Der neue Porsche 935 ist ein Superlativ in jeglicher Hinsicht: streng limitiert auf 77 Exemplare, 700 PS stark und 701.948 Euro teuer – zuzüglich Steuern versteht sich.
Falls Ihnen der Name 935 bekannt vorkommen sollte, liegen Sie gar nicht mal so falsch: Der neue 935 ist eine Reminiszenz an Porsches, unter dem Spitznamen „Moby Dick“ bekannten, LeMans-Rennwagen 935/78 aus dem Jahre 1978.
Bewusst werden unzählige Merkmale aufgenommen und in die Neuzeit interpretiert: die weit unten platzierten Scheinwerfer, die ikonische überwiegend weiße Martini-Lackierung oder die ausladende, überlange Karosserie.
Der neue Pottwal basiert auf dem Über-Elfer GT2 RS und teilt sich dessen 3,8 Liter großen Boxer-Sechser samt Aufladung durch zwei Turbos und die Leistung von 700 PS. Letztere liegt nur knapp unter der des Originals (ca. 750 PS im Rennbetrieb).
Am Heck scheint die Basis noch am ehesten durch, trotzdem wird auch hier eine eindeutige Sprache gesprochen: Der riesige offene Überhang, die versteckten Rückleuchten und der überdimensionale Flügel zieren klar die 78er Vorlage.
Rennwagenfeeling: Spartanischer Innenraum mit gekapptem Lenkrad, digitalem Monitor und einer Mittelkonsole, die nur das allernötigste enthält. Alles was nach Carbon aussieht ist auch Carbon, der hölzerne Schaltknauf erinnert an den Carrera GT.
Glücklich darf sich schätzen, wer hier zugreifen darf. Aus dem 2019er 911 GT3 R geliehen, verfügt das Lenkrad über Knöpfe für Boxenfunk, Pit-Limiter oder Heckflügel-Einstellungen.
Das Display lässt keine Fragen offen: Es informiert neben Gang und Geschwindigkeit über alle erdenklichen Temperaturen, Reifendruck, Bremsbalance und natürlich Rundenzeiten. Die Rundenzeit gibt es links auch nochmal analog, rechts erfährt man den Ladedruck.
Der Heckflügel hat ebenfalls ähnliche Ausmaße wie die Vorlage. In ihn integrierten die Ingenieure zusätzliche Bremsleuchten im Stile des Prototypen 919 Hybrid.
Die Karosserie lässt grüßen: Blankes Carbon wohin das Auge reicht. Der Diffusor lässt sich einstellen, darunter bläst die markante Titanabgasanlage ihre Boxersymphonie.
Sofort merkt man, wie der 700 PS und 750 Nm Drehmoment starke Boxer voranschiebt. Mit 1,4 Tonnen bietet der 935 ihm auch in etwa so viel Widerstand wie ein morschiger Weidezaun einem zornigen Rindvieh.
Noch mehr Bestätigung gefällig: Der Turbomotor beißt mit bis zu 1,55 bar Ladedruck zu und bassbläserbrüllt aus den exaltierten Doppelendrohren auch ohne Probleme die riesige Haupttribüne zusammen.
Herausbeschleunigen. Traktion? An der Antriebsachse: Davon gibt es etwa soviel wie die Produktionsmenge an Spätzle aller baden-württembergischer Haushalte. Also erheblich.
Unter Last kommt es immer wieder zu leichtem Untersteuern, also sie hätten ihn schon noch ein bisschen zuspitzen dürfen, den Wahnsinns-Elfer. Aber nun gut, so muss sich niemand wirklich vor ihm fürchten.
Der 935 ankert vor der nächsten Kurve, die Wadenmuskulatur verhärtet sich. Bremskraftverstärker? Nicht hier. Waagenbalke für die Bremskraftverteilung – ja. Der Porsche bleibt sehr stabil, sehr sicher.
Sieben Runden später ist der Ritt auf dem Pottwal dann leider schon wieder vorbei. Fest steht jedoch, dass dieser Rennwagen ein wahrhaftiges Geschenk an alle Rennsportfans ist.