Das bringt ein regelmäßiger Neustart des Routers
Regelmäßiger Neustart des Routers: Hilfreich oder überflüssig?
Laut einigen Nutzern im Internet ist ein Neustart des Routers regelmäßig notwendig. Das soll die Leistung steigern – aber ist wirklich etwas dran an diesem Mythos?
Von Computersystemen ist der Trick, der alle Probleme lösen soll, lange bekannt: Ein Neustart soll für Abhilfe sorgen, Probleme lösen und die Leistung steigern. Funktioniert dies auch bei Routern, wie einige Nutzer fest behaupten?
Auf Reddit und ähnlichen Portalen im Internet gibt es immer wieder Beiträge, die dazu raten, den Router in regelmäßigen Abständen neu zu starten. Verfolgst Du die Diskussionen, findest Du viele Meinungen, die dies bestätigen. Du triffst aber auch auf ebenso viele Stimmen, die berichten, dass ein Neustart keine Veränderung der Performance des Routers zur Folge hat.
Eine bessere Performance des Routers klingt gut: schnellere Downloads, kürzere Wartezeiten und mehr Produktivität. Nicht ohne Grund ist kaum etwas so störend, wie eine langsame Internetverbindung am PC. Aber was sagen eigentlich die Hersteller der Router wie Fritz, Asus oder Netgear über einen solchen Neustart?
Diese Vorteile soll ein Neustart des Routers bringen
Dein Router ist in erster Linie dafür zuständig, die Verbindung zum Internet bereitzustellen. Dafür dient das Gerät als Gateway zum Dienst des jeweiligen Providers. Darüber hinaus haben Router oftmals aber noch andere Aufgaben im lokalen Netzwerk. So gibt es Mesh-Router, die ein größeres kabelloses Netzwerk im gesamten Haus aufbauen, oder Gaming-Router mit speziellen Eigenschaften.
In den meisten Haushalten verbringen die Router dennoch ein unbeachtetes Dasein. Überwiegend stehen sie versteckt in einem Regal oder sind im Keller installiert. Für einen Neustart ist dabei kein physikalischer Zugriff auf die Geräte erforderlich. Über den Fernzugang lassen sich Router über den Browser oder eine App neustarten.
Die meisten Router übernehmen dabei selbst die Kontrolle, ob die Firmware auf einem aktuellen Stand ist. Unter diesem Gesichtspunkt ist es also nicht notwendig, den Router neuzustarten oder sich um die Wartung zu kümmern. So suchen die Geräte regelmäßig nach Updates und installieren diese. Alternativ hast Du die Möglichkeit, über die Konfiguration des Routers Updates für die Firmware manuell zu installieren, falls diese zur Verfügung stehen.
Über Updates verbessert sich häufig die Leistung der Router. Das gelingt durch neue Funktionen, eine verbesserte Sicherheit oder eine stabilere Internetverbindung. Damit ein Firmware-Update aktiv wird, ist ein Neustart des Routers notwendig. An diesem Punkt ist der Rat zu einem Neustart also nicht falsch – auch wenn dies nicht direkt mit dem eigentlichen Neustart zusammenhängt.
Gleichzeitig beschäftigen wir uns nur selten mit der Leistung der Internetverbindung. Funktioniert die Verbindung nämlich tadellos, machen sich die meisten keine Gedanken über den Router – und dies ist während der meisten Zeit der Internetnutzung der Fall. Sinkt die Verbindungsqualität hingegen oder kommt es zu Geschwindigkeitseinbrüchen, fragst Du Dich vielleicht: Liegt dies an meinem Router? An diesem Punkt kommen viele Nutzer auf die Idee, dass ein Neustart vielleicht einen ähnlich positiven Effekt hätte wie beim PC.
Ob ein solcher Neustart tatsächlich die Internetverbindung verbessert oder ob das Problem außerhalb Deiner Reichweite liegt, kannst Du tatsächlich objektiv testen. Führe einfach einige Geschwindigkeitstests auf den bekannten Webseiten durch. Optionen hierfür findest Du auf Speedtest.net oder direkt bei Bing. Speichere die Ergebnisse und starte danach Deinen Router neu. Dies kannst Du über das Menü des Routers tun oder indem Du den Router für etwa eine halbe Minute vom Strom trennst.

Nachdem der Router die Internetverbindung wiederhergestellt hat, wiederholst Du den Speedtest. Es ist sinnvoll, etwa fünf Tests in Serie durchzuführen. Dadurch erhältst Du einen zuverlässigen Durchschnittswert, der nicht durch momentane Belastungen des Traffics, beispielsweise durch eine Anwendung im Hintergrund, verfälscht ist.
Du kannst auch unterschiedliche Verbindungsmethoden testen. Übliche Varianten sind ein Vergleich der WLAN-Verbindung über Dein Smartphone mit der Kabelverbindung am PC. Auf diesem Weg grenzt Du eventuelle Probleme mit der Internetverbindung ein und kannst zum Beispiel das WLAN-Netzwerk als Schuldigen identifizieren.
Testergebnisse: Diese Resultate zeigt ein Router-Restart in der Praxis
Viele Anwender haben den Router-Restart genauer analysiert und dabei die Ergebnisse protokolliert. Die meisten Tests zeigen ein deutliches und ebenso einheitliches Bild, und zwar, dass ein Neustart faktisch keine Auswirkung auf die Performance des Routers hat. Ausschlaggebend für die Leistung einer Internetverbindung ist dabei der Datendurchsatz. Diesen messen die Seiten für Geschwindigkeitstests in Mbit/s. Entscheidend ist zudem, welche Art von Internetanbindung Du besitzt. Das Maximum, was von den Providern angegeben wird, erreichen die meisten Verbindungen nicht immer. Tatsächlich zeigen Tests aber auch, dass teilweise sogar ein höherer Datendurchsatz möglich ist, als im Vertrag durch den Provider versprochen.

Wenn Du selber Tests durchführst, dann achte darauf, dass die Internetverbindung abhängig von der Tageszeit eine unterschiedliche Leistung aufweist. Oftmals sinkt die Verbindungsgeschwindigkeit in den Abendstunden, wenn viele Menschen zu Hause sind und das Internet verstärkt nutzen. Wenn Du also den Datendurchsatz vergleichst, dann führe Tests möglichst zur selben Zeit durch. Wichtig ist auch, dass Du die Verbindung zum selben Server testest. Bei einigen Speedtests ist die Auswahl des Servers möglich. Bei Bing hingegen nicht. Sinnvoll ist es, einen Server zu wählen, der möglichst in der Nähe liegt. Das minimiert den Einfluss von Verbindungsproblemen.

Ein klares Bild über die eigene Internetverbindung ergibt sich nur durch eine höhere Anzahl an Tests. Dabei müssen diese auch zu unterschiedlichen Tageszeiten sowie an verschiedenen Wochentagen stattfinden. Erst dann erhältst Du statistisch relevante Daten. Dabei zeigt sich in vielen Fällen, dass es bei solchen Tests immer wieder zu extremen Ausreißern kommt. Hierbei zeigt sich aber auch, dass besonders niedrige Ergebnisse auch nach dem Neustart des Routers vorkommen können, ein Restart also anscheinend keinen Einfluss hat.
Hat ein Neustart dennoch positive Effekte?
Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Deine Verbindung zum Internet plötzlich langsamer ist und warum es auch so scheint, als ob ein Neustart, zumindest temporär, die Situation verbessert. Ein Grund ist, dass vor allem ältere Router und günstigere Modelle nicht für die extrem hohe Zahl an Geräten ausgelegt sind, die sich heutzutage mit dem WLAN verbinden. Das beeinflusst besonders die Geschwindigkeit in Deinem lokalen WLAN negativ – kann aber auch Auswirkungen auf die allgemeine Performance des Routers haben. Durch einen Restart trennst Du alle Geräte vom WLAN und behebst für einen Moment das Problem. Zumindest solange, bis sich alle Geräte wieder mit dem WLAN verbunden haben. Ein moderner Router oder ein Mesh-Netzwerk sind hier die dauerhafte Lösung. Dies sorgt dafür, dass alle Geräte, die mit dem WLAN verbunden sind, permanent eine optimale Verbindungsqualität haben.
Für einen Neustart spricht aber, dass einige Modelle nur nach dem Hochfahren nach Updates für die Firmware suchen. Das ist wichtig, um das Gerät auf einem aktuellen Stand zu halten. Zum einen verbessert dies eventuell die Leistung. Zum anderen, und das ist deutlich wichtiger, stellt dies die Sicherheit Deiner Internetverbindung sicher, denn Firmware-Updates schließen oftmals auch Sicherheitslücken. Außerdem prüfen Router nach dem Restart, ob die WLAN-Kanäle überlastet sind. Dann wählt der Router automatisch einen Kanal aus, der frei ist. Auch das trägt zu einer besseren Verbindungsgeschwindigkeit im WLAN bei.
Dies sagen die Router-Hersteller zum Thema
Wenn jemand Fachwissen darüber hat, ob ein Neustart die Performance des Routers verbessert, dann sind es die Hersteller dieser Geräte. So haben sich auch mehrere Firmen, die Router produzieren und vertreiben, zum Thema geäußert.
Vom Produktmarketing-Manager von MSI war zu hören, dass die Router der Marke auf einer Firmware basieren, die speziell für eine dauerhafte Verbindungsstabilität und effiziente Verwaltung der Ressourcen konzipiert ist. Ein regelmäßiger Neustart der Router ist somit nicht notwendig. MSI führte weiter aus, dass die Benutzeroberfläche zwar eine Funktion für den Neustart bietet, diese aber jedoch als Annehmlichkeit für Anwender integriert ist, die gerne eine solche Option haben möchten. MSI betonte, dass Besitzer von Routern dieser Marke eine permanent hohe Leistung erwarten können, ohne dass Neustarts erforderlich sind.
Von Netgear, die ebenfalls zu den großen Anbietern von Routern gehören, ist Ähnliches zu hören. Der Senior Vice President für Heimnetzwerke, Jonathan Oakes, bestätigte, dass ein gut funktionierendes Netzwerk keine Neustarts des Routers benötigt. Jedoch kann ein Neustart hilfreich sein, denn dieser setzt die Netzwerkaktivitäten zurück. Das kann bei niedrigen Geschwindigkeiten oder Abbrüchen der Verbindung für Abhilfe sorgen. Weiterhin sagt auch Netgear, dass die eigenen Router so konzipiert sind, dass sie auch ohne Restarts konstant Leistung bringen. Sind regelmäßige Neustarts des Routers erforderlich, dann liegt dies in der Regel an anderen Faktoren wie Störungen, älteren Geräten oder Überlastungen, so Netgear weiter. Viel wichtiger sei es, die Router auf einem aktuellen Stand zu halten. Dabei unterstützen die Router von Netgear automatische Updates der Firmware. Sicherheitsupdates oder Funktionsverbesserungen spielen die Router selbstständig im Hintergrund ein. Die Funktion für automatische Updates findet sich im Konfigurationsmenü des Routers und kann dort aktiviert werden.
Auch der Hersteller der Fritz!Box stimmt den Mitbewerbern zu. Laut dem Produktmanager von Fritz, Tim Kroll, ist das Betriebssystem FRITZ!OS so entwickelt, dass ein Langzeitbetrieb ohne Neustarts problemlos möglich ist. Dafür hat das Unternehmen die Geräte und Software getestet sowie entwickelt. Auch ohne Neustarts stellen die Fritz-Router so dauerhaft volle Geschwindigkeit und die optimale Leistung im Heimnetzwerk bereit. Dies ist auch der Grund, warum es im Betriebssystem der Fritz!Box keine Zeitpläne für automatische Restarts gibt.
Neustart oder nicht – was ist das Fazit?
Das grundlegende Fazit lautet, dass Router nicht von einem Neustart profitieren und so konzipiert sind, dass dieser nicht notwendig ist. Eine langsame Verbindung zum Internet oder dem WLAN ist in der Regel auf andere Gründe zurückzuführen. Aus diesem Grund ist es sinnvoller, sich in einem solchen Fall an den Support des eigenen Internetproviders zu wenden. Diese haben Informationen über aktuelle Störungen oder können eine Fernanalyse durchführen. So finden sich Probleme mit Kabeln oder Geräten und die Provider schicken im Zweifelsfall einen Techniker für die Reparatur. Der Tipp, dass ein Neustart notwendig wäre und die Performance von Routern steigert, ist also nur ein Mythos. Wenn Du mit einer langsamen Internetverbindung kämpfst, dann ist es zielführender, einen besseren Tarif zu buchen, als die Probleme bei der Technik zu suchen.