König Charles: Deshalb ist die Karibik-Reise ein Risiko
Der renommierte britische Geschichtswissenschaftler Sir Anthony Seldon schätzt die bevorstehende Karibik-Tour von König Charles III. (77) als außerordentlich heikel ein. Die Reise stelle "das größte Risiko seiner bisherigen Regentschaft" dar, da zahlreiche Faktoren jenseits seiner Einflussmöglichkeiten lägen. So äußerte sich der Buchautor gegenüber der "BBC".
Am Dienstag (27. Oktober) startet König Charles III. zu einer neuntägigen Karibik-Tour. Die Stationen umfassen die Bahamas, Guyana sowie Antigua und Barbuda, wo Königin Camilla (79) zu ihm stößt und das Gipfeltreffen der Commonwealth-Regierungschefs stattfindet. Der Abschluss erfolgt am 4. November. Nach Angaben des Buckingham-Palasts soll die Visite die Gemeinschaften, Kulturen und Naturschätze der "Commonwealth-Familie" ehren.
Rufe nach königlicher Entschuldigung
Charles begibt sich jedoch mitten in eine aufgeheizte Kontroverse. Im Zentrum stehen Reparationen: Karibische Staaten fordern von ehemaligen Kolonialmächten wie Großbritannien eine Wiedergutmachung für das Unrecht der Sklaverei. Seit geraumer Zeit wird eine Entschuldigung des Monarchen für Großbritanniens Vergangenheit gefordert. Charles selbst hatte die Sklaverei einst als "entsetzliche Gräueltat" bezeichnet, die einen "unauslöschlichen Makel" in der Geschichte hinterlassen habe.
Aus Seldons Sicht geht es daher um weit mehr als diplomatische Gepflogenheiten. Die Debatten über Sklaverei, Reparationen und Entschuldigungen stellten die moralische Glaubwürdigkeit der Monarchie infrage, erklärte er dem Sender.
Offizielle Entschuldigung bleibt unwahrscheinlich
Während der Reise wird Charles drei Reden halten. Eine formelle Entschuldigung für die britische Beteiligung am transatlantischen Sklavenhandel erwartet gleichwohl niemand, da der König in dieser Angelegenheit dem Kurs der Regierung folgt. Ein hochrangiger Palastmitarbeiter unterstrich gegenüber dem Sender, Charles werde den "dunkelsten Tagen unserer Vergangenheit" nicht ausweichen, doch über Entschuldigungen und Reparationen entscheide ausschließlich die Regierung.
Diese hat ihre Position längst festgelegt: Wie bereits ihre Vorgängerregierungen lehnt auch das Kabinett von Premierminister Andy Burnham Reparationszahlungen ab. Der Buckingham-Palast teilte jedoch mit, dass die Würdigung des vergangenen Unrechts in allen drei besuchten Ländern fest eingeplant sei.
Rückblick auf Barbados 2021
Für Charles ist es die erste Karibik-Reise seit 2021. Seinerzeit besuchte er als Prinz von Wales Barbados. Der Inselstaat löste Queen Elizabeth II. (1926-2022) als Staatsoberhaupt ab und wandelte sich zur Republik. Bereits in seiner damaligen Ansprache thematisierte Charles die "entsetzliche Gräueltat der Sklaverei", unter der das Land gelitten habe.
Die Region ist ihm also durchaus vertraut. 2019 bereiste er gemeinsam mit Camilla Kuba. Nach den verheerenden Wirbelstürmen Irma und Maria besuchte er 2017 Antigua und Barbuda. In Guyana war er im Jahr 2000, auf den Bahamas bereits 1973. Insgesamt absolvierte Charles laut "Hello!"-Magazin über 100 Auslandsreisen, die ersten noch in seiner Funktion als Herzog von Cornwall.