Aberfan-Jahrestag: Royals gedenken Grubenunglück mit 144 Toten
König Charles III. (77), Königin Camilla (79) und Prinz William (44) werden am 21. Oktober gemeinsam das walisische Dorf Aberfan besuchen. Vor genau 60 Jahren forderte dort eine Katastrophe 144 Menschenleben, 116 davon waren Kinder. Die "Daily Mail" berichtete zuerst über den geplanten Besuch, auch das Portal "WalesOnline" bestätigte die Pläne.
Gemeinsame öffentliche Auftritte der drei Royals sind eine Seltenheit. Laut einem Palastinsider gegenüber der "Daily Mail" verdeutliche ihre Präsenz die tiefe Verbundenheit, die das Königshaus über Jahrzehnte hinweg mit den Menschen in Aberfan aufgebaut habe.
Das Programm der Royals
Am Morgen des 21. Oktober 1966 löste sich eine Abraumhalde des Kohlebergbaus oberhalb des Ortes. Um 9:13 Uhr begruben etwa 150.000 Tonnen Kohleschlamm die Pantglas Junior School sowie angrenzende Wohnhäuser.
Laut "WalesOnline" führt der Besuch der Royals zunächst in den Aberfan Memorial Garden, der sich heute auf dem Gelände der zerstörten Schule befindet. Nach einem Gebet und einer Schweigeminute werden Charles und William Kränze niederlegen, Camilla ein Blumengebinde. Anschließend treffen sie im Gemeindezentrum Überlebende, Angehörige der Opfer und ehemalige Rettungskräfte - darunter eine 96-Jährige, die 1966 als Polizistin vor Ort war. Zum Abschluss enthüllt William eine Skulptur anlässlich des Jahrestages.
Ein historisches Foto mit Prinz Philip
Eine Begegnung dürfte den König besonders bewegen. Charles habe darum gebeten, Gareth Jones zu treffen, schreibt die "Daily Mail". Jones war sechs Jahre alt, als Prinz Philip (1921-2021) einen Tag nach dem Unglück das Dorf besuchte. Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt den Jungen mit seiner Mutter, seinen Geschwistern und seinem Großvater - vor ihnen steht der Ehemann der Queen. Der Schulhausmeister hatte Jones damals durch ein offenes Fenster gerettet.
"Der König weiß von dem Foto seines Vaters in meinem Haus und hat nach den Kindern auf dem Bild gefragt", erzählte der heute 66-Jährige der Zeitung. Alle drei Kinder hätten die Katastrophe überlebt. Dass keine weiteren Kinder auf dem Bild zu sehen seien, erinnere ihn an die vielen jungen Opfer, erklärte Jones. "Sie alle hatten an diesem schrecklichen Tag ihr Leben verloren." Zum Besuch des Monarchen kündigte Jones an: "Ich werde da sein, egal was passiert. Ich freue mich darauf, dem König meine Erinnerungen an den Tag zu schildern, an dem sein Vater ins Dorf kam."
Queen Elizabeth II. (1926-2022) besuchte Aberfan 1966 erst acht Tage nach der Tragödie - was ihr erhebliche Kritik einbrachte. Auf Anraten ihres Privatsekretärs Lord Charteris war sie zunächst ferngeblieben, um die Rettungsarbeiten nicht zu stören. Charteris räumte später ein, dass dies ein Fehler gewesen sei. Die Queen selbst bezeichnete die Verzögerung laut "Daily Mail" als einen der größten Fehler ihrer Regentschaft. Nach Angaben von "WalesOnline" kehrte sie 1973, 1997 und 2012 nach Aberfan zurück.
Gareth Jones zeigt hingegen Verständnis für die damalige Entscheidung der Königin. "Für mich hat sie sich aus Respekt vor den Familien zurückgehalten, die Kinder verloren hatten", sagte er. "Ich finde immer noch, dass es richtig war."