König Haakon von Norwegen: Wer ist der neue Monarch?
König Harald V. ist verstorben. Der norwegische Regent starb am Freitagmorgen, 28. August, im Alter von 89 Jahren im Rikshospitalet in Oslo. Laut norwegischer Regierung trat sein Tod um 6:35 Uhr ein. Mit seinem Ableben ging die Krone unmittelbar an seinen Sohn Haakon (53) über. Norwegen hat nun einen neuen Monarchen.
Auf diesen Augenblick hat sich Haakon ein Leben lang vorbereitet. Trotzdem erfolgt der Thronwechsel in einer äußerst herausfordernden Phase für das norwegische Königshaus. Seine Gattin Mette-Marit kämpft sich nach einer Lungentransplantation zurück ins Leben, ihr Sohn Marius Borg Høiby sorgt seit Monaten für Negativschlagzeilen. Gleichzeitig muss Haakon die Nachfolge eines Königs antreten, der über drei Jahrzehnte das Gesicht der norwegischen Monarchie prägte.
Ein Monarch mit lässiger Ausstrahlung
Dass Haakon bürgernah und unkompliziert auftritt, hat er mehrfach unter Beweis gestellt. Bei seinem 50. Geburtstag 2023 veranstaltete das Königshaus eine "Hinterhofparty im Schloss", zu der Gäste aus dem ganzen Land eingeladen waren. Das entsprach dem damaligen Kronprinzen, der früher als einer der lässigsten Thronfolger Europas galt.
Vermutlich auch, weil er seine Zeit lieber abseits von Schlossmauern und Königsgewändern verbringt. Haakon ist naturverbunden und sportbegeistert. Seine Hobbys vereinen beide Leidenschaften: Surfen, Fallschirmspringen, Skifahren, Wandern, Kajakfahren - der neue Monarch ist gern aktiv. Seinen 40. Geburtstag beging er mit einem entspannten Musikfestival, mit seiner schwedischen Kollegin und engen Freundin Kronprinzessin Victoria samt Familien verbrachte er Wanderurlaube.
Seine Naturverbundenheit zeigt sich auch in seinem Engagement. Der studierte Politikwissenschaftler und Diplomat setzt sich seit Jahren für Umweltschutz, erneuerbare Energien, nachhaltiges Wirtschaften und Entwicklungshilfe ein.
Sein Einsatz für die Liebe zu Mette-Marit
Großen Respekt erntete Haakon dafür, dass er trotz aller Widerstände seine Mette-Marit heiratete, die er 1999 auf einem Musikfestival kennengelernt hatte. Obwohl sie in der norwegischen Presse wegen ihrer wilden Party-Vergangenheit kritisiert wurde, stellte Haakon klar: "Wir haben uns ineinander verliebt und wollen den Rest unseres Lebens zusammen verbringen."
Das beste Vorbild, zu seiner großen Liebe zu stehen, hatte er in seinem Vater. Harald bestand als junger Kronprinz ebenfalls darauf, die bürgerliche Sonja heiraten zu dürfen. Als er seinem Vater Olav V. (1903-1991) schließlich androhte, für immer unverheiratet zu bleiben und somit keine Nachkommen zu zeugen, willigte dieser nach neun Jahren ein.
Wie einst Sonja eroberte später auch Mette-Marit die Herzen vieler Norweger. Sie engagierte sich unter anderem für Literatur, Gesundheitsthemen und soziale Belange. Mit Haakons Thronbesteigung wird sie nun Königin von Norwegen.
Bange Monate wegen ihrer Krankheit
Die vergangenen Jahre waren für das Paar jedoch von ernsthaften gesundheitlichen Sorgen überschattet. Bereits 2018 hatte das Königshaus mitgeteilt, dass Mette-Marit an einer seltenen Form der Lungenfibrose erkrankt sei. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zuletzt drastisch. Anfang Juni 2026 wurde sie wegen ihrer lebensbedrohlichen chronischen Lungenerkrankung auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt.
Rund zwei Wochen später erhielt Mette-Marit im Rikshospitalet eine Spenderlunge. Der Eingriff verlief nach Angaben des Königshauses erfolgreich. Mitte Juli konnte sie die Klinik wieder verlassen; vor ihr liegt allerdings eine längere Rehabilitations- und Genesungsphase. Haakon hatte schon als Kronprinz seinen Terminkalender immer wieder angepasst, um seiner Frau beistehen zu können.
Zusätzlich belastet der Fall um Mette-Marits ältesten Sohn Marius Borg Høiby die Familie. Er gehört offiziell nicht zum norwegischen Königshaus. Nach einem aufsehenerregenden Prozess wurde er im Juni 2026 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Høiby hat Berufung eingelegt. Haakon hatte vor Prozessbeginn erklärt, Marius sei ein wichtiger Teil der Familie, müsse sich vor dem Gesetz aber wie jeder andere Bürger verantworten.
Kontroversen um seine Schwester
Auch seine Schwester Märtha Louise sorgte in den vergangenen Jahren wiederholt für Diskussionen rund um das Königshaus. Kritisiert wurde vor allem, dass sie ihren Prinzessinnen-Titel mit kommerziellen Interessen vermische. Im November 2022 gab der Palast bekannt, dass Märtha Louise auf ihre offiziellen Pflichten verzichtet und das Königshaus nicht mehr repräsentiert. 2024 heiratete sie den US-Amerikaner Durek Verrett.
Für Haakon bedeutete all das bereits vor seiner Thronbesteigung zusätzliche Verantwortung. Da in Norwegen bei seiner Geburt noch das Vorrecht der männlichen Nachkommen galt, wurde er einst Thronfolger und nicht seine ältere Schwester. Für seine eigenen Kinder gilt bereits die neue Regelung.
Ingrid Alexandra rückt zur Kronprinzessin auf
Mit Haakons Thronbesteigung rückt seine Tochter Ingrid Alexandra an die erste Stelle der Thronfolge. Sie ist damit Norwegens neue Kronprinzessin. Ihr jüngerer Bruder Sverre Magnus folgt direkt hinter ihr. Mette-Marits Sohn Marius spielt in der Thronfolge keine Rolle.
Die neue Kronprinzessin wird bereits seit einigen Jahren schrittweise auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereitet. Im Frühjahr 2025 beendete Ingrid Alexandra ihren 15-monatigen Wehrdienst bei der Brigade Nord. Anschließend begann sie ein Studium an der University of Sydney mit den Schwerpunkten internationale Beziehungen und politische Ökonomie. Im Herbst 2026 studiert sie als Austauschstudentin an der Universität Oslo und belegt dort unter anderem Kurse in vergleichender Politikwissenschaft und Konfliktlösung.