Verdirbt Geld den Charakter des GTI?
Die Modellpflege beschert dem Sport-Kompakten eine renovierte Bedienung und 20 Zusatz-PS, stellt ihn mit stark gestiegenen Preisen aber vor die Charakterfrage.
Verdirbt Geld den Charakter des GTI? Um rund 10.000 Euro ist sein Einstiegspreis seit 2021 emporgeschossen, womit seine Rolle als Volkssportler und damit vielleicht das ganze Konzept infrage steht.
Immerhin bekommt man seit Episode acht mehr für die nun 46.250 Euro. Eine optimierte Vorderachsgeometrie gab der Querdynamik mehr Kontur, die Bremse gewann an Standfestigkeit, trotz Wachstum blieb das Gewicht im Rahmen – so weit, so gut!
Zurück zur Vernunft: Bedienung endlich verbessert
Allerdings wurden die De-facto-Verbesserungen damals von der Intention begleitet, einen neuen Standard in der Bedienergonomie zu setzen – was derart danebenging, dass die Modellpflege nun weithin dazu dient, die Missstände zu korrigieren: Statt über Touchfelder steuert man die Lenkradfunktionen ab sofort wieder per Tasten. Außerdem wurde das fehlerbehaftete Infotainment durch eine umfassende Weiterentwicklung ersetzt, die über stabile Software, einen größeren Bildschirm und eine begradigte Menüstruktur verfügt.
Die Entwicklung im Bereich der Cockpit-Infrastruktur ist jedenfalls weitaus offensichtlicher als die einzig wirklich habhafte: das Leistungsplus von 245 auf 265 PS. Wobei die Nichtigkeit dessen subjektiver Einflussnahme insofern eine gute Nachricht ist, als der Zweiliter-TSI zu denjenigen Motoren gehört, die man un- seretwegen liebend gern unangetastet weiterbauen dürfte: ab Leerlaufdrehzahl hellwach, wuchtig im Durchzug, putzmunter beim Hochdrehen.
DSG statt Handschalter: Verlust an Emotion
Okay, die heißeste Socke ist der GTI noch immer nicht. Und mit der neuen Getriebe-Philosophie unterstreicht VW erneut, dass das auch nie die Absicht war. Seit der Modellpflege ist der bis dato serienmäßige Handschalter Geschichte und der Doppelkuppler Serie, was dem kompakt- sportlichen Grundgedanken ziemlich gegen den Strich geht: emotional, mehrgewichts- und kostentechnisch.
So hängt es buchstäblich an der Sperre, die Fahrspaßfahne hochzuhalten. Seit dem"Achter" serienmäßig, lässt sie die Bridgestones im Kurvenverlauf die Krallen ausfahren. Kein Witz: Sobald Last anliegt, merkt man, wie sich die Front innerlich zusammenreißt, übers Drehmoment eine Spannung in Lenkrichtung aufbaut, sodass man sich quasi am eigenen Schopfe aus der angeborenen Untersteuerneigung zerren kann.
Allrounder mit Tempo-Vorteil
Je nach Gaseinsatz kurvt der GTI damit entweder packend oder souverän, folgt dabei aber stets dem Schema F wie Frontantrieb. Klar, manch(verblichener) Konkurrent machte mehr Feuer unterm Hintern, aber ehrlich gesagt vermiest einem die Allroundqualität die Stimmung nicht. Das Fahrwerk hält, was die Modi versprechen, die Adaptivdämpfer lassen sich per digitalem Schieberegler sogar über die Hauptstufen hinaus absoften beziehungsweise härten; das Cockpit beherrscht GTI-Flair ebenso wie das Verstauen von 1,5-Liter-PET-Flaschen in den Türfächern.Und schlussendlich zeichnet sich – zumindest auf der Uhr – sogar ein fahrdynamischer Vorteil zum Vorfacelift-Modell ab: 21,8 Sekunden auf 200, ganze 13 Zehntel schneller als zuletzt. Schade nur, dass jedes davon umgerechnet 769 Euro kostet.
