Aberfan-Katastrophe: Royals gedenken 144 Opfern nach 60 Jahren
König Charles III. (77), Königin Camilla (79) und Prinz William (44) haben am Mittwoch bei einem seltenen gemeinsamen Auftritt in Südwales der Opfer einer verheerenden Katastrophe gedacht. Im walisischen Dorf Aberfan jährt sich das Unglück in diesem Jahr zum 60. Mal.
Im Oktober 1966 löste sich nach tagelangem Dauerregen eine Halde aus Bergbauabfällen und rutschte einen Hang hinab. Die Schlammlawine begrub die örtliche Schule sowie mehrere Wohngebäude. 144 Menschen kamen ums Leben, 116 davon waren Kinder zwischen sieben und zehn Jahren. An der Stelle der einstigen Pantglas Junior School befindet sich heute der Aberfan Memorial Garden - ein Ort der Erinnerung an die Verstorbenen.
William traf als Erster ein
Laut Berichten erreichte der Thronfolger die Gedenkstätte vor seinem Vater und dessen Frau. Während er mit Würdenträgern sprach, wartete er auf das Königspaar, das etwa sieben Minuten später eintraf.
Im Gedenkgarten folgte eine kurze Andacht mit Gebeten und Momenten der Stille. Anschließend trat Charles vor, legte seinen Kranz nieder und verharrte einen Augenblick. Camilla platzierte daraufhin einen Blumenstrauß. Als Letzter legte William seinen Kranz ab.
Queen Elizabeth II. weihte den Garten ein
Der Gedenkort wurde geschaffen, um trauernden Angehörigen und Überlebenden einen Ort der Ruhe und Besinnung zu bieten. Queen Elizabeth II. (1926-2022) hatte ihn 1974 eingeweiht. Die verstorbene Monarchin besuchte Aberfan nach der Tragödie mehrfach.
In Begleitung von Zeitzeugen, die das Unglück selbst miterlebt hatten, begaben sich die drei Royals zu Fuß zum Aberfan & Merthyr Vale Community Centre. Auf dem Weg begrüßten sie Einheimische und kamen mit ihnen ins Gespräch.
96-jährige ehemalige Rettungshelferin anwesend
Im Gemeindezentrum trafen Charles, Camilla und William auf Überlebende sowie Eltern, die bei dem Unglück Kinder verloren hatten. Auch ehemalige Mitschüler und Geschwister der getöteten Kinder waren erschienen. Mitglieder der Aberfan Wives schilderten, wie ihre Gruppe einst gegründet wurde, um trauernden Müttern beizustehen.
Unter den Gästen befanden sich zudem pensionierte Einsatzkräfte, die in den ersten Stunden und Tagen nach der Katastrophe geholfen hatten - darunter eine 96 Jahre alte frühere Polizistin.
Männerchor als Halt für Trauernde
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Ynysowen Male Voice Choir. Der Männerchor war nach dem Unglück entstanden und entwickelte sich für viele Männer im Ort zu einer Form der Selbsthilfe.
Nach dem gemeinsamen Gedenken besuchte Prinz William die örtliche Grundschule Ynysowen Community Primary. Dort enthüllte er eine neue Skulptur: den Aberfan Memorial Tree, der anlässlich des 60. Jahrestages der Katastrophe geschaffen wurde.