HVO100 bald günstiger als klassischer Diesel
HVO100 kostet im Großhandel erstmals weniger als fossiler Diesel. Der Preisvorteil könnte bald bei Autofahrern ankommen – und den bislang teuren Biokraftstoff für Sparfüchse interessanter machen.
HVO100 kostet im deutschen Großhandel erstmals weniger als klassischer Diesel. Das zeigen Berechnungen der Preisberichtsagentur Argus Media, über die Spiegel online berichtet.
Der Preisunterschied entstand während der starken Preissteigerungen infolge der Spannungen im Nahen Osten. Diese Entwicklung verteuerte zwar auch HVO, fossiler Diesel legte jedoch deutlich stärker zu.
Marcel Pott von Argus Media beobachtet den deutschen Markt für Ölprodukte. Seinen Angaben zufolge unterschreitet HVO den Dieselpreis seit Mitte August im Großhandel.
HVO nutzt Pflanzenöle und Abfallstoffe
HVO steht für "Hydrotreated Vegetable Oil", also hydriertes Pflanzenöl. Hersteller gewinnen den Kraftstoff aus Pflanzenölen, tierischen Fetten sowie pflanzlichen und tierischen Abfallstoffen.
Deutschland erlaubt HVO100 seit Mai 2024. Der Kraftstoff enthält keine fossilen Bestandteile und kann je nach Rohstoffbasis die Treibhausgasemissionen deutlich senken.
An Tankstellen kostete HVO100 anfangs deutlich mehr als Diesel. Der Aufschlag lag zeitweise bei mehr als 20 Cent pro Liter.
Der Preisabstand schrumpft
Inzwischen verlangen Tankstellen meist noch vier bis acht Cent mehr für den Biokraftstoff. Vereinzelt verkaufen Anbieter HVO100 bereits zum gleichen Preis oder sogar etwas günstiger als fossilen Diesel.
Die Großhandelspreise erreichen Tankstellen allerdings nicht am selben Tag. Händler passen ihre Preise erfahrungsgemäß mit Verzögerung an. Autofahrer könnten den Preisvorteil deshalb erst in den kommenden Wochen stärker bemerken.
Nachfrage kann den Vorteil wieder schmälern
Ob HVO100 flächendeckend unter dem Dieselpreis bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab. Ein niedrigerer Preis könnte die Nachfrage erhöhen und den Abstand dadurch wieder verringern.
Zusätzliche Risiken entstehen bei den Rohstoffen. Engpässe bei Pflanzenölen, tierischen Fetten oder geeigneten Abfallstoffen könnten HVO erneut verteuern.
Für Sparfüchse eröffnet sich dennoch eine interessante Möglichkeit: HVO100 war an deutschen Tankstellen bislang fast immer die teurere Wahl. Fällt dieser Aufschlag weg, können Autofahrer den Kraftstoff nicht nur aus Klimagründen, sondern auch mit Blick auf die Tankrechnung auswählen.
HVO ist bereits vielerorts erhältlichHVO100 gibt es in Deutschland inzwischen an rund 725 bis 745 öffentlichen Tankstellen an mindestens einer Zapfsäule. Rechnet man Tankstellen mit, die HVO ihren Premium-Dieselsorten wie Aral Ultimate beimischen, steigt die Zahl auf etwa 2.400 Standorte. Damit bietet rund jede sechste Tankstelle ein HVO-haltiges Produkt an – bei insgesamt etwa 14.000 Tankstellen in Deutschland.
Unser verlagseigener Kraftstoffkosten-Vergleich Mehr-Tanken (auf der Website und als App) hilft beim Spritkostensparen. HVO100 ist dort auch als "Klimadiesel 90" bezeichnet.
