Klimawandel als mögliche Ursache: Sind Blaumeisen bald nicht mehr blau?
Dass sich der Klimawandel auf die Natur auswirkt, ist kein Geheimnis. Für Pflanzen und Tiere verschieben sich etwa Lebensräume, Nahrungs- und Wasserquellen gehen verloren. Dass sich aber der Klimawandel auch auf sekundäre Geschlechtsmerkmale, wie etwa die Farbintensität des Vogelgefieders, auswirken kann, ist neu. Forscherinnen und Forscher des französischen Zentrums für Evolutionsforschung (CEFE) der Universität des Baskenlandes fanden in einer Langzeitstudie laut "Süddeutscher Zeitung" genau das heraus: Innerhalb von 15 Jahren wurde die Färbung der blauen Kopfplatte und des gelben Brustflecks bei südfranzösischen Blaumeisen matter und weniger farbintensiv.
15 Prozent weniger Farbintensität
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zwei mediterrane Unterarten der Blaumeise (Cyanistes caeruleus caeruleus und Cyanistes caeruleus ogliastrae) über 15 Jahre. Auf Korsika und bei Montpellier wurden in insgesamt 5.800 Beobachtungen Hunderte der Vögel dokumentiert. Dazu wurden jedes Jahr um die gleiche Zeit im Frühjahr alle erwachsenen Vögel untersucht, um sicherzustellen, dass die natürliche Ausbleichung der Federn, jedes Jahr gleich war, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Anschließend wurden Federproben von Brust und Kopf im Labor auf ihre Farbintensität hin untersucht. Es zeigte sich, dass im Mittel die Leuchtkraft, vor allem bei den Blaumeisen aus Korsika, um 15 Prozent abgenommen hat.
Dabei lassen quantitativ-genetische Analysen keine mikro-evolutionären Veränderungen der Farbmerkmale im Untersuchungszeitraum erkennen. Dies deutet darauf hin, dass die beobachteten zeitlichen Veränderungen durch Umweltbedingungen verursacht wurden. Dazu sagt Studienleiter David López-Idiáquez laut "Süddeutscher Zeitung": "Die Veränderung der Gefiederfarbe scheint das Ergebnis einer Kombination aus einem Temperaturanstieg von 1,2 Grad und einem Rückgang der Niederschläge zu sein, so dass wir den Klimawandel als wahrscheinliche Ursache sehen."
Signalwirkung für die Fortpflanzung könnte wegfallen
Das für das menschliche Auge eher unerhebliche Nachlassen der Leuchtkraft des Blaumeisen-Gefieders könnte für die Vögel zu einem Problem werden. Denn sie dient Weibchen dazu, zu erkennen, wie gut ein Männchen zur Fortpflanzung geeignet ist. Ein Verblassen des Federkleides käme somit einem "Signalausfall" gleich. "Unsere Ergebnisse können auf eine Abnahme des Signal-Potenzials der Farbornamente hindeuten", so Studienleiter López-Idiáquez. Brutausfälle könnten die Folge sein.