König Harald: Schwester Astrid trauert einsam am Sarg
Im norwegischen Königshaus herrscht tiefe Trauer um König Harald V. (1937-2026). Jetzt hat der Palast neue Fotografien publiziert, die einen zutiefst intimen Moment festhalten: Prinzessin Astrid (94) verweilt im Rollstuhl allein in der Schlosskapelle neben dem Sarg ihres jüngeren Bruders. Ein weiteres Bild zeigt sie am Fenster mit Blick auf die trauernden Menschen vor dem Schloss. Der Hof kommentierte die Aufnahmen lediglich mit "Prinzessin Astrid" und einem Herz-Emoji.
Die Fotografien dokumentieren die 94-Jährige in stiller Andacht beim Abschied von jenem Mann, mit dem sie seit frühester Kindheit eng verbunden war. Harald erblickte am 21. Februar 1937 das Licht der Welt - als drittes Kind und einziger Sohn von Kronprinz Olav (1903-1991) und Kronprinzessin Märtha (1901-1954). Vor ihm kamen bereits die Töchter Ragnhild (1930-2012) und Astrid zur Welt. Astrid wurde am 12. Februar 1932 geboren und war somit gut fünf Jahre älter als ihr Bruder.
Geschwisterliche Nähe von Kindheit an
Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Ragnhild wuchsen Astrid und Harald auf dem Gut Skaugum auf. Doch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs überschatteten ihre Kindheit früh. Nach dem deutschen Einmarsch in Norwegen 1940 flüchtete die Familie zunächst nach Schweden, später in die USA. Dort lebten die Geschwister mehrere Jahre im Exil.
Besonders einschneidend war für die Geschwister wohl der frühe Verlust ihrer Mutter. Kronprinzessin Märtha erlag 1954 im Alter von 53 Jahren einer Krebserkrankung. Astrid war damals 22 Jahre alt, Harald erst 17.
Nach dem Tod der Mutter fiel Astrid eine außergewöhnlich bedeutsame Rolle im Königshaus zu. Da ihre Großmutter Königin Maud bereits 1938 verstorben war und ihre ältere Schwester Ragnhild nach der Hochzeit in Brasilien lebte, wurde die damals 22-Jährige 1954 zur First Lady Norwegens. In dieser Position absolvierte sie zahlreiche offizielle Auftritte - zunächst an der Seite ihres Großvaters König Haakon VII. und ihres Vaters Kronprinz Olav, ab 1957 dann an der Seite von König Olav. Zusätzlich übernahm sie die Leitung des Crown Princess Märtha Memorial Fund. First Lady blieb sie bis 1968, als Harald Sonja Haraldsen ehelichte.
Der Jüngste wurde Thronfolger - trotz älterer Schwestern
Nach den heutigen Regelungen der norwegischen Thronfolge hätte Astrid als älteres Kind vor ihrem jüngeren Bruder den Thron beanspruchen können. Doch bei ihrer Geburt sah die norwegische Verfassung anderes vor: Ausschließlich männliche Nachkommen waren erbberechtigt.
Mit Haralds Geburt 1937 galt die Thronfolge nach damaliger Rechtslage als gesichert. Das norwegische Königshaus selbst vermerkt in Haralds Biografie, dass die Verfassung von 1814 zu jener Zeit nur männliche Erben für die Thronfolge zuließ.
Die grundlegende Reform der norwegischen Erbfolge kam 1990. Seither gilt für ab 1990 Geborene die geschlechtsneutrale Thronfolge: Allein die Geburtsreihenfolge entscheidet. Für ältere Generationen existieren jedoch Übergangsbestimmungen. Wer vor 1971 zur Welt kam, unterliegt weiterhin den früheren Regeln, wonach nur Männer erbberechtigt waren. Für die Jahrgänge 1971 bis 1989 gilt hingegen: Frauen sind zwar grundsätzlich thronfolgeberechtigt, männliche Nachkommen genießen aber weiterhin Vorrang.
Daher blieb Astrid von der Thronfolge ausgeschlossen. Auch Haralds eigene ältere Tochter Märtha Louise (54) steht trotz ihres Geburtsvorsprungs hinter ihrem jüngeren Bruder Haakon: Er kam 1973 zur Welt und profitierte damit noch von der früheren Regelung, die Söhnen den Vorzug gab. Für die nachfolgende Generation gilt jedoch Gleichberechtigung: König Haakons Tochter Ingrid Alexandra (22) steht auf Rang eins der Thronfolge - vor ihrem jüngeren Bruder Sverre Magnus (20).
Bis zum Ende an Haralds Seite
Prinzessin Astrid blieb auch während der Regentschaft ihres Bruders eine aktive Repräsentantin des Königshauses. Selbst im hohen Alter nahm sie regelmäßig offizielle Termine wahr. Ihr Engagement galt unter anderem sozialen Projekten, der Förderung von Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit Legasthenie.