VOX-Löwen gehen auf Gründer wegen Fördermitteln los: "Das ist unser Steuergeld!"
Warum nicht mal den üblichen Ablauf einer Pitch-Präsentation durcheinanderwirbeln - mit vollem Körpereinsatz und großer Leidenschaft? Der 44-jährige Profi-Musiker Andreas aus Berlin, der seit über 30 Jahren Schlagzeug spielt, schon mit zwölf seine erste Band gründete und auf Festivals wie Wacken spielte, sitzt zum Beginn seines "Drum Revolution"-Pitches auf einem Podest - und heizt den Löwinnen und Löwen mit satten Grooves mächtig ein.
Erster Eindruck: gute Stimmung in der Ostermontagsfolge von "Die Höhle der Löwen" (20.15 Uhr bei VOX und vorab bei RTL+)! Dagmar Wöhrl sagt: "Schon mal viel Schwung in der Bude." Genau richtig gemacht!
Und dann werden die Augen von Ralf Dümmel groß und größer: "Ich wollte als Kind immer Schlagzeug spielen", schwärmt der Hamburger. Seine Eltern kauften ihm aber eine elektrische Orgel. Andreas spürt die Begeisterung sofort und holt Dümmel an die Drums. Der bedankt sich euphorisch: "Du erfüllst mir einen Kindheitstraum."
In die Computerspiel-Entwicklung floss öffentliches Fördergeld. Warum?
Die Firmenidee lässt sich so hervorragend demonstrieren: Dümmel hat vom Schlagzeugspiel keine Ahnung. Er folgt allerdings dem intuitiven Schulungssystem, das hinter "Drum Revolution" steckt. Im Kern geht es bei dem Start-up um ein Computerspiel, das Musiklernen und mit Gaming verbindet. Mit echten Drumsticks kann man eine Spielfigur durch Abenteuerwelten bewegen. Die Grundtechniken des Schlagzeugspielens sollen nebenbei erlernt werden. 150.000 Euro für acht Prozent an seiner Firma möchte Gründer Andreas dafür haben.
Es ist eine Idee, die von Enthusiasmus getragen ist - die aber schnell auch Stirnrunzeln auslöst. Später schlägt das sogar in Irritation und echte Verärgerung um. Und das nicht nur, weil das "Jump'n'Run"-Game eher banal gehalten ist und aus der Zeit gefallen wirkt.
Frank Thelen will nicht glauben, dass die Entwicklung so aufwendig war und sogar mit öffentlichen Fördermitteln bezuschusst wurde. Mit KI-Hilfe würde sich Thelen zutrauen, das Spiel an einem Wochenende nachzubauen. Ein vernichtendes Urteil des Digital-Experten.
"Wir brauchen das Geld für wichtige Dinge"
Die gelernte Opernsängerin Judith Williams schätzt zwar die Idee, die musikalische Bildung im Land zu stärken. "Jedes Kind sollte ein Instrument spielen", sagt sie. Sie urteilt aber hammerhart: "Das ist uninvestierbar." Ohnehin stört sie sich - wie alle anderen potenziellen Investoren - an der enorm hohen Bewertung, die wie aus der Luft gegriffen wirkt. Andreas kann bislang lediglich Umsätze im unteren vierstelligen Bereich vorweisen. Wann das je ein Geschäft werden kann? Unklar!
Richtiggehend aufgebracht wirkt Janna Ensthaler, die das Wort "Realitätsverlust" in den Mund nimmt, um die "Drum Revolution" zu beschreiben. "Wie kommst du denn auf die Bewertung?". Als sie hört, wie viel Geld bereits in die Entwicklung geflossen ist, schimpft sie: "Da blutet mir immer wieder das Herz. Das ist unser Steuergeld, das nie wieder zurückkommen wird." Ensthaler: "Wir brauchen das Geld für wichtige Dinge."
In ihrer Abrechnung mit Andreas wird sie dann schärfer und schärfer: "Es wird auf gar keinen Fall was", sagt sie über seine Firmen-Idee. "Vielleicht ist es gut, wenn man schnell einen Traum platzen lässt."
Dümmel, der zuvor so glücklich an den Drums wirkte, sagt dann ebenfalls: "Die Firmenbewertung ist eine Frechheit." Selten hat es so hart gekracht in der VOX-Show. Kein Deal für die "Drum Revolution", stattdessen heftige Hiebe!