Bayern verkaufen Anteile an Weltkonzern
Der Deal mit Viessmann bringt den Münchnern angeblich eine dreistellige Millionensumme.
Frisches Geld für den FC Bayern: Der deutsche Fußball-Rekordmeister hat wie erwartet das letzte verfügbare Anteilspaket an seiner AG veräußert. Die Partnerschaft mit dem Weltkonzern Viessmann bringt den Münchnern Medienberichten zufolge 250 Millionen Euro ein.
Die Vertragspartner bestätigten die Summe nicht, Bayern-Präsident Hainer sagte jedoch der Süddeutschen Zeitung, der Betrag "wandert jetzt auf das berühmte Festgeldkonto". Er sprach von einer "wertvollen Rücklage, etwa für zukünftige Infrastruktur-Projekte". Es sei keinesfalls so, dass der Klub "akut" Geld benötige. "Aber es gibt einen Spruch: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not."
Viessmann ist nach adidas (Einstieg 2002 für 77 Millionen Euro), Audi (2010/90 Mio.) und der Allianz (2014/110 Mio.) der vierte Aktionär beim deutschen Branchenführer neben dem Hauptanteilseigner, dem FC Bayern eV. Bei diesem müssen satzungsgemäß 70 Prozent der Anteile verbleiben.
Der neue Partner erwirbt nun ein Paket in Höhe von ursprünglich fünf Prozent. Da die Transaktion im Zuge einer Kapitalerhöhung erfolgt, ergibt der rechnerische Wert dieser Beteiligung knapp 6,7 Prozent. Die anderen drei Gesellschafter kommen dann jeweils auf etwas unter 7,8 Prozent.
Firmenchef Max Viessmann soll im Zuge des Deals Mitglied des Münchner Aufsichtsrats werden. Das Gremium, dem Hainer vorsitzt und in dem die einstigen Klubgranden Uli Hoeneß sowie Karl-Heinz Rummenigge vertreten sind, soll damit von aktuell neun auf zehn Personen erweitert werden.
Der neue Gesellschafter, mit dem der Klub bereits seit 2018 geschäftlich verbunden ist, stehe "wie der FC Bayern für Werte wie Tradition, Ambition und Innovation", sagte Hainer: "Zudem vergrößert eine noch einmal deutlich verbesserte Eigenkapitalbasis die Handlungsspielräume in einer Zeit des permanenten Wandels."
Max Viessmann meinte, sein Unternehmen möchte "als Familienunternehmen in vierter Generation nicht nur Kapital, sondern auch unsere unternehmerische Erfahrung in die Zusammenarbeit einbringen. Wir wollen unseren Beitrag für einen starken FC Bayern leisten - als ein Verein mit eigener Identität, wirtschaftlich unabhängig und nachhaltig erfolgreich."
Der Deal wurde von der Konkurrenz gelobt. Er könne den FC Bayern "nur beglückwünschen", sagte Axel Hellmann, Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt: "Wir können daraus in der Liga den Schluss ziehen, dass Beteiligungen trotz 50+1 machbar sind. Für mich ist das auch ein positiver Fingerzeig für die ganze Bundesliga."
Max Viessmann ist aktuell bereits Mitglied im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München eV. Die neue Zusammenarbeit umfasst nach Angaben der Beteiligten "insbesondere Projekte in den Bereichen Nachhaltigkeit, Internationalisierung und Digitalisierung".
Viessmann ist in mehr als 40 Ländern aktiv und beschäftigt im industriellen Kern etwa 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro. Der Konzern engagiert sich seit vielen Jahren intensiv im Sport.