"Risiken für Qualität und Fairness": DTTB-Kritik an WM-Modus
Die Aufblähung der Titelkämpfe stößt beim DTTB auf Unverständnis.
Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) stört vor dem Jubiläum des 100-jährigen Bestehens von WM-Turnieren die Feierlaune. Nach Ansicht von DTTB-Vorstandschef Wolfgang Dörner beschwört die Aufblähung des Teilnehmerfeldes für die anstehenden Mannschafts-Titelkämpfe in London (28. April bis 10. Mai) auf jeweils 64 Teams und eine Rekorddauer von 13 Tagen "die Gefahr negativer Auswirkungen auf den Sport".
Auf seiner Homepage warnte der Verband auch vor "strukturellen Risiken für die sportliche Qualität und Fairness des Wettbewerbs" durch das XL-Format. Besonders die neue "Vorrunde" der acht besten Teams nur zur Ermittlung ihrer Setzpositionen stößt in der DTTB-Führung auf Unverständnis.
In London erweitert der Weltverband ITTF nach einem Jahrzehnt schrumpfender Teilnehmer-Nationen an Mannschafts-Weltmeisterschaften das Starterfeld wieder. Statt zuletzt maximal 40 Ländern pro Wettbewerb schlagen am Schauplatz des ersten WM-Turniers 1926 wieder jeweils 64 Nationen auf. Dafür dauern die Wettbewerbe auch drei Tage länger. 2018 in Halmstad hatten sich die Titelkämpfe trotz beinahe 70 Nationen bei Männer wie Frauen nur über acht Tage gestreckt, die erste eigenständige WM für Teams 2004 in Doha dauerte sogar nur sieben Tage.
Nach Rücksprache mit den Aktiven beklagt Dörner in einem Brief an Weltverbands-Chefin Petra Sörling außer zusätzliche Belastungen durch die WM-Verlängerung in Zeiten des stark überfrachteten Tischtennis-Kalenders auch Verluste an Attraktivität und Spannung des Turniers durch frühzeitige Topduelle. Schließlich fürchtet der DTTB für die Vorrunde der Spitzenmannschaften Manipulationen der zu ermittelnden Setzliste und damit auch der anschließenden K.o.-Phase durch provozierte Niederlagen.
Dörner fordert die ITTF abschließend zu einem Austausch über die adressierten Kritikpunkte auf Augenhöhe auf: "Angesichts der Tragweite der mit dem neuen System eingeführten Veränderungen müssen wir in einen öffentlichen Dialog treten. Wir würden bei zukünftigen Entscheidungen einen breit angelegten Kommunikationsprozess begrüßen – am besten unter Einbindung vieler nationaler Verbände."