Skibergsteiger Gramelsberger contra DAV: "Schlag ins Gesicht"
Der vorläufig suspendierte Athlet holt zum Gegenschlag gegen den deutschen Verband aus.
Skibergsteiger Felix Gramelsberger hat mit großem Unverständnis auf seinen Ausschluss sowie den von zwei weiteren Kaderathleten von internationalen Wettbewerben durch den Deutschen Alpenverein (DAV) reagiert. Die Aktiven hatten zuvor Vorwürfe gegen Coaches und Betreuer erhoben. "Die Stellungnahme des Deutschen Alpenvereins empfinde ich als einen Schlag ins Gesicht", teilte Gramelsberger auf SID-Anfrage mit: "Aus meiner Sicht findet hier eine Täter-Opfer-Umkehr statt."
Der DAV hatte am Mittwoch begründet, das Verhalten der drei Athletinnen bzw. Athleten habe "in den vergangenen Wochen" zu einer "deutlich angespannten Situation innerhalb des Skimo-Teams" geführt. Der Verband verwies darauf, eine "sachverständige Kanzlei als unabhängige externe Anlaufstelle" habe Hinweise geprüft und "von Verunsicherung und teils gar einer Angstatmosphäre berichtet". Verbandspräsident Roland Stierle schilderte im Münchner Merkur: "Die Sportler haben mir ihr Herz ausgeschüttet", man habe sich zum Handeln gezwungen gesehen.
Gramelsberger hielt dem entgegen, die Solidarität der Teamkollegen sei groß gewesen. Auch hätten ihm Athleten aus dem Kader gespiegelt, dass "bereits der bloße Anschein einer Freundschaft mit uns Repressalien zur Folge haben könne". Der Sportler hielt fest: "Wir haben uns stets im Sinne des Teams verhalten." Das "Klima der Angst" werde "nach unserer Wahrnehmung vom DAV selbst erzeugt".
Die Pressemitteilung des Verbandes vom Mittwoch "bestätigt für mich letztlich den Eindruck, dass kritische Stimmen und Hinweisgeber systematisch diffamiert werden sollen. Zudem wurden vom DAV nachweislich falsche Aussagen verbreitet. Diese prüfen wir derzeit im Detail", erklärte Gramelsberger.
Gramelsberger und Sophia Weßling hatten sich im Februar in der Sportschau erstmals öffentlich kritisch über einzelne hohe Verbandsvertreter geäußert, während die Skibergsteiger in Bormio ihre olympische Premiere feierten. Sie und ein weiteres Kadermitglied im Skibergsteigen stellten Strafanzeige wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Traunstein nahm Ermittlungen auf, der langjährige Sportliche Leiter der Skibergsteiger wurde auf eigene Bitte vom DAV freigestellt.