So fährt Bruno Saccos privater Mercedes 560 SEC
Der C 126 war Bruno Saccos Lieblingsauto. Sein eigener 560 SEC gehört seit Kurzem zur Sammlung von Mercedes – und wir durften ans Steuer.
Nach Bruno Saccos Tod im September 2024 übergab seine Tochter Marina-Mercedes dem Konzernarchiv im Frühjahr 2026 wichtige Exponate aus dem Nachlass des Designers. Schon zuvor, im Jahr 2025, hatte sich die Mercedes-Benz Heritage GmbH das letzte persönliche Fahrzeug Saccos gesichert. Ein 560 SEC, den Sacco 2017 aus fünfter Hand erwarb und bis zuletzt fuhr. Nun steht er hier, bewusst im Zustand der Übernahme belassen. Dieses Coupé mit dem Kennzeichen S-SB 560 H ist kein makelloses Museumsstück, sondern ein Auto mit Leben. Ein Vermächtnis auf Rädern, für das wir den Schlüssel in der Hand halten.
Für Sacco waren die Coupés die Filetstücke einer Baureihe, und das S-Klasse Coupé war eines seiner Lieblingsautos. Bruno Sacco, 1933 in Udine geboren, kam 1958 zu Daimler-Benz und prägte als Nachfolger von Friedrich Geiger ab 1975 fast ein Vierteljahrhundert lang das Mercedes-Design.
Evolution der Generationen: vertikale Affinität
Die Achtziger waren bei Mercedes keine der lauten Revolutionen, sondern der klugen Evolution. Saccos Credo der "vertikalen Affinität" bedeutet: "Ein neues Auto sollte das alte nicht wie einen Irrtum aussehen lassen."
Was das bedeutet, ist an der S-Klasse der Baureihe 126 gut zu sehen. Sie löste 1979 den W 116 ab, legte dessen üppigen Chromschmuck ab, trat passend zum beginnenden Umweltbewusstsein aerodynamischer und leichter auf. Dennoch war sie unverkennbar ein Mercedes und eine logische Weiterentwicklung.
Ähnlichkeit vom 190 E bis zur S-Klasse: horizontale Homogenität
Saccos zweites Prinzip, die "horizontale Homogenität", mein, dass alle Baureihen klar als Mercedes erkennbar sind – vom 190 E bis zur S-Klasse. Elemente wie Scheinwerfer, Kühlergrill und die Seitenlinie sorgten für Familienähnlichkeit. Beispiele dafür finden sich in allen Mercedes-Generationen von den Sechzigern bis in die Neunziger.
Fahreindruck: Am Steuer von Saccos Mercedes 560 SEC
Genug Theorie, wir wollen fahren. Vor dem Start des Fünfeinhalbliter-V8 muss der Fahrer mit einem kleinen Kunststoff-Stift auf den Kontaktpunkt der nachgerüsteten Wegfahrsperre zielen.
Der Motor startet leise, fällt in seinen ruhigen Leerlauf, der Zickzack-Wählhebel rattert auf D. Weil das Automatikgetriebe zum Anfahren den zweiten Gang einlegt und der Gaspedalweg lang ist, nimmt der Zweitürer leise mit seinem V8 murmelnd lässig Fahrt auf. Amerikanisches Achtzylinderblubbern ist dem M117 fremd. Erst bei höheren Drehzahlen klingt der höher verdichtete Motor etwas kerniger als der zahmere 500er.
Gute Fahrleistungen mit 279-PS-V8
Das damalige Topmodell hat in der Katversion 279 PS. Wer das Gaspedal entschlossen in den Teppich tritt, kommt aus dem Stand in rund sieben Sekunden von null auf 100 km/h und könnte mit 240 km/h über die linke Spur der Autobahn rauschen. Damit war man 1990 schnell unterwegs.
Alle vier Seitenscheiben elektrisch versenken und lässig durch die Landschaft gleiten, passt jedoch besser zum SEC, und das beherrscht er auch heute noch besser als viele moderne Autos. Früher war mehr Abrollkomfort, und was die Federung nicht wegflauscht, versackt in den roßhaargepolsterten Ledersitzen.
Fahrverhalten: komfortabel, aber nicht träge
Passend dazu täuscht die Kugelumlauflenkung eine gewisse Trägheit vor und lässt den SEC schwerer wirken, als er mit seinen gut 1,7 Tonnen Leergewicht tatsächlich ist. Wer eine saubere Linie fährt, kann erstaunlich schnell durch Kurven fegen; das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern vorn und Schräglenkern hinten vermittelt schnell Vertrauen und sorgt für eine stabile Straßenlage. Ein Auto, das nicht aufträgt, nicht aufregt und so harmonisch fährt, wie es aussieht: Dieser Mercedes steht wie kein anderer für seinen letzten Besitzer.
