5er mit V8 seit 2018 doppelt so teuer
Der BMW 540i (E34) verbindet dezentes Auftreten mit kräftiger Technik. Sein V8 M60 debütierte im E32, das E34-Design verantwortete Ercole Spada. Limousine und Touring, Automatik oder Sechsgang – hier stehen Historie, Technik und Marktbesonderheiten der Understatement-Limousine im Mittelpunkt.
Zugegeben: Mercedes war früher dran. Mit dem 500 E(1990–1995) und dem 1991 gestarteten 400 E hatten die Schwaben schon vor BMW Achtzylinder in ihrem Mittelklasse-Programm. Dennoch blieb der V8 eine Besonderheit, auch als man in München 1992 die Fünfer-Baureihe E34(1987–1996) um die Modelle 530i und 540i erweiterte.
Deren V8-Aggregat namens M60 hatte erst ein halbes Jahr zuvor im Siebener (E32) debütiert und war nach rund 25 Jahren Pause der erste neue Achtzylinder im Portfolio von BMW. Hintergrundinfo zum E34: Designchef Claus Luthe hatte seinerzeit den ehemaligen Zagato-Chefdesigner Ercole Spada beauftragt, die Karosserie für den neuen Fünfer zu entwerfen. Dieser orientierte sich optisch am größeren Siebener, übernahm unter anderem dessen L-förmige Rückleuchtengrafik und geriet gegenüber dem Vorgänger E28 geräumiger und auch aerodynamischer.
Vierliter-V8 fast mit M5-Fahrleistungen
1991 wurde der Limousine eine Kombiversion zur Seite gestellt, für BMW in dieser Klasse ein Novum. Insgesamt machte der Touring etwa ein Zehntel der Gesamtverkäufe aus. Alles in allem entwickelte sich die Bayern-Mittelklasse zu einem Erfolgsmodell: Mit über 1,3 Millionen Exemplaren konnte die Produktionszahl des E28 (720.000 Stück) am Ende fast verdoppelt werden.
Heute sind vor allem die Topversionen begehrt, neben dem sportlichen M5 also vor allem die V8-Modelle und hier insbesondere der 540i mit 286 PS. Sein kleiner Bruder 530i (218 PS) liegt bei den Fahrleistungen "nur" etwa auf dem Niveau der 3,0- und 3,5-Liter-Sechszylinder. Der Vierliter-V8 dagegen muss sich selbst hinterm M5 nicht verstecken. Im Gegenteil, meint Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic-Analytics in Bochum: "Auf dem Papier mag der 540i dem 315 PS starken M5 unterlegen sein. In der Praxis jedoch lässt sich die Power des drehmomentstarken V8 durch einen einfachen Tritt aufs Gaspedal abrufen, während der Sechszylinder des M5 durch fleißiges Schalten bei Laune gehalten werden will." Das gilt genauso für den 1992 gestarteten 3,8-Liter-M5 mit 340 PS, der im Gegensatz zum 3,6-Liter-Vorgänger auch als Touring erhältlich ist.
Ab 1994 läuft der 540i 250 km/h
Für den 540i spricht zudem, dass er deutlich weniger kostet. Gut zu wissen: Ab 1994 herrschte auch bei der Höchstgeschwindigkeit Gleichstand. BMW lockerte damals die elektronische Fessel von 240 auf die 250 km/h der M5-Modelle. Wichtiger ist gleichwohl ein anderes Unterscheidungsmerkmal: M5 wurden ausschließlich als Schaltfahrzeuge angeboten (3,8-Liter: Sechs- statt Fünfgang), während der V8, zumindest anfangs, ausschließlich mit Fünfstufenautomatik erhältlich war. Erst ab 1993 wurden zunächst die Limousine, später auch der Touring serienmäßig mit manuellem Sechsganggetriebe angeboten, doch die meisten Käufer orderten für etwas mehr als 4.000 Euro Aufpreis weiterhin die Automatik. Insgesamt entstanden 22.645 Limousinen, davon 2.570 mit manuellem Getriebe. Von den 2.459 gebauten 540i Touring wurden sogar nur 561 Exemplare mit der Sechsgang-Schaltbox ausgeliefert.
Touring und Schaltgetriebe sind teurer
"Der 540i, insbesondere die Version mit Schaltgetriebe, entwickelte sich daher schon auf dem Gebrauchtwagenmarkt zum begehrten Fan-Objekt mit überdurchschnittlich gutem Werterhalt", weiß Frank Wilke."BMW-typisch ist die Automatik-Variante, trotz ihrer Qualitäten, weniger beliebt und wird mit einem Abschlag von etwa 15 bis 20 Prozent bestraft – wobei Touring-Modelle stets etwas höher gehandelt werden als Limousinen."
Eckdaten: V8-Motor, Hubraum: 3982 cm³, Leistung: 286 PS, Leergewicht: 1680 kg, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Bauzeit: 1992 bis 1996
Stärken
- Drehmomentstarker, kultivierter V8-Motor, hoher Understatement-Faktor
- Fahrwerk mit ausgezeichneter Balance aus Komfort und Sportlichkeit, starke Bremsen
- Robuste Technik, bei entsprechender Pflege sehr hohe Laufleistungen möglich
Schwächen
- Fahrzeuge mit Sechsganggetriebe deutlich teurer, da selten, insbesondere als Touring
- Teilweise Korrosion, besonders an Türkanten, Schwellern und Wagenheberaufnahmen
- Je nach Fahrweise beschleunigter Verschleiß an Querlenkern, Spurstangen und Tonnenlagern
