Führerschein bald bis zu 1000 Euro günstiger? Das soll die Reform bringen
Wer den Führerschein machen möchte, muss häufig tief in die Tasche greifen. Eine geplante Reform könnte Fahrschülerinnen und Fahrschüler künftig finanziell entlasten. In einem Interview mit der "Welt" hat Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) erstmals konkrete Zahlen genannt: Demnach könnten mehrere hundert Euro eingespart werden - im besten Fall sogar bis zu 1000 Euro.
Ziel der Reform ist es, den Führerscheinerwerb bezahlbarer und flexibler zu gestalten, ohne dabei Abstriche bei den Sicherheitsstandards zu machen. Das Bundeskabinett hatte die Gesetzespläne des Verkehrsministeriums bereits im Mai 2026 auf den Weg gebracht.
Bis die Änderungen tatsächlich greifen, ist allerdings noch Geduld gefragt: Bundestag und Bundesrat müssen den Plänen zunächst zustimmen. Nach bisherigem Stand sollen die neuen Regeln möglichst Anfang 2027 in Kraft treten. Eine finanzielle Entlastung vor dem 1. Januar 2027 ist demnach nicht zu erwarten.
Weniger Aufwand für Fahrschulen - und niedrigere Preise?
Ein wichtiger Ansatzpunkt der Reform sind die Kosten, die Fahrschulen selbst tragen. Künftig sollen sie mehr digitalen Unterricht anbieten und bei der Wahl ihrer Lehrmethoden freier entscheiden können. Gleichzeitig sollen zahlreiche Vorgaben für Schulungsräume und Lehrmittel wegfallen.
Die Idee dahinter: Wenn Fahrschulen weniger Aufwand und geringere Kosten haben, könnte sich das auch auf die Preise für ihre Schülerinnen und Schüler auswirken. Die Reform soll damit nicht nur den Unterricht flexibler gestalten, sondern auch den Geldbeutel entlasten.
Theorieprüfung: Ein deutlich kleinerer Fragenkatalog
Auch bei der theoretischen Führerscheinprüfung sind Änderungen geplant. Der Fragenkatalog umfasst inzwischen mehr als 1100 Fragen und soll um rund ein Drittel verkleinert werden. Andere Angaben sprechen von einer Reduzierung um etwa 30 Prozent.
Weniger Fragen bedeuten dabei nicht automatisch weniger Lernstoff: Der Umfang des geforderten Wissens bleibt unverändert, da er EU-weit vorgegeben ist.
Auch die praktische Fahrprüfung soll etwas kürzer ausfallen. Künftig könnte sie einige Minuten weniger dauern als bisher. Das soll den Prüfungsaufwand reduzieren und ist ein weiterer Baustein der geplanten Reform.
Mehr Fahrpraxis mit Familie oder Freunden
Besonders interessant für angehende Autofahrerinnen und Autofahrer: Nach österreichischem Vorbild soll es künftig möglich sein, zusätzliche Fahrpraxis mit vertrauten Begleitpersonen zu sammeln.
Anders als beim begleiteten Fahren ab 17 könnten Fahrschülerinnen und Fahrschüler dadurch bereits vor der praktischen Prüfung mehr als 1000 Kilometer private Übungsfahrten absolvieren. Das Modell, das auch als "Laienausbildung" bezeichnet wird, soll zunächst fünf Jahre lang getestet werden.
Ergänzend dazu sind Fahrsimulatoren vorgesehen. Sie sollen eine kostengünstige Möglichkeit bieten, zusätzliche Fahrpraxis zu sammeln.
Wichtig ist jedoch: Bestimmte verpflichtende Fahrten können dadurch nicht ersetzt werden. Sonderfahrten dürfen weder mit privaten Begleitpersonen noch am Simulator absolviert werden.
Weniger verpflichtende Sonderfahrten
Auch bei den sogenannten Sonderfahrten soll sich einiges ändern. Bislang sind für den Autoführerschein zwölf besondere Fahrten vorgeschrieben, darunter Fahrten bei Dunkelheit, auf Autobahnen und über Land.
Im Zuge der Reform soll diese Zahl deutlich sinken. Geplant ist, dass künftig jeweils nur noch eine Überlandfahrt, eine Autobahnfahrt und eine Nachtfahrt verpflichtend sind.
Das könnte den Ausbildungsaufwand verringern und dazu beitragen, die Kosten für den Führerschein zu senken.
Fahrschulen besser vergleichen: Preise und Erfolgsquoten online
Wer sich für eine Fahrschule entscheidet, soll künftig leichter vergleichen können, welche Angebote und Leistungen infrage kommen. Dafür sollen die Preise und Erfolgsquoten aller Fahrschulen online veröffentlicht werden.
Mehr Transparenz soll es Fahrschülerinnen und Fahrschülern ermöglichen, die Angebote besser einzuschätzen und ihre Entscheidung auf einer nachvollziehbareren Grundlage zu treffen.
Ab wann könnte die Führerschein-Reform wirksam werden?
Das Ziel ist klar: Der Führerschein soll bezahlbarer werden, ohne die hohen Sicherheitsstandards aufzugeben. Ob sich die angekündigte Ersparnis von bis zu 1000 Euro tatsächlich erreichen lässt, bleibt abzuwarten.
Bis die neuen Regeln in Kraft treten, müssen Fahrschülerinnen und Fahrschüler allerdings noch Geduld mitbringen. Nach aktuellem Planungsstand könnten die Änderungen Anfang 2027 greifen - vorausgesetzt, Bundestag und Bundesrat stimmen der Reform zu.