Was passiert, wenn die Stützlast nicht stimmt?
Die Stützlast ist eine der wichtigsten Werte beim Caravan-Fahren. Unser Test zeigt, was sie konkret bewirkt.
Ein einachsiger Caravan verteilt sein Gewicht auf drei Punkten: den Rädern, der Anhängerkupplung des Zugwagens oder, abgekuppelt, auf dem Stützrad. Das Gewicht, mit dem die Deichsel auf dem Kugelkopf des Zugwagens lastet, ist die Stützlast. Sie wird dem Zugfahrzeug, quasi als Beladung, zugeschlagen und wird vom Hersteller über den Wert der maximalen Stützlast limitiert. Nachzuschlagen ist dieser Wert im Fahrzeugschein unter Punkt 13.
Die Stützlast ist einer der wichtigsten Faktoren für die Fahrstabilität eines Gespanns: Bei einer Stützlast unter 25 Kilo kann sich das Gespann schon 20 km/h früher destabilisieren als mit maximaler Stützlast. Zu viel Last auf der Kupplung entlastet die Lenkung und bei Fronttrieblern die Antriebsräder gefährlich, was Spätfolgen für Chassis, Anhängerkupplung und Hinterachse haben kann.
Mehr über die Stützlast bei Polizeikontrollen lesen Sie hier. Im folgenden Test wollen wir herausfinden, was passiert, wenn die Stützlast nicht korrekt eingestellt ist.
Zusammenhang von Stützlast und Fahrdynamik
Die Stützlast des beladenen Caravans sollte immer den Maximalwert erreichen. Denn je höher die Stützlast, desto geringer ist die Pendelanfälligkeit des Caravans. Hohe Stützlast bedeutet hohe Fahrsicherheit. Welchen Einfluss die Stützlast als Teil der Beladung auf das Fahrverhalten hat, haben wir in Praxisversuchen herausgefunden. Die Stützlast ist bei der Beladung nicht der einzige, aber definitiv mit der wichtigste Faktor für ein sicher fahrbares Gespann.
So testen wir: Um aufzuzeigen, wie groß der Einfluss der Beladung und somit auch die Stützlast auf die Fahreigenschaften ist, sind wir mit optimaler Beladung (Versuch 1) und mit falscher Beladung (Versuch 2) auf einer abgesperrten Teststrecke gewesen.
In mehreren Fahrversuchen wurde die kritische Geschwindigkeit (Vkrit) ermittelt. Sie ist dann erreicht, wenn das durch eine abrupte Lenkbewegung angeregte Pendeln nicht mehr selbstständig abklingt bzw. stärker wird.
1. Versuch: Optimale Beladung, Stützlast am vorgegebenen Limit
Mit dem Hauptgewicht auf der Achse und ausgereizter Stützlast liegt die kritische Geschwindigkeit bei immensen 133 km/h. In der Praxis viel entscheidender ist aber das Gespannverhalten im Bereich bis 100 km/h. Hier glänzt das perfekt getrimmte Gespann mit einer hohen Laufruhe, gutmütigen Fahreigenschaften und hohen Sicherheitsreserven.
2. Versuch: Wenig Beladung, offene Antischlingerkupplung
Selbst mit dem gesetzlichen Mindestwert von 25 Kilogramm Stützlast fährt ein Gespann nicht wirklich stabil und neigt zum nervösen Pendeln. Die kritische Geschwindigkeit wird bereits bei 103 km/h erreicht. Allerdings verhält sich das Gespann auch bei geringeren Geschwindigkeiten spürbar unruhig.
3. Versuch: Realitätsnahe Beladung
In der Praxis ist die optimale Beladung kaum realisierbar, da ein Großteil der Bett- und Sitztruhen-Stauräume nicht achsnah liegt. Aus diesem Grund haben wir in einem dritten Versuch eine möglichst realitätsnahe Beladung mit gut eingestellter Stützlast nachgestellt. Die kritische Geschwindigkeit liegt bei dieser Trimmung bei 115 km/h und damit immerhin noch 12 km/h höher als bei der schlechten Abstimmung des zweiten Fahrversuchs. Im Bereich der kritischen Geschwindigkeit hilft übrigens nur noch der beherzte Tritt auf die Bremse, um das schlingernde Gespann wieder zu beruhigen – wenn das nicht schon die ESP-Elektronik übernommen hat.
Tipps und Ratgeber rund um die Beladung von Caravans finden Sie hier.
Wie kann ich die Stützlast ermitteln?
Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, um die Stützlast zu ermitteln: mit einer Spezial- oder Personenwaage oder einem Stützrad mit integrierter Waage – falls der Caravan nicht serienmäßig damit ausgerüstet ist.
- Stützlastwaagen sind in den (Online)-Katalogen oder den Shops aller großen Zubehör-Händler erhältlich. Einfachste Federwaagen kosten ab zehn, bessere 30 Euro. Rund einen Zehner mehr muss investieren, wer elektronische Messgeräte bevorzugt. Besonders komfortabel gelingt das Trimmen der Stützlast mit der Bluetooth-Stützlastwage von Sensotec. Sind die Caravanräder blockiert, fungiert sie als dritte Stütze. So kann die aktuelle Stützlast während des Beladens in Echtzeit vom Smartphone abgelesen werden.
- Wer sich keine spezielle Stützradwaage anschaffen möchte, kann sich auch mit einer exakten Personenwaage behelfen. Dazu braucht man dann aber noch einen Holz- oder Metallstab, der genau so lang ist, dass er auf der Bodenwaage aufstehend und in die Kugelkopfaufnahme ragend den Caravan in der Waagerechten hält. Oder in exakt jener Position, in der er in Wirklichkeit hinter dem beladenen Zugfahrzeug hängt. Denn mit jedem Zentimeter Neigung nach vorn steigt die Stützlast, ohne dass der Wohnwagen dabei vorne stärker beladen wurde.
- Bei den integrierten Waagen kommt am häufigsten das Waagen-Bugrad von Winterhoff zum Einsatz. Alko hat ein Premium-Stützrad im Programm, dessen Federung mit einer Wiegevorrichtung gekoppelt ist.
Wichtig ist dabei, dass die Messung im beladenen Zustand und an der Kugelkopfaufnahme durchgeführt wird. Dann kommt die Messhöhe ins Spiel: In all unseren Testformaten messen wir die Stützlast, wenn der Caravan in Waage steht. Grund: Der Wert ist so leichter reproduzierbar.
Für Sie ist dagegen wichtig, auf der tatsächlichen Höhe der Anhängerkupplung zu messen. Denn jeder Zentimeter aus der Nulllage nach oben und unten verringert und erhöht die Stützlast. Übrigens: Die Höhe des Kugelkopfes über dem Boden muss auch bei voller Beladung zwischen 350 und 420 Millimeter betragen.
Wie gesagt: Die Kupplungshöhe wirkt sich auf die Stützlast aus. Das beste Ergebnis erhalten Sie, wenn Sie das beladene Gespann einmal ankuppeln und anschließend die Kugelkopfhöhe als Richtwert zur Höheneinstellung der Waage nehmen.
Noch etwas komfortabler, weil ohne Ankuppeln, gelingt das Trimmen der Stützlast mit der Bluetooth-Variante der Stabwaage STB 150. Bei abgesichertem Caravan kann der Innenraum betreten und beladen werden, während das Smartphone zeigt, welche Änderungen das Verlagern einzelner Gepäckstücke bewirkt.
