Unter Stellantis-Regie hat Dodge den Charger neu aufgegleist.
Unter Stellantis-Regie hat Dodge den Charger neu aufgegleist.
Statt mit stereotypischem Hemi-V8 soll das Muscle-Car in der Verbrenner-Version nun mit aufgeladenem Reihensechszylinder an die Tradition anknüpfen.
Ob er trotzdem an seine glorreiche Muscle-Car-Tradition anknüpfen kann, klärt der erste Fahrtest.
Das 5,25-Meter-Schiff ist wahlweise als klassische Limousine (mit Fastback-Heckklappe) oder in der neuen Coupé-Form zu haben.
Analog zum elektrischen Daytona staffelt sich auch der – oder besser gesagt das – Sixpack in zwei Leistungsstufen.
Das von uns gefahrene Scat-Pack (ab 68.068 Euro) schaltet die High-Output-Konfiguration des Hurricane-Aggregats frei.
Dessen auf über 2,0 bar erhöhter Ladedruck bedingt zwar eine reduzierte Verdichtung, die den Drehmomentfluss untenrum etwas hemmt.
In Tateinheit mit Schmiedeteilen schießt er aber ordentlich Leistung zu, mit der sich der Neue deutlich am achtzylindrigen Hemi-Sauger des Vorgängers vorbeischiebt.
Auf dem Papier sowieso, aber auch mit hohem Umsetzungspotenzial, da die 558 PS und höchstens 720 Nm nun erstmals mit einem ...
... serienmäßigen Allradantrieb fusionieren. Die Zahlen dazu: rund drei Zehntel schneller von Null auf Hundert als der einstige 6,4-Liter-V8.
Auf Knopfdruck kappt er die Bindung zur Vorderachse und lädt die gesamte Power auf den 305er-Hinterrädern ab, die dann je nachdem entweder bereitwillig quertreiben ...
... oder beeindruckende Burnouts exerzieren kann – speziell, wenn man die Line-Lock-Funktion dabei die Vorderachse festbremst.
Der neue Antrieb beherrscht die Klischees jedenfalls weitaus besser als es der Schwund an Hubraum und Zylinderzahl im Vorfeld befürchten ließ.
Lenkung, Fahrwerk, Pedalerie: Der Rest jedoch wirkt schlichtweg schlaff.
Die Steuerung des Gaspedals verschleppt die an sich spontanen Motorreaktionen, der Druckpunkt der Bremse hat was von Sofakissen.
Trotz der Konzernverästelung in alle Herren Länder bleicht auch drinnen das amerikanische Lokalkolorit nicht aus.
Im Gegenteil: Die Highback-Sitze umarmen dich wie Big Mama aus Arkansas.
Der Pistolgrip-Wählhebel der Neunstufen-Automatik liegt – Nomen est Omen – wie eine (Plastik)Pistole in der Hand.
Der bullige Vorbau wirkt wie ein Push-Up auf das Innenleben.
Na ja, und dann gehört es halt auch irgendwie zur Automobilkultur des Landes, dass nicht jedes Feature bis in den hintersten Winkel feingewuchtet ist.
Die mal begriffsstutzigen, mal hypersensiblen Feedback-Tasten der Klimabedienung zum Beispiel, ...
... das an sich variantenreiche, hübsch animierte, aber ebenso schwer ablesbare wie kontrastarme Instrumenten-Display, ...
... oder auch das grafisch recht betagt anmutende Infotainment, dessen Bedienwege während der Fahrt kaum zu ergründen sind.
Fazit: Der Dodge Charger Sixpack bietet ein hervorragendes Preis-Motorleistungs-Verhältnis. Allerdings ziehen Lenkung, Fahrwerk und das Handling des bleischweren Dodge da nicht wirklich mit.