NADA kritisiert WADA-Empfehlungen: "Setzen falsches Signal"
Die Nationale Anti Doping Agentur stehe "für einen ganzheitlichen Ansatz der Zusammenarbeit national wie international", sagt Eva Bunthoff.
Auch die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) hat die Reformpläne der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) kritisiert. "Die Empfehlungen setzen aus Sicht der NADA ein falsches Signal und stellen einen Rückschritt in der Anti-Doping-Arbeit dar", sagte Vorstandsmitglied Eva Bunthoff auf SID-Anfrage. Zuvor hatte sich bereits Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur (USADA), gegen den Vorstoß ausgesprochen.
Dabei geht es um 19 Empfehlungen aus einem Bericht der WADA-Arbeitsgruppe zur operativen Unabhängigkeit nationaler Anti-Doping-Agenturen (WGOI), nach deren Umsetzung internationale Sportverbände bei Großereignissen eine größere Rolle übernehmen könnten - und der Einfluss der Nationalen Anti-Doping-Organisationen (NADOs) schwinden würde.
"Nun NADOs von Sportgroßveranstaltungen, wie den Olympischen Spielen auszunehmen, halten wir für den falschen Weg. Vielmehr plädieren wir für eine Zusammenarbeit, wie sie sich bereits seit Paris aus unserer Sicht als hervorragendes Beispiel etabliert hat", so Bunthoff, "die NADA steht für einen ganzheitlichen Ansatz der Zusammenarbeit national wie international und ist gegen die Politik des Ausschlussverfahrens."
In den Empfehlungen werde festgehalten, "dass NADOs 80 Prozent der Anti-Doping-Arbeit weltweit umsetzen und die Kooperation mit den Laboren grundsätzlich gut funktioniert. In den letzten Jahren wurden viele Maßnahmen etabliert, die gute Arbeit vieler NADOs unabhängig zu gestalten", sagte Bunthoff: "Diese Beispiele fanden wenig Einzug in die Betrachtung. Die NADA wird sich international weiter für die Zusammenarbeit und damit für die Unabhängigkeit der Nationalen Anti-Doping-Organisationen einsetzen."
Für Tygart ist der WADA-Vorstoß "ein gefährlicher Rückschritt" und gefährde "das Recht der Athleten auf fairen Wettkampf. Dies als Fortschritt darzustellen, ist ein Versuch, saubere Athleten, Fans und die Öffentlichkeit zu täuschen, die echte Unabhängigkeit, echte Verantwortlichkeit und ein System verdienen, das sie schützt – und nicht eines, das den Sport vor Kontrolle und die globale Anti-Doping-Organisation vor Verantwortung bewahrt", führte der 55-Jährige aus.
Die US-Regierung hat aus Protest gegen das Gebaren der obersten Anti-Doping-Organisation in den vergangenen beiden Jahren keine Beiträge an die WADA gezahlt. Die WADA - zu gleichen Teilen vom organisierten Sport und von Regierungen finanziert - begründete ihre Pläne nach einer Sitzung ihrer Exekutive am Dienstag mit "Interessenskonflikten", die wahrzunehmen seien, wenn nationale Agenturen allein für Kontrollen ihrer eigenen Athleten verantwortlich seien.
Diese Aufgaben sollten "von einer unabhängigen, überparteilichen Stelle übernommen, wodurch ein tatsächlicher oder vermeintlicher Interessenkonflikt oder eine Voreingenommenheit ausgeschlossen wird", so die WADA.