Campingbusse mit außergewöhnlichen Grundrissen
Die Küche ist im Sun Living in zwei Bereiche geteilt: An der Schiebetüre wird gekocht, gegenüber abgespült.
Bis zu fünf Gurt- und Schlafplätze oder konsequent für zwei Personen: Dieser Vergleich stellt Konzepte, Stauraum, Toilette und Dusche gegenüber.
Vorne Sitzgruppe, in der Mitte Küche und Bad, hinten die Betten: Diesem bewährten Grundrissmuster folgen die meisten Kastenwagen. Aber nicht alle. Eine Ausnahme machen die beiden Busse in diesem Vergleich. Sowohl der Rocket TGE als auch der Sun Living V 60DL verzichten auf einen klassischen Badblock. Dadurch wirkt der Innenraum in beiden Bussen offen und großzügig. Gleichzeitig stellen sich die Fragen: Wo putzt man die Zähne? Kann man duschen? Wenn ja, wo? Und wo geht man auf die Toilette?
Sowohl Rocket Camper, die Campingbus-Manufaktur vor den Toren Stuttgarts, als auch Sun Living, die Einsteigermarke von Adria, verzichten auf ein zweites Waschbecken. Heißt: Das Spülbecken dient in beiden Modellen gleichzeitig auch der Körperpflege. Bei der Dusche verfolgen die beiden Hersteller unterschiedliche Ansätze. Sun Living setzt auf eine Kabine mit faltbaren Wandelementen gleich hinter dem Fahrersitz. Beim Rocket TGE gibt es keine Möglichkeit, im Innenraum zu duschen; lediglich eine Außendusche ist mit an Bord. Und bei den Toiletten setzen beide Hersteller auf gut versteckte Porta Pottis. Sun Living baut es in den Spül-/Waschtisch ein. Bei Bedarf kann man die Toilette in die angrenzende Duschkabine ausfahren. Beim Rocket ist das WC in der Aufstiegsstufe zum Bett untergebracht. Beide Campingbusse sind knapp sechs Meter lang und in Serie mit zwei Gurtplätzen im Fahrerhaus und zwei Schlafplätzen ausgestattet. Der Rocket kann optional um bis zu drei Einzelsitze mit Gurt erweitert werden. Auch ein Aufstelldach ist erhältlich – und im Testfahrzeug auch vorhanden. Dadurch wird der TGE zum Familiencamper. Der Sun Living besitzt die Aufstelldach-Option nicht, er ist ein reines Zwei-Personen-Mobil. Beim Basisfahrzeug setzt Rocket Camper auf den MAN TGE, Sun Living auf den Ford Transit. Große Unterschiede gibt es beim Preis. Bereits in der Basisversion ist der Rocket mehr als 31.000 Euro teurer als der Sun Living.
Rocket TGE
- Gurt-/Schlafplätze: 2–5 / 2–5
- Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
- Länge: 5,99 m
- Preis: ab 83.940 Euro
Sun Living V 60DL
- Gurt-/Schlafplätze: 2/2
- Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
- Länge: 5,98 m
- Preis: ab 52.590 Euro
Rocket TGE: Ausstattung und Details
Zentrales Element im Rocket TGE ist ein L-förmiger Möbelblock in der Mitte des Fahrzeugs – vom Hersteller auch als Herzstück bezeichnet. Im quer zur Fahrtrichtung stehenden Teil dieses Blocks ist, gleich neben der Schiebetüre, der Herd mit einem hochwertig anmutenden, edelstahlverkleideten Brenner auf einer Glasplatte untergebracht. Zur Serienausstattung gehört nur ein Kochfeld, das zweite ist als Option (235 Euro) erhältlich. Praktisch: Die aufgeklappte Abdeckung des Herds kann als Ablagefläche beim Kochen verwendet werden. Unter dem Herd sind der Kühlschrank und mehrere Schubladen angebracht. Alle Schubladen besitzen im Inneren einen zweiten Auszug, so dass die gesamte Höhe der Schublade gut ausgenutzt wird. Zum Herzstück gehört außerdem das Spülbecken, das gleichzeitig auch zum Waschen dient. Es ist an der linken Fahrzeugwand angebracht. Das Becken ist sehr groß und mit einer hochwertigen Armatur ausgestattet. Gleich neben dem Becken befindet sich, von einer Arbeitsplatte abgedeckt, der Einfüllstutzen für das Frischwasser. Der Tank ist mit 48 Litern vergleichsweise klein, die Warmwasseraufbereitung kostet Aufpreis (799 Euro). Der Rocket glänzt mit seinem hochwertigen und optisch ansprechenden Möbelbau aus Echtholzplatten. Filzverkleidungen an den Wänden verleihen dem Innenraum ein angenehmes Ambiente.
Im vorderen Teil des Fahrzeugs befindet sich der Sitzbereich. Zur Serienausstattung gehören im Rocket nur die beiden Fahrerhaussitze, die sich in Richtung Tisch drehen lassen. Optional können auf der gegenüberliegenden Tischseite bis zu drei Einzelsitze mit Gurt geordert werden (jeweils 1.210 Euro). Sie sind in Bodenschienen befestigt und lassen sich je nach Bedarf schnell aus- und wieder einbauen. Durch die zusätzlichen Einzelsitze wird der Rocket TGE zum Familiencamper für bis zu fünf Personen. Bei Maximalbelegung geht es auf den Sitzen in der zweiten Reihe allerdings etwas eng zu. Wer nur zu zweit verreist, verzichtet auf die hinteren Sitze und wählt eine etwas abgeänderte Ausbauvariante mit einem etwas kleineren Tisch und einem zusätzlichen Stauraumelement an der Seitenwand gleich neben dem Tisch.
Heckbett und Stauraum
Der Zugang zum Bett im Heck erfolgt über den zentralen Möbelblock. Durch Herausziehen einer Schublade entsteht eine Treppenstufe, über die man ins Querbett hinaufsteigt. Im Schubladenelement lässt sich eine mobile Toilette verstauen: eine clevere und gleichzeitig platzsparende Lösung. Das Querbett überzeugt mit einer bequemen Matratze samt Unterbau aus Tellerfedern. Dank einer seitlichen Karosserie-Erweiterung kommt das Bett auf eine maximale Liegelänge von fast zwei Metern, auch größere Personen haben hier genügend Platz. Der Bettrahmen lässt sich vorne bzw. hinten nach oben klappen. So entsteht eine praktische Loungeliege mit Blick nach innen bzw. durch die Hecktüren ins Freie. Mit einem zusätzlichen Topper, den Rocket Camper als Zusatzausstattung (395 Euro) anbietet und der sich über das zentrale Möbelelement erstreckt, wird aus dem Doppelbett sogar ein Schlafbereich für drei Personen. Weitere zwei können im – ebenfalls als Option (5.990 Euro) erhältlichen – Aufstelldach schlafen.
Der große Heckstauraum im Rocket reicht über die komplette Fahrzeugbreite und kann dank des hochklappbaren Bettrahmens noch nach oben erweitert werden. Eine gute Lösung hat sich Rocket Camper für den Stauraumboden einfallen lassen. Der besteht aus Gummigranulat und ist dadurch rutschfest und widerstandsfähig gegen Verkratzen.
Technische Daten des Rocket TGE
- Basisfahrzeug: MAN TGE, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, 1968 cm³, 103 kW/140 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe
- Leergewicht (gewogen)/zul. Gesamtmasse: 3040 kg (inkl. Aufstelldach)/3500 kg
- Länge/Breite/Höhe: 5990 x 2040 x 2710 mm
- Bettenmaße: Bett unten 1970 x 1400 mm, Dach 2000 x 1170 mm (optional)
- Ausbau: Einflammkocher, Kompressorkühlschrank 75 L inkl. Gefrierfach, max. drei Einzelsitze in zweiter Sitzreihe mit Dreipunktgurten (optional), Außendusche, mobiles WC
- Aufbau: Stahlblechkarosserie, Innenverkleidung Filz und Kunststoffformteile, GfK-Aufstelldach (optional)
- Bordtechnik: Diesel-Gebläseheizung 4 kW, Warmwasseraufbereitung (optional), Frischwassertank 48 L, Abwassertank 48 L, Bordbatterie AGM 95 Ah, Gasflasche 2,75 kg
- Preise: ab 83.940 Euro, Testwagenpreis 114.394 Euro
Das fiel uns auf
(+) Der üppige Heckstauraum kann durch Hochklappen des Bettrahmens nach oben noch vergrößert werden.
(+) Stylish und durchdacht: Fensterverdunklung und Fliegenschutz als vorgehängtes Element zum Rollen.
(+) Ebenfalls clever: abnehmbare Taschen – etwa für Toilettenartikel oder das Equipment zum Abspülen.
(+) Sieht umständlich aus, ist aber easy: der Aufstieg ins Bett über das Schubladenelement im Möbelblock.
(-) Eine Dusche ist beim Rocket TGE zwar mit an Bord. Sie kann aber nur im Außenbereich genutzt werden.
(-) Hoher Ein- und Ausstieg ins Fahrzeug: Eine elektrisch ausfahrbare Trittstufe gehört nicht zur Serienausstattung.
Sun Living V 60DL: Ausstattung und Details
Auch der Sun Living bricht mit dem klassischen Kastenwagengrundriss. Statt der Halbdinette vorne besitzt er eine Face-to-face-Sitzgruppe für zwei Personen in der Mitte des Fahrzeugs, gleich vor der Querschläfermatratze im Heck. Der Tisch lässt sich schnell und unkompliziert ausziehen, bei Nichtgebrauch verschwindet er unauffällig unter der Matratze. Die ist mit 1,80 Metern nicht besonders lang – und auch die Breite reicht eher für eine als für zwei Personen. Dafür lässt sich die Schlaffläche am Abend zu zwei Längseinzelbetten umbauen. Dazu wird rechts und links jeweils ein Lattenrost wie eine Schublade nach vorne über die beiden Sitze herausgezogen, die Sitzpolster dienen als Matratzenelemente beim Schlafen. Die beiden Betten, die so entstehen, kommen auf eine komfortable Liegelänge von zwei Metern. Mithilfe des Tisches und der Rückenpolster der Sitze als Auflage können die Einzelbetten sogar zu einer großen Liegewiese erweitert werden.
Vor dem Bett befindet sich auf der linken Fahrzeugseite das Spülbecken, das auch als Waschbecken dient. Es besitzt eine hohe und stabile Armatur und kann – dank einer Kunststoff-Abdeckplatte – auch als Abstellfläche genutzt werden. Bad- und Küchenutensilien finden ihren Platz in einem Spiegelschrank und einem zweiten Schrankelement mit drei Einlegeböden und Rolloverschluss oberhalb der Spüle sowie in zwei Schubladen im Unterbau. Eine flexible Konstruktion haben sich die Sun-Living-Konstrukteure für die Dusche einfallen lassen: Wenn sie nicht gebraucht wird, halten ihre faltbaren Wandelemente per Magnet an der Innenwand des Campers. Erst bei Gebrauch werden sie aufgeklappt, die Bodenplatte aus der Duschtasse herausgenommen und dann heißt es: Wasser marsch!
Hoher Duschkomfort im Sun Living
Unter der Dusche hat man im Vergleich zu vielen anderen 6-Meter-Bussen reichlich Platz. Der Duschkomfort ist höher als in den meisten Kastenwagen. Und die Toilette? Auch für sie hat Sun Living eine platzsparende Lösung parat. Sie versteckt sich im Unterbau des Waschbeckens. Zur Verrichtung des Geschäfts zieht man sie von dort in den Duschbereich aus. Gekocht wird im V 60DL auf einem Zweiflammenherd gleich neben der Schiebetüre. Der kleine Kochblock besitzt sogar eine Arbeits- und Ablagefläche, der Kühlschrank bildet den Unterbau. Wie der Rocket, so glänzt auch der Sun Living mit einem großen und hohen Heckstauraum, der über die volle Fahrzeugbreite reicht. Auf der rechten Seite ist der Stauraum extra tief – perfekt, um langes, schmales Gepäck wie etwa Ski unterzubringen. Außerdem gibt es auf dieser Seite einen Zugriff vom Innenraum auf die Heckgarage. Auch im Innenraum besitzt der Sun Living viel Stauraum. Sechs Hängeschränke sind U-förmig über Bett und Sitzgruppe angeordnet. Unter den Sitzen und im Podest, auf dem die Sitze thronen, gibt es weitere Staufächer. Insgesamt ist die Qualität des Möbelbaus hervorragend.
Der V 60DL ist ein reiner Zwei-Personen-Camper. Anders als beim Rocket ist kein Aufstelldach erhältlich, neben den beiden Sitzen im Cockpit stehen auch keine weiteren Gurtplätze zur Verfügung. Dem Kastenwagen sieht man nicht auf den ersten Blick an, dass es sich um einen Campingbus handelt. Er besitzt lediglich ein aufklappbares Fenster in der Schiebetüre und zwei dezente Fenster im Heck, die nicht geöffnet werden können – dazu noch zwei Dachluken. Das hat den Vorteil, dass man sich mit ihm zum Übernachten auch einmal unauffällig an den Straßenrand stellen kann. Damit ist er perfekt auch für alleinreisende Geschäftsleute geeignet, die viel on the road leben.
Technische Daten des Sun Living V 60DL
- Basisfahrzeug: Ford Transit, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, 1996 cm³, 96 kW/130 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe
- Leergewicht (gewogen)/zul. Gesamtmasse: 2845 kg/3500 kg
- Länge/Breite/Höhe: 5980/2060/2840 mm
- Bettenmaße: Querbett bei gebauter Sitzgruppe: 1800 x 1400 mm, umgebaut zu Einzelbetten: 2 x 2000 x 650 mm
- Ausbau: Zweiflammkocher, Kompressorkühlschrank 83 L inkl. Gefrierfach, Dusche, fest eingebautes WC, Face-to-face-Sitzgruppe für zwei Personen
- Aufbau: Stahlblechkarosserie, Innenverkleidung Filz
- Bordtechnik: Diesel-Gebläseheizung 4 kW, integrierter Boiler 10 L, Frisch-/Abwassertank 50/50 Liter, Gasflasche 2,75 kg, Bordbatterie AGM 100 Ah
- Preis: ab 52.590 Euro, Testwagenpreis 58.096 Euro
Das fiel uns auf
(+) Schnell und ohne großen Umbau: Vom Innenraum aus hat man Zugriff auf einen Teil des Heckstauraums.
(+) Gut konstruiert: Der Tisch lässt sich problemlos unter dem Bett versenken – und schnell wieder herausziehen.
(+) Clevere Lösung: Die Lattenroste für den Bau der beiden Einzelbetten verstecken sich in einer Art Schublade.
(+) Macht das Entsorgen sehr komfortabel: Der Grauwassertank kann über einen Knopf entleert werden.
(-) Achtung beim Duschen: Das Wasser kann in gewissen Fällen über den Rand der Duschtasse laufen.
(-) Das geht besser: Die labbrigen Kunstlederriemen passen nicht zum sonst qualitativ hochwertigen Möbelbau.
Rocket vs. Sun Living: Pro und Contra im Überblick
Rocket TGE
(+) Qualitativ sehr hochwertiger und optisch ansprechender Ausbau.
(+) Gurtsitzplätze und Schlafplätze für bis zu fünf Personen.
(+) Heckbett kann zum bequemen Loungesofa umgebaut werden.
(+) Großer Heckstauraum mit widerstandsfähigem Boden aus Gummigranulat, in der Höhe erweiterbar.
(+) Individuelle und praktische Ausstattungsdetails, wie etwa Verdunklungselemente oder herausnehmbare Taschen.
(-) Hoher Grundpreis, viele aufpreispflichtige Ausstattungsdetails treiben Endpreis zusätzlich nach oben.
(-) Keine Möglichkeit, im Inneren des Fahrzeugs zu duschen.
(-) Bei voller Belegung mit fünf Personen bleibt wenig Platz in der zweiten Sitzreihe.
Sun Living V 60DL
(+) Längsbetten im Heck, erweiterbar zu einer großen Schlaffläche.
(+) Qualitativ sehr guter Möbelbau, Umbau beim Bettenbau beziehungsweise beim Ein- und Ausfahren des Tisches ohne Probleme.
(+) Geräumige Garage mit extra tiefem Bereich und Zugriff vom Innenraum.
(+) Dusche mit ausreichend Platz im Inneren des Campers vorhanden.
(+) Von außen nicht gleich als Campingfahrzeug erkennbar, dadurch Vorteile beim freien Stehen abseits von Camping- bzw. Stellplätzen.
(+) Attraktiver Grundpreis, kaum aufpreispflichtige Optionen notwendig.
(-) Reiner Zwei-Personen-Campingbus, keine zusätzlichen Sitz- oder Schlafplätze für das Fahrzeug erhältlich.
(-) Die Halterung der zusammengeklappten Duschwand ist nicht optimal.
