"Ich würde sagen, das ist Kunst", fiel Horst Lichter zu der äußerst minimalistischen Bronzefigur ein. "Das muss Kunst sein", grinste der "Bares für Rares"-Experte Colmar Schulte-Goltz wissend.
"Es ist einen Hauch weg von dem realistischen Darstellen einer Person", erkannte Lichter zumindest ein Gesicht an der Skulptur. Die hatte Raimund vor drei Jahren in einem Sozialkaufhaus günstig gekauft: "Da hat mich das angesprungen, sozusagen."
Je länger Lichter das Kunstwerk betrachtete, umso mehr änderte sich seine anfängliche Meinung: "Ich finde es schon ästhetisch." Raimund nickte: "Es hat was."
"Auf jeden Fall ist das ein Stück, das einen nicht gleichgültig lässt", meinte der Experte. "Ästhetisch etwas ungewöhnlich, technisch besonders. Es ist sehr individualistisch, obwohl es eine menschliche Figur zeigt."
Der Schweizer Künstler Schang Hutter entwarf die Bronze im Jahr 1983, wie die Signatur am Sockel zeigte: "Er hat diesen besonderen Stil von Figuren geprägt."
"Ist das auch limitiert?", fragte Horst Lichter. Colmar Schulte-Goltz nickte: "Dieses ist das Exemplar 5 von 30 Exemplaren." So simpel wie die Darstellung war auch der Titel: "Es heißt einfach nur 'Stehende Figur'."
"Ich wünsche mir mal 3.000 Euro", nannte Raimund seine Preisvorstellung. "Das war der Fang Ihres Lebens", meinte der Experte und wollte wissen: "Wie viel haben Sie bezahlt?" Raimund verriet: "35 Euro."
Für das "außergewöhnliche Stück" legte Schulte-Goltz einen Schätzwert von 2.000 bis 2.500 Euro fest. Selbst damit war dem Verkäufer ein beachtlicher Gewinn sicher. Sogar Horst Lichter blieb die Luft weg: "Alter! Ich bin echt geplättet!"
"Dargestellt ist eine Dame", fand Händler Wolfgang Pauritsch sofort Zugang zum Kunstwerk. "Die Figur ist einzigartig gemacht, das ist sein Stil." Er wusste aber auch: "Muss man mögen!" Susanne Steiger fand: "So Picasso-Style irgendwo auch."
Julian Schmitz-Avila (rechts) konnte anfangs wenig damit anfangen. Pauritsch sah den skeptischen Blick: "Die Begeisterung deines Gesichts hält sich in Grenzen." Er betonte nochmals: "Es ist halt Moderne Kunst, das muss man mögen."
Doch je länger Schmitz-Avila die Bronze anstarrte, umso mehr stieg das Interesse. Sein Gebot von 700 Euro toppte Sarah Schreiber (Bild) direkt mit 1.000 Euro. "Was sagen Sie denn zu unseren Geboten?", fragte Schmitz-Avila den Verkäufer.
Raimund nannte die Expertise und wartete ab. Kurz darauf machte Julian Schmitz-Avila mit 2.000 Euro den Sack zu. "Ich kaufe gerne Sachen, die ich noch nicht kannte", erklärte er seinen Sinneswandel. Außerdem: "Schweizer Künstler sind sehr beliebt."
"Ist genau mein Fall", kündigte Friedrich Häusser Interesse an. Pauritsch meinte: "Ich glaube, ich schnappe mir das für 1.000 Euro." Doch Susanne Steiger bekam bei 1.100 Euro den Zuschlag: "Klein, fein, mein!"