Zugunglück in Spanien: Wohl keine Deutsche unter Todesopfern
Vier Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien sind 13 der 69 Todesopfer noch nicht identifiziert. In den 56 restlichen Fällen sei die Identität inzwischen zweifelsfrei geklärt worden, teilten die Behörden der Region Kastilien-La Mancha mit. 54 von ihnen waren demnach spanische Staatsangehörige, ein Opfer stammt aus Frankreich und eines aus Portugal.
"Es wird erwartet, dass in den kommenden Stunden auch die übrigen Todesopfer identifiziert werden können. Dabei dürfte es sich ausschließlich um aus dem Ausland stammende Personen handeln", heißt es in der Mitteilung der Behörden unter Berufung auf die noch offenen Vermisstenanzeigen. Diese betreffen Staatsangehörige aus den USA (4), Japan und Australien (je zwei) sowie Kanada, Mexiko, Argentinien, Tschechien und Tunesien (je eine).
Wohl keine Deutsche unter Todesopfern
Das lässt darauf schließen, dass unter den Todesopfern vermutlich keine Deutschen sind. Für die ausstehende Identifizierung sind laut Behörden "noch Schritte im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit erforderlich".
51 der 56 Identifizierungen seien den Angehörigen bereits mitgeteilt worden. Dabei handele es sich um 33 Männer und 18 Frauen. 52 Tote seien anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden, vier mit Hilfe von DNA-Analysen. Die fünf noch ausstehenden Benachrichtigungen sollten so schnell wie möglich erfolgen.
Beim Unglück waren am Mittwoch zwei Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe war von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo aufgefahren. Die Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beide Richtungen gesperrt. Die Airline Iberia stellt zusätzliche Flüge zu gedeckelten Preisen zur Verfügung.
Was führte zur Katastrophe?
Insgesamt 40 Verletzte werden derweil noch in Krankenhäusern behandelt, 17 von ihnen auf Intensivstationen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass alle durchkommen werden", sagte am Vormittag die Sprecherin der Regierung von Kastilien-La Mancha, Esther Padilla, dem Fernsehsender RTVE.
Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle Madrid. Funkmitschnitte legen nahe, dass ein Lokführer angewiesen wurde, den normalen Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das LZB-System noch außer Betrieb war und sich der andere Zug weiterhin auf der Strecke befand. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt.
Rund 50 Beamte der Polizeieinheit Guardia Civil waren am Sonntag weiterhin am Unglücksort im Einsatz, um Informationen zu sammeln. Mehrere Waggons wurden inzwischen von den Gleisen geräumt, befinden sich aber noch in unmittelbarer Nähe der Unfallstelle, wie Medien berichteten.
Regierung vor Parlamentswahlen unter Druck
Verkehrsminister Óscar Puente wies Kritik an der Sicherheit des Bahnsystems zurück und schloss den von mehreren Oppositionsparteien geforderten Rücktritt aus. Der Minister soll sich am Dienstag vor dem Parlamentsausschuss zu dem Unglück äußern.
Ministerpräsident Pedro Sánchez versprach nach dem Unglück Investitionen, um die Sicherheit des Bahnnetzes weiter zu verstärken. "Das Vertrauen in das Hochgeschwindigkeitssystem unseres Landes ist erschüttert. Aufgabe der Regierung ist es nicht nur, die Ursachen zu ermitteln, sondern Lösungen vorzulegen, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholt", sagte er.
Der Vorfall war bereits das zweite schwere Zugunglück in Spanien innerhalb von nur neun Monaten. Im Januar waren 46 Menschen bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Adamuz in Andalusien ums Leben gekommen. Die erneute Katastrophe trifft die linksgerichtete Regierung in einer heiklen Phase: Am 29. November finden vorgezogene Parlamentswahlen statt.