Elektroautos überflügeln in Europa reine Verbrenner
Elektroautos haben in der EU reine Verbrenner überflügelt. Im August machten sie 27,7 Prozent aller Neuzulassungen aus, wie der europäische Herstellerverband Acea in Brüssel mitteilte. Das waren rund 10 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Reine Benziner und Diesel machten 18,9 und 6,4 Prozent der Neuzulassungen aus - zusammen also nur gut 25 Prozent. Den größten Marktanteil haben allerdings Hybride. Inklusive Plug-in-Hybriden kommen sie auf mehr als 44 Prozent des Marktes.
Auch in den aufaddierten Zahlen der ersten acht Monate sind der aktuelle Elektroauto-Boom zu sehen. Hier steigt der BEV-Anteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund sechs Prozentpunkte auf 21,7 Prozent. Insgesamt stiegen die Pkw-Neuzulassungen laut Acea in den ersten acht Monaten um 5,3 Prozent auf 7,55 Millionen Autos. Plug-in-Hybride standen für ein Zehntel des Marktes.
Im Juli stiegen die Neuzulassungen von Pkw im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3 Prozent und im August um 4,5 Prozent. Nach Einschätzung des EY-Experten Constantin M. Gall ist der Zuwachs allerdings nicht allein als Zeichen für eine Erholung des Automarktes zu werten. "Der Aufwärtstrend auf dem europäischen Neuwagenmarkt ist in erster Linie auf die Subventionierung der E-Mobilität zurückzuführen", sagte Gall. Sollten diese auslaufen, werde auch der Absatz von Elektroautos einbrechen.
Elektroautos profitieren derzeit allerdings auch von den hohen Spritpreisen, die sie finanziell im Vergleich zum Verbrennern attraktiver machen und ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit bringen.
Chinesische Autobauer legen zu
Deutlich zulegen konnten von Januar bis Ende August die chinesischen Anbieter. Autobauer wie der Volkswagen-Konzern warnen in jüngster Zeit immer deutlicher vor der erstarkenden Konkurrenz aus Fernost auf dem heimischen Markt. Der Geely-Konzern, zu dem Acea unter anderem die im Westen bekannten Marken Volvo, Polestar und das Joint-Venture Smart mit Mercedes-Benz zählt, blieb in der EU mit seinem Marktanteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar nur stabil bei 2,7 Prozent.
BYD konnte seinen Anteil an den Neuwagen aber von 0,9 auf 2,4 Prozent Marktanteil mehr als verdoppeln. SAIC Motor (vor allem MG Motor) legte von 1,9 auf 2,2 Prozent zu, Chery Automobile (Marken Omoda, Jaecoo) von 0,5 auf 1,5 Prozent. Zusammen mit Leapmotor (0,8 Prozent) erreichten diese chinesischen Anbieter so rechnerisch zusammen einen Marktanteil von 9,6 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es Acea zufolge nur 6,2 Prozent.
Deutsche Hersteller tun sich schwer
Der Volkswagen-Konzern verkaufte im Juli und August jeweils um die 3 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor. In den Zahlen ist die Sportwagentochter Porsche enthalten, die in den beiden Monaten einen Dämpfer von knapp 5 Prozent beziehungsweise gut 8 Prozent in der EU einsteckte. Bei BMW gab es ein leichtes Plus von jeweils unter einem Prozent. Mercedes-Benz konnte im Juli nur leicht zulegen, steigerte die Neuzulassungen im August dann aber um mehr als 7 Prozent.
Auch für den Gesamtmarkt bleibt EY-Experte Gall zurückhaltend. Die konjunkturelle und politische Situation bleibe schwierig, eine Verbesserung der Lage sei nicht absehbar. Die Hersteller sollten sich deshalb auf weitere schwierige Jahre vorbereiten und ihre Absatzziele nicht zu hoch ansetzen.