Ist diese Bulli-Wasserleiche Teil einer Straftat?
Unter der dicken Schicht aus Muscheln lässt sich nur spärlich roter Lack und die Form eines VW-Bus T4 erahnen. Nach 22 Jahren sieht dieses Fahrzeug wieder Tageslicht und könnte bei einer Strafermittlung noch eine Rolle spielen.
Am 9. Mai 2026 rückten die Feuerwehr und das THW mit schwerem Gerät an den Hohen Sprenzer See zwischen Rostock und Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ziel: die Bergung eines VW-Transporters, der seit 2004 als gestohlen gilt. Damals verlor sich jede Spur, bis 2025 ein anonymer Hinweis verriet, dass dieses Auto auf dem Grund des Sees liegen soll. Ein erster Großeinsatz brachte damals die Gewissheit. Taucher inspizierten den Kleintransporter genau und fanden zumindest keine Personen im Inneren des Wagens. Daraufhin begannen die Ermittlungen. Eine Bergung war Ende 2025 nicht möglich, daher zogen die Behörden den Bus erst jetzt aus dem Wasser.
Polizei prüft Umweltstraftat
Laut der Polizei soll der damalige Besitzer bereits verstorben sein. Ob nach mehr als zwei Jahrzehnten noch ein Verantwortlicher gefunden werden kann, ist derzeit fraglich. Auf Anfrage von auto motor und sport gibt eine Sprecherin des Landeswasserschutzpolizeiamtes Mecklenburg-Vorpommern an, dass aktuell keine weiteren Spurensicherungsmaßnahmen an dem Fahrzeug geplant sind.
Die Staatsanwaltschaft Rostock müsse nun bewerten, ob überhaupt eine strafbare Gewässerverunreinigung nach § 324 StGB vorliegt. Im Zusammenhang mit dem Fahrzeug stellten die Behörden bislang keine zusätzlichen Gewässerverunreinigungen fest. Auch das Umweltamt des Landkreises Rostock begleitete den Fall nach Bekanntwerden engmaschig.
Der T4 als technischer Wendepunkt
Unterdessen sorgt der Fall auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil der VW T4 innerhalb der Bulli-Baureihe als technischer Wendepunkt gilt. Mit der vierten Generation verabschiedete sich Volkswagen 1990 vom jahrzehntelang verwendeten Heckmotor-Konzept der Vorgänger T1 bis T3. Stattdessen setzte der Hersteller auf quer eingebaute Frontmotoren und Frontantrieb.
VW baute den T4 bis 2003 überwiegend im Nutzfahrzeugwerk Hannover. Das Modellangebot reichte vom klassischen Kastenwagen über die Caravelle bis hin zum Multivan und den California-Camperversionen. Auch die Motorenpalette fiel ungewöhnlich breit aus: Sie reichte von einfachen Vierzylinder-Dieseln bis zu leistungsstarken Sechszylinder-Benzinern. Besonders prägend für die Baureihe waren jedoch die Fünfzylinder-TDI-Motoren ab Mitte der 1990er-Jahre. Vor allem die 2,5-Liter-Aggregate gelten bis heute als langlebig und machten den T4 sowohl bei Handwerksbetrieben als auch bei Camper-Umbauten beliebt.
Auf dem Gebrauchtwagenmarkt haben sich gut erhaltene T4 in den vergangenen Jahren zunehmend zu gefragten Youngtimern entwickelt. Besonders gesucht sind frühe California-Camper, Multivan-Versionen sowie Modelle mit leistungsstarken TDI-Motoren oder Syncro-Allradantrieb. Entsprechend ungewöhnlich wirkt der Fund aus Mecklenburg-Vorpommern: Während viele Besitzer ihre Fahrzeuge heute aufwendig restaurieren und pflegen, lag dieses Exemplar offenbar mehr als zwei Jahrzehnte nahezu vergessen auf dem Grund eines Sees.
