WADA-Vorstoß: Streit um Dopingkontrollen spitzt sich zu
Die Welt-Anti-Doping-Agentur will Rollen neu ordnen und verweist auf mögliche Interessenkonflikte nationaler Agenturen. Kritik bleibt nicht aus.
Der Disput um die künftige Ausgestaltung der Dopingkontrollen im Weltsport spitzt sich zu. Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) scharf für Reformpläne kritisiert, die am Dienstag vorgestellt wurden.
Anlass der Verwerfungen sind die 19 Empfehlungen aus einem Bericht der WADA-Arbeitsgruppe zur operativen Unabhängigkeit nationaler Anti-Doping-Agenturen (WGOI), nach deren Umsetzung internationale Sportverbände bei Großereignissen eine größere Rolle übernehmen könnten - und der Einfluss der Nationalen Anti-Doping-Organisationen (NADOs) schwinden würde. Tygart sieht darin einen Rückschritt und warnt vor einem Verlust an Vertrauen in die Kontrollen, auch mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
"Die Absicht der WADA-Führung, wirklich unabhängige nationale Anti-Doping-Organisationen zu verdrängen und die Kontrolle bei Großveranstaltungen wieder dem Sport und den Sportdienstleistern zu übertragen, ist ein gefährlicher Rückschritt und gefährdet die Fairness dieser Veranstaltungen sowie das Recht der Athleten auf fairen Wettkampf", erklärte Tygart.
"Dies als Fortschritt darzustellen, ist ein Versuch, saubere Athleten, Fans und die Öffentlichkeit zu täuschen, die echte Unabhängigkeit, echte Verantwortlichkeit und ein System verdienen, das sie schützt – und nicht eines, das den Sport vor Kontrolle und die globale Anti-Doping-Organisation vor Verantwortung bewahrt", führte der 55-Jährige aus. Tygart warf der WADA abermals "Versagen" in der Vergangenheit vor und sprach von einem "weiteren Schlag ins Gesicht aller Athleten, die sich zu einem sauberen Wettkampf verpflichten, und aller Nationen, die die Regeln konsequent und fair anwenden".
Unterstützung erhielt Tygart von der US-Regierung: Sara Carter vom Office of National Drug Control Policy warnte, die von der WADA angestrebten Reformen könnten das Vertrauen in das Anti-Doping-System weiter untergraben. Die US-Regierung hat aus Protest gegen das Gebaren der obersten Anti-Doping-Organisation in den vergangenen beiden Jahren keine Beiträge an die WADA gezahlt.
Die WADA - zu gleichen Teilen vom organisierten Sport und von Regierungen finanziert - begründete ihre Pläne nach einer Sitzung ihrer Exekutive am Dienstag mit "Interessenkonflikten", die wahrzunehmen seien, wenn nationale Agenturen allein für Kontrollen ihrer eigenen Athleten verantwortlich seien.
Diese Aufgaben sollten "von einer unabhängigen, überparteilichen Stelle übernommen, wodurch ein tatsächlicher oder vermeintlicher Interessenkonflikt oder eine Voreingenommenheit ausgeschlossen wird", so die WADA.