Deutsche Para-Judoka jagen Medaillen bei Heim-EM - Sass fehlt
Der beste Deutsche lebt und trainiert in Heidelberg. Doch schon vor dem Start wird er ausgebremst.
Für den Paralympics-Dritten Lennart Sass ist der Traum vom Titel bei der Heim-EM in Heidelberg bereits vor dem Start geplatzt. Wie der Deutsche Behindertensportverband (DBS) am Donnerstagmittag mitteilte, dürfe der 26-Jährige wegen einer nicht abgeschlossenen Klassifizierung nicht teilnehmen. Kurz vor dem Wettkampf seien bei der turnusmäßigen Klassifizierung, bei der seine Einstufung in die Startklasse J1 für Judoka ohne verwertbares Sehvermögen überprüft wurde, zur Überraschung des Verbandes und des Athleten zusätzliche augenärztliche Untersuchungen angefordert worden.
Da diese in der Kürze der Zeit nicht vorgelegt werden konnten, sei keine Zuteilung zur Startklasse und somit auch keine Startberechtigung erteilt worden. "Obwohl es keine veränderten Befunde gab und die objektiven Parameter der medizinischen Untersuchungen aus unserer Sicht eindeutig sind, gab es kein abschließendes Ergebnis", sagte DBS-Vorstand Leistungssport Marc Möllmann: "Das macht uns sehr betroffen, zumal es für uns völlig unerwartet war."
Sass war seit seiner Halbfinal-Niederlage bei den Sommerspielen in Paris 2024 ungeschlagen geblieben, gewann unter anderem bei der EM 2025 Gold. "Seit die Europameisterschaft nach Heidelberg vergeben wurde, habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut. Jetzt wäre der große Tag gekommen, diese Heim-EM erfolgreich zu bestreiten", sagte der in Heidelberg lebende und trainierende Judoka: "Ich war bereit, meinen Titel zu verteidigen."
Er hoffe nun, dass seine Klassifizierung bis zur Weltmeisterschaft (25. bis 27. September) in Tiflis erfolgen kann. Er habe sich "noch am selben Nachmittag augenärztlich untersuchen lassen. Die Unterlagen sind vollständig und ich bin zuversichtlich, dass die Klassifizierung beim nächsten möglichen Termin abgeschlossen wird". In Abwesenheit von Sass tritt das deutsche Team bei der EM noch mit fünf Athletinnen und Athleten an, die Medaillenhoffnungen sind nun allerdings gedämpft.