Telefon-Scam: So schützt Dich Android
Scams am Telefon: Android schützt Dich mit diesen Mitteln
Nicht nur im Internet wird betrogen, auch der klassische Telefonanruf spült Kriminellen Millionen Euros pro Tag auf ihr Konto. Wir zeigen Dir, wie Android Dich vor diesen Aktionen schützen kann.
Wer ist am Telefon?
Rufen Dich Betrüger an, geben sie sich gerne als Personen in einer Autoritätsposition aus: Bankmitarbeiter, Polizisten, Anwälte, Ärzte. Gerne werden auch verwandtschaftliche Verhältnisse genutzt. Diese „Personen” werden Dir dann irgendeine Geschichte erzählen, die dazu führen soll, dass Du Geld direkt überweist oder dass Du Passwörter und ähnliche Logindaten für Banken und andere Konten herausgibst.
Oft wird mit Zeitdruck getrickst: “Wenn Sie das jetzt nicht machen, dann...”. So soll zusätzlicher Druck aufgebaut werden. Oft genug klappt das auch, vor allem bei älteren Personen, die sich mit modernen Betrugsmethoden wenig auskennen. Immerhin: Die Hersteller von Smartphone-Hard- und -Software haben das Problem erkannt. Inzwischen haben Apple und Google weitreichende Schutzmaßnahmen in ihre Betriebssysteme eingebaut. Davon bekommst Du nichts mit, aber sie helfen trotzdem.
Wir zeigen Dir sechs Schritte, die Dein Telefon ohne Dein Wissen unternimmt, um Dich gegen Betrügereien dieser Art zu wappnen.
Abwehr gegen Fake-Anrufe
Werden Kontaktdaten einmal via Phishing oder über andere Methoden erbeutet, ist es nicht besonders schwer, falsche Anrufe zu generieren. Auf Deinem Smartphone würdest Du beispielsweise die Telefonnummer eines Freundes oder Deiner Tante sehen, und auch das Bild dazu ist echt. Eventuell kann sogar die Stimme nachgeahmt werden, falls den Angreifern Stimmaufnahmen der anderen Person zur Verfügung stehen und diese via KI-Modell emuliert werden kann.
Android nutzt dafür eine kluge Abwehrmethode: Geht der Anruf bei Dir ein, wird sofort eine Verbindung zu dem anderen, angeblich anrufenden Gerät aufgebaut. So fragt Dein Handy also das andere Handy – vielleicht das eines Freundes –, ob das Gerät Dich wirklich gerade anruft. Nein? Dann wird der Kontakt sofort als “Unbekannt” angezeigt und auch eventuell genutzte gefälschte Bilder werden nicht angezeigt.
Das dauert alles nur Millisekunden und ist für alle Beteiligten unsichtbar. Je nach Version von Android wirst Du auch davor gewarnt, dass es sich wahrscheinlich um einen Fake-Anruf handelt. Einzige Voraussetzung: Beide Seiten müssen die offizielle Telefon-App von Google nutzen.
Echtzeitanalyse von Telefonanrufen
KI-Technologie ist sehr gut darin, Muster zu erkennen – auch in Sprachaufnahmen und damit Anrufen. Laufende Gespräche werden je nach Gerät – aktuell vor allem auf neueren Pixel-Smartphones – permanent analysiert. Das funktioniert alles lokal auf Deinem Gerät, Gespräche werden also nicht an irgendwelche externen Server gesendet.
Sobald Gemini (der Name von Googles KI-Software) typische Betrugsmuster in dem Gespräch erkennt, wird Dein Smartphone Dich darüber informieren. Das wird sowohl visuell auf dem Display als auch via Ton und Vibration angezeigt. Führst Du gerade ein Gespräch mit einem angeblichen “Bankmitarbeiter”, horcht die KI einmal auf und prüft, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Wenn nicht, gibt es eine Warnung und Du kannst sofort auflegen.
Da alles lokal auf Deinem Smartphone stattfindet, wird auch der Datenschutz beachtet. Die KI wertet nicht das Gespräch selbst aus, sondern Muster, die immer wiederkehren.
Spam- und Anruferschutz
Nicht mehr neu, sondern schon seit vielen Generationen und damit Jahren ist der Spamschutz in Android integriert. Besonders „schlau” ist dieser Schutz nicht, aber trotzdem immer noch wirksam. Geht ein Anruf bei Dir ein, wird eine Verbindung zu einer Datenbank aufgebaut. Dann wird abgeglichen, ob es sich vielleicht um einen Spamanrufer handelt oder um ein Unternehmen, das für aggressive Anrufe bekannt ist.
Ist dies der Fall, wird Dein Telefon Dich davor warnen und einen Spamverdacht auf dem Display anzeigen. Wie Du dann vorgehst, bleibt Dir überlassen. Möchtest Du alles etwas automatisieren, kannst Du die Spam-App so einstellen, dass diese Anrufe automatisch abgewiesen werden.
Für Unternehmen gibt es außerdem die Option, sich bei Google zu registrieren – was praktisch jedes halbwegs größere Unternehmen macht –, um sich dann als „Verifizierter Anrufer” einblenden zu lassen. Wirst Du dann also beispielsweise von Microsoft angerufen, wird Dir die Echtheit von Microsoft auf dem Display bestätigt.
Callscreening als Anrufbeantworter
Möchtest Du Dich keinem Risiko aussetzen, gibt es das Callscreening. Ruft eine Nummer an, die Du nicht kennst, wirst nicht Du ans Telefon gehen. Stattdessen macht das eine automatisierte Software von Google. Der Anrufer soll dann Namen und Grund des Anrufs nennen. Du kannst in Echtzeit den transkribierten Text lesen und damit verifizieren, ob es sich um einen echten Anruf handelt, der nur von einer Dir bis jetzt unbekannten Nummer stammt, oder gerade ein Betrugsversuch gestartet wird.
Möchtest Du das Gespräch annehmen, kannst Du das tun – oder es als Spam melden.
Einzige Voraussetzung: Callscreening ist vor allem auf den eher neuen Pixel-Smartphones verfügbar. Damit alles funktioniert, gehst Du wie folgt vor:
- Gehe in die Einstellungen der Telefon-App von Google und tippe dort auf „Anruf-Filter”.
- Wähle eine der beiden Stimmen, die du für das Callscreening nutzen möchtest.
- Sobald ein Anruf eingeht, tippst Du auf dem Display auf „Anruf prüfen”.
Sobald Du nun auf diesen neuen Button tippst, wirst Du mitlesen können, was der Anrufer sagt. Dies geschieht alles lokal auf Deinem Gerät, es müssen also keine Informationen an andere Server gesendet werden.
Finanzanrufe verifizieren
Meistens geht es Betrügern um Geld, weshalb Google diesem Thema auch gesonderte Sicherheitsmaßnahmen widmet. Zuerst kannst Du nachschauen, ob die Funktion bei Dir aktiviert ist. Dazu gehst Du in den Einstellungen von Android auf „Sicherheit & Datenschutz” und dann weiter auf „Mehr Sicherheit & Datenschutz” und von dort auf „Verifizierte Finanzanrufe”. Dieses Feature wird Dir aber nur angezeigt, wenn Du eine Banking-App installiert hast, deren Herausgeber – also die Bank selbst – mit Google kooperiert.
Der Betrug wird so ausgeführt, dass sich Betrüger als Mitarbeiter einer vermeintlich echten Bank ausgeben. Hast Du eine Banking-App installiert, die am Schutzprogramm teilnimmt, wird Dein Telefon im Hintergrund prüfen, ob es sich um einen echten Anruf Deiner Bank handelt. Technisch gesehen gleicht das System im Hintergrund ab, ob dieser Anruf von Deiner Bank vorher autorisiert wurde oder nicht.
Kann dies nicht bestätigt werden, warnt Dich das Smartphone vor einem möglichen Betrugsversuch. Je nach Gewissheit wird der Anruf auch sofort geblockt. Auf dem Bildschirm wirst Du dann einen Hinweis darauf erkennen, was Dein Telefon gerade geblockt hat und aus welchem Grund.
Manche Betrüger nutzen für diese Fälschungsversuche auch Nummern, die eigentlich nur für eingehende Kundenanrufe gedacht sind. Diese sind leicht zu „erbeuten”, denn sie werden Dir auf den Webseiten der Banken oder in deren Apps überall angezeigt. Kommt ein Anruf von einer solchen Nummer herein, wird auch in diesem Fall sofort alles geblockt.
Ob Deine Bank an diesem Programm teilnimmt oder nicht, kannst Du am besten über die Bank selbst herausfinden. In Deutschland ist diese Funktion noch nicht so verbreitet wie beispielsweise in den USA.
Der gute, alte SMS-Filter
KI hin oder her: Auch die SMS wird noch immer für Betrugsversuche genutzt. Oft bekommst Du eine SMS von einem Paketdienst oder von einer Bank. Dann sollst Du auf einen weiterführenden Link tippen oder eine bestimmte Telefonnummer anrufen.
Da Google nicht dumm ist, werden viele dieser SMS-Nachrichten erst durch einen Filter geschickt. Dieser erkennt bereits den Großteil dieser Betrugsversuche – egal, aus welcher „Branche” sie stammen. Wird eine Nachricht als gefährlich erkannt, wird dieser entweder automatisch in einen Spam-Bereich verschoben oder anderweitig markiert.
Zu beachten ist, dass dieser Filter zwar sehr viele gefälschte SMS-Nachrichten erwischt – aber nicht alle. Gesunder Menschenverstand ist also weiterhin gefragt. Erwartest Du grundsätzlich gerade ein Paket? Hast du tatsächlich ein Konto bei dieser Bank?
Welches Telefon beherrscht welche Schutzmaßnahmen?
Nicht jedes Telefon kann alles. Die moderneren Funktionen sind oft nur auf ebenso modernen Smartphones zu finden. Ohne KI-Rechenleistung im Gerät kann beispielsweise keine Echtzeitanalyse via KI durchgeführt werden. Eine kurze Übersicht gibt es hier:
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Anrufer-ID: Der Abgleich von Telefonnummern mit Datenbanken erfordert ebenfalls kein modernes Gerät, ab Android 9 bist Du dabei. Wie bereits vorher erwähnt, musst Du dafür die Google-App fürs Telefonieren benutzen.
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Callscreening: Damit Google ans Telefon geht und für Dich unbekannte Anrufe auswertet und nach dem Grund fragt, musst Du mindestens Android 10 nutzen – und entweder ein Pixel-Smartphone besitzen oder spezielle Motorola-Geräte.
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Verifizierte Finanzanrufe: Ab Android 11 steht Dir diese Funktion zur Verfügung. Das funktioniert auf allen Android-Geräten, sofern Du eine Banking-App nutzt, die an dem Schutzprogramm teilnimmt.
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Fake-Anrufe: Damit gefälschte Nummern und Bilder sofort entlarvt werden, brauchst Du Android 12. Dies funktioniert auf allen Geräten, Du musst nur die Telefon-App von Google nutzen.
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KI-Erkennung von Scams: Damit Gemini Deine Gespräche auswertet und bei Fake-Anrufen Alarm schlägt, brauchst Du Android 16 und mindestens ein Pixel 6 – „bald“ soll die Funktion aber auch für andere Geräte kommen.
Vereinfacht gesagt: je moderner Dein Smartphone ist, desto besser greifen die Schutzmaßnahmen. Ob Du deswegen gleich ein komplett neues Android-Gerät kaufen solltest, musst Du selbst entscheiden, denn aktuelle Pixel-Smartphones sind nicht gerade günstig.
Was kann ich tun?
Technik ist schön und gut, aber ein bisschen kannst Du auch selbst proaktiv eingreifen. Mehr Sicherheit erzeugst Du unter anderem so:
- Falsche Nummern: Damit Betrüger Deine Nummer bekommen, müssen sie sie zuerst irgendwo erbeuten. Meist geschieht dies durch Datenlecks und -diebstähle bei Unternehmen. Meldest Du Dich online beispielsweise in einem neuen Onlineshop an, solltest Du niemals Deine echte Telefonnummer angeben. Wird dies vom Shop gefordert, erfindest Du einfach eine Fantasienummer. Warum sollte Dich beispielsweise ein Onlineshop wegen eines neuen Paars Schuhe anrufen wollen? Ausnahmen gibt es nur bei schwerem Versandgut, wenn eine Spedition ein Zustellfenster mit Dir aushandeln muss.
- Dich ruft doch einmal ein Betrüger an und dieser ist irgendwie durch alle Schutzmaßnahmen gekommen? Gar nicht erst entgegennehmen, sondern sofort ignorieren. Hältst Du die Nummer im Anrufprotokoll gedrückt, kannst Du sie blockieren und an Google melden.
Bist Du Dir bei einem Anruf unsicher, solltest Du im Nachhinein alles verifizieren. Ruft Dich jemand von einer Bank an, solltest Du einfach selbst diese Bank im Nachhinein noch einmal anrufen und sicherstellen, dass es sich um einen echten Anruf gehandelt hat, sofern es um Geldüberweisungen ging.
Sicherheits-Apps installieren
Du kannst außerdem aktiv werden, indem Du einige Apps installierst, die besonders gegen Scam schützen sollen:
- tellows: Diese Crowdlösung vertraut auf die Nutzerbasis. App-Nutzerinnen und -Nutzer können Nummern mit einer Punktzahl bewerten und einem bestimmten Gefahrenpotenzial zuordnen. Geht bei Dir ein solcher Anruf ein, siehst Du so etwas wie “Gewinnspiel-Betrug” oder Ähnliches auf dem Display.
- Truecaller: Diese extrem verbreitete App ist nicht nur auf Deutschland zugeschnitten, sondern richtet sich an die ganze Welt. Durch viele Millionen Installationen werden neue Betrugsnummern sofort in die Datenbank aufgenommen. Damit das klappt, musst Du allerdings viele Datenfreigaben erteilen.
- Clever Dialer: In Deutschland recht bekannt ist diese App. Vor allem erkennt das Tool viele Kostenfallen automatisch und beachtet dabei den Datenschutz. Dein eigenes Adressbuch musst Du nicht teilen, sodass Du die App auch einfach nutzen kannst, ohne aktiv teilzunehmen.
Zusammen mit den Google-eigenen Maßnahmen schaffst Du Dir damit ein sehr sicheres Smartphone, das 99% aller Betrugsversuche blocken sollte.
Fazit: Technik schützt, aber...
Aktuelle Sicherheitsmaßnahmen in Android sind extrem robust und schützen Dich bei so gut wie allen gängigen Fällen von Telefonbetrug. Erweiterst Du dies um einige weitere Apps und gesunden Menschenverstand, wirst Du nicht das Problem bekommen, früher oder später um Dein Geld erleichtert zu werden.
Aber: Ein wenig Restskepsis sollte immer bleiben. Handelt es sich um Finanztransaktionen, kann es nicht schaden, alles noch einmal selbst zu verifizieren. Auf Druck am Telefon solltest Du jedoch nie reagieren. Informationen aufnehmen, eigenhändig mit Deiner Bank abgleichen – und fertig. Nur so stellst Du am Ende sicher, dass ein Anruf echt ist.