Fendt Tendenza im Duell mit LMC Videro
Der LMC Videro 510 E misst rund 7,5 Meter inklusive Deichsel. Vorn hat er ein großes Bugfenster.
In der oberen Mittelklasse treffen Fendt Tendenza 515 SG und LMC Videro 510 E aufeinander. Wo gibt es mehr fürs Geld?
Wer in der gehobenen Klasse einen komfortablen Wohnwagen mit Einzelbetten sucht, kommt an diesen beiden Modellen nicht vorbei: Fendt Tendenza 515 SG und LMC Videro 510 E. Die rund 7,5 Meter langen Caravans starten jeweils bei knapp 35.000 Euro. Dafür gibt es bei beiden nicht nur viel Platz und eine komfortable Ausstattung, sondern auch eine hochwertige Bordtechnik, zum Beispiel mit Combi-Heizung und Kompressor-Kühlschrank.
Die Grundrisse ähneln sich stark, auch wenn Einzelbetten und Rundsitzgruppe spiegelverkehrt angeordnet sind: Beim Tendenza sind die Betten vorn und die Sitzgruppe hinten, beim LMC ist es umgekehrt. Auf den ersten Blick fällt auf: Fendt setzt auf gediegene Gemütlichkeit, LMC auf eine modern-minimalistische Designsprache. Doch auch jenseits der Optik unterscheiden sich die beiden Komfortmodelle teils deutlich.
CARAVANING hat beide Wohnwagen intensiv getestet. Welcher Caravan in welcher Disziplin besser abschneidet und für wen sich welches Modell folglich besser eignet, klären wir im folgenden Vergleich in acht Kapiteln.
Der Aufbau: Vorteil LMC
GfK-Unterboden mit feuchtigkeitsresistenter XPS-Isolierung, GfK-Wände und Dach, schicke Rahmenfenster sowie Stützen mit serienmäßigen Bigfoot-Tellern: Der LMC Videro liegt hier in einigen Punkten klar vor dem Fendt Tendenza.
Dessen Holzsandwich-Boden ist mit einfacherem Styropor isoliert, zu den Hammerschlag-Wänden gibt es keine Alternative und eine besser vor Hagel schützende GfK-Schicht auf dem Dach kostet Aufpreis. Dazu kommen vorgehängte Fenster und einfache Stützen.
Allerdings baut Fendt die bessere, parallel öffnende Deichselkastenklappe ein. Die des LMC öffnet nach vorn und kollidiert so schnell mit einem Fahrradträger auf der Deichsel. Die Verarbeitung des Aufbaus fällt in beiden Fällen solide aus.
Der Möbelbau: Vorteil Fendt
Hier trumpft der Tendenza auf: elegant geschwungene Klappen, kaum sichtbare Verbinder und Verschraubungen – und wenn, dann ohne billig wirkende Plastik-Abdeckungen – machen einen sehr homogenen und wertigen Eindruck.
Das Mobiliar im Videro wirkt zwar moderner und wird mit zahlreichen LED-Bändern teils schick in Szene gesetzt, bei genauem Hinsehen ist es jedoch deutlich einfacher konstruiert. Die Klappen sind gerade, manch Push-Lock-Verschluss hakelt, viele Möbelverbinder und Abdeckungen auf Verschraubungen sind sichtbar, die Scharniere der Badtür stehen unschön hervor. Darüber kann auch die prinzipiell solide Verarbeitung nicht hinwegtäuschen.
Die Sitzgruppe: Vorteil Fendt
Beim Tendenza befindet sich die große Rundsitzgruppe im Heck. Das hat den Vorteil, dass die gerade Rückwand keinerlei Einschränkung der Kopffreiheit mit sich bringt. Im Videro sieht das anders aus. Wer sich zurücklehnt, kommt hier schnell mit Fensterrahmen, Rollo und Vorhang des Bugfensters ins Gehege. Die sofaartigen Rückenlehnen des Fendt sind zudem noch eine Spur bequemer als die gut ausgeformten Polster im LMC.
Die Betten: Unentschieden
Schlafkomfort wird in beiden Wohnwagen großgeschrieben. Hochwertige und dicke Komfortschaum-Matratzen sind in Tendenza wie Videro Serie, im LMC nochmal drei Zentimeter dicker. Hier ruhen die Matratzen auf eng gestaffelten Tellerfedern, Fendt hält mit einem Lattenrost mit einstellbarem Härtegrad dagegen.
Ärgerlich beim Videro: Die Matratzen liegen im Kopfbereich nicht eben auf, da die Ablage zwischen den Betten etwas höher baut als der Unterbau der Liegeflächen. Ein kleines Plus bietet der LMC dafür, wenn zwei große Camper an Bord übernachten: Die Einzelbetten sind mit 208 und 200 Zentimetern ungewöhnlich lang. Im Fendt beträgt die maximal nutzbare Liegelänge 205 und 190 Zentimeter.
Die Küche: Unentschieden
Beide Küchenblöcke eint das ordentliche Stauraumangebot und die knappe Arbeitsfläche. Die Spülen haben vernünftige Größen. Fendt setzt auf einen Gasherd mit drei Flammen, LMC baut ein Kombi-Kochfeld mit zwei Gasbrennern und einer Induktionsplatte ein. Beide Modelle setzen wie eingangs erwähnt auf effiziente Kompressor-Kühlschränke. Leichte Vorteile hat hier das intuitiv bedienbare Dometic-Modell im Tendenza (mit beidseitigem Türanschlag) gegenüber einem No-Name-China-Modell im Videro.
Das Bad: Vorteil Fendt
Mehr Platz für die Knie auf der Toilette gibt es im Tendenza. Im Videro schränkt der Schrank unterm Waschtisch den Raum merklich ein. Seiner Duschwanne fehlt eine Abdichtung, einen Halter fürs Toilettenpapier gibt es nicht. Die Banktoilette des Fendt hat zudem weniger Schmutzfallen und verfügt über einen separaten Spülwassertank.
Die Technik: Unentschieden
Hier hat jedes Modell unterschiedliche Stärken, insgesamt läuft das auf ein Unentschieden hinaus. Der Combi-Heizung spendiert nur Fendt das digitale Bedienteil ab Werk, im LMC muss man sich mit dem simpleren, manuellen Regler begnügen oder Aufpreis zahlen. Den besseren unter den Kompressor-Kühlschränken hat wie erwähnt ebenso der Tendenza an Bord, der Videro kann dafür mit dem Kombi-Kochfeld mit Gas und Induktion punkten.
Die Preise: auf Augenhöhe
Mit einem Grundpreis von 34.900 Euro liegt der LMC Videro 510 E rund 1000 Euro über dem Fendt Tendenza 515 SG. Er rechtfertigt das mit der etwas besseren Serienausstattung (Rahmenfenster, Bigfoot-Stützen, Doppelbett-Erweiterung), bleibt im Möbelbau aber wie beschrieben hinter dem Fendt zurück. Mit Komfort-Extras wie Mover, Dachklimaanlage, Markise oder Autark-Paket lässt sich bei beiden der Gesamtpreis deutlich steigern.
