Carl XVI. Gustaf wird 80: Heirat mit Silvia war sein "Geniestreich"
Wenn er feiert, dann richtig: Zu seinem 80. Geburtstag am 30. April erwartet der schwedische König Carl XVI. Gustaf eine Vielzahl hochkarätiger Gäste. Man könnte das Fest auch als Schaulaufen der Könige bezeichnen.
Es kommen aus Thailand König Maha Vajiralongkorn (73) und Gemahlin Suthida (47). Aus den Niederlanden werden König Willem-Alexander (58) und Máxima (54) erwartet, aus Brüssel König Philippe (66) und Mathilde von Belgien (53), aus Spanien König Felipe VI. (58) und Ehefrau Letizia (53).
Der englische König Charles III. (77) und Königin Camilla (78) mussten absagen, sie reisen anlässlich des 250-jährigen Bestehens der USA nach Amerika, um dort Präsident Donald Trump (79) ihre Aufwartung zu machen. Vermutlich schicken sie Kronprinz William (43) nach Stockholm.
Carl Gustaf übersteht Affären-Gerüchte
Selbstredend kommen engste Freunde wie das dänische Königspaar Frederik X. (57) und Mary (54) sowie Ex-Königin Margrethe (86), aus Norwegen König Harald (89) mit Königin Sonja (88) und Kronprinz Haakon (52). Dessen Frau Mette-Marit (52) wird nicht in Schweden erscheinen. Die Prinzessin leidet an einer Lungenfibrose und wird sich einer Transplantation unterziehen müssen. Als weiteren Grund für ihr Nichterscheinen wird in den Medien über ihre Freundschaft mit dem US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) spekuliert.
Negative Presse ist auch König Carl Gustaf nicht fremd. 2010 erschien das Buch "Der widerwillige Monarch". In diesem umstrittenen Werk behauptet der Autor Thomas Sjöberg, dass Carl Gustaf angeblich regelmäßig verbotene Bordelle, in Besitz von Unterweltgrößen, besucht, Feste in Stripclubs gefeiert sowie eine längere Affäre mit Camilla Henemark (61), der Sängerin der Band Army of Lovers, gehabt haben soll. Henemark äußerte sich in der Zeitung "Expressen" über den Monarchen: "Er ist ein extrem charmanter Mensch. Er ist witzig, er ist süß, und ich fand den schon ziemlich gut."
Sie habe nur heimlich oder unter dem Schutz des Geheimdienstes ihren königlichen Liebhaber treffen können. Man habe vom Aussteigen geträumt, von einer Kokosplantage auf einer einsamen Südseeinsel. Daran erinnerte sich der König später nicht (mehr).
Er hielt eine Pressekonferenz ab, auf der er mehr gestammelt als gesprochen haben soll: "Ich habe mit meiner Familie und der Königin gesprochen, und wir haben beschlossen, ein neues Kapitel aufzuschlagen und nach vorn zu blicken, denn, wie ich verstanden habe, handelt es sich um Dinge, die vor langer Zeit geschehen sind."
Als er dann zur Elchjagd aufbrach, folgten ihm jede Menge Journalisten, die wissen wollten, ob denn alles stimme, was da gerade publiziert werde. Carl Gustaf erwiderte Berichten zufolge, er könne dazu nichts sagen, schließlich habe er "nicht die Zeit, den ganzen Tag zu lesen". Nur so viel: "Wir blättern nun um und schauen nach vorne."
Königin Silvia rettet die Krone
Solche Äußerungen waren mal wieder Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Insofern stimmen sie dem Autor Thomas Sjöberg zu, der meint, Carl Gustaf lebe halt das Leben eines Aristokraten: "Er macht all die Dinge, die Aristokraten so tun: teure Urlaube an der französischen Riviera, Reisen um die ganze Welt, absurd teure Partys, gesellige Treffen mit vielen Frauen, wenn seine Frau nicht dabei ist. Die Schweden scheinen sehr tolerant zu sein, und das liegt zum Teil daran, dass sie ihn nicht als erwachsenen Menschen ansehen."
Als er 1973 mit 27 Jahren den Thron bestieg, galt er als oberflächlicher Playboy mit einer Vorliebe für Sportwagen der Marken Porsche und Ferrari. Viele sahen ihn sogar als eine Art Witzfigur, weil ihm bei seiner Krönung und der Unterzeichnung von Dokumenten ein Rechtschreibfehler bei seinem Namen unterlief. Auch beim Besuch eines Kupferbergwerks signierte er einen Felsen feierlich mit "Cal Gustf". Später stellte sich heraus, dass er an Legasthenie leidet.
Dann kam Silvia (82). 1972 hatte er bei den Olympischen Spielen in München die deutsche Dolmetscherin und Olympia-Hostess Silvia Sommerlath kennengelernt und sich in sie verliebt. 1976 war Hochzeit, und das Land, das eigentlich mehrheitlich die eigene Monarchie nicht mehr wollte, feierte seine neue Königin, die ihre neue Rolle vom ersten Tag an souverän meisterte. Eine sozialdemokratische Politikerin, die nicht als königstreu galt, soll geseufzt haben: "Sie ist einfach gut, leider zu gut. Dieses deutsche Bürgerfräulein rettet unsere Krone über eine ganze Generation hinweg."
Die Heirat mit Silvia sei Carl Gustafs großer "Geniestreich" gewesen, findet der Historiker Herman Lindqvist, der zum 60. Geburtstag des Königs eine Biografie über ihn geschrieben hat. Die Hochzeit sei der Moment in seinem Leben gewesen, wo er einmal wirklich alles richtig gemacht habe. "Silvia hat das ganze schwedische Volk verführt."
Die nächste Generation steht in den Startlöchern
Über 52 Jahre sitzt Carl Gustaf nun schon auf dem schwedischen Thron, länger als jeder König vor ihm. Er interessiert sich nicht nur für Sport und schnelle Autos, sondern auch für Natur und Naturschutz sowie für eine intakte Umwelt. Die Schweden haben sich an ihn gewöhnt, so wie er sich an seine königliche Verantwortung gewöhnt hat.
Schwedische Monarchisten loben seinen Reifeprozess. Als herausragendes Beispiel nennen sie seine Tsunami-Rede von 2004. Damals verwüstete die Naturkatastrophe am zweiten Weihnachtstag weite Teile Asiens, 230.000 Menschen starben, darunter auch über 500 Schweden. In einer bewegenden TV-Ansprache, die viele Bürger zu Tränen rührte, erzählte der König sehr Persönliches aus seiner Vergangenheit, wie sein Vater Erbprinz Gustaf Adolf 1947 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam und er vaterlos aufwuchs. Er appellierte überzeugend an Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt, auch jenseits der Familie. Von dieser Rede sprechen die Leute noch heute, wenn sie ihren König loben wollen.
Und von seiner Familie. Das Königspaar hat drei Kinder: Kronprinzessin Victoria (48), Prinz Carl Philip (46) und Prinzessin Madeleine (43). Sie gelten als bodenständig und sind im Land sehr beliebt, vor allem Victoria, die offenbar den Charme und die Souveränität ihrer Mutter geerbt hat.
In ihr sehen die Schweden eine ideale Königin, auch jetzt schon, doch dafür müsste Carl Gustaf erst abdanken, woran er natürlich nicht denkt. Wer ihn danach fragt, dem sagt er, da müsste man schon den lieben Gott fragen.