen Kinderbauernhof. Am 6. September wird sie gemeinsam mit ihren Söhnen Willem-Alexander und Constantijn im deutschen Hitzacker erwartet. Das royale Trio möchte dort den 100. Geburtstag von Beatrix' 2002 verstorbenem Mann Claus würdigen, der in Hitzacker zur Welt kam.
Queen Mum prägte eine ganz besondere Rolle in der Royal Family
Dass auch eine Königswitwe abseits der ersten Reihe eine herausragende Position im Königshaus einnehmen kann, bewies einst die britische Queen Mum (1900-2002). Nach dem Tod ihres Mannes König Georg VI. im Jahr 1952 erhielt sie eine neue offizielle Bezeichnung: Fortan wurde sie als "Her Majesty Queen Elizabeth The Queen Mother" (deutsch: "Ihre Majestät Königin Elizabeth, die Königinmutter") tituliert.
Die Briten gaben ihr den kürzeren Beinamen "Queen Mum" - einen inoffiziellen, aber liebevollen Titel. Die Mutter der früheren britischen Königin Elizabeth II. (1926-2022) erfreute sich großer Beliebtheit beim Volk und erlangte mit ihrem Humor regelrechten Kultstatus. Sie gehörte zu den engsten Vertrauten ihrer Tochter und war eine wichtige Ratgeberin während deren Regentschaft.