Wann sollte man einen Gebrauchtwagen abstoßen?
Sie sind frisch verliebt und ihr Alter soll weg? Nur Geduld, mit dem richtigen Wissen zum Verkauf lassen Sie kein Geld auf der Strecke.
Ganz gleich, ob in unseren Neuwagentests oder den detaillierten Gebrauchtwagenkaufberatungen: Fast immer geben wir wertvolle Tipps, worauf man beim Kauf eines neuen Autos achten sollte. Da geht es zum einen natürlich um Qualität, Fahreigenschaften oder Emotionen, zum anderen aber auch um Wirtschaftlichkeit. Niemand hat Geld zu verschenken, also wird gespart, wo es nur geht. Und beim Verkauf? Hauptsache flott! Hier verbirgt sich ein folgenschwerer Fehler. Deshalb drehen wir heute den Spieß um und zeigen, worauf es ankommt, wenn ein bereits vorhandenes Auto allmählich in die Jahre kommt. Denn hier geht es keineswegs um einen Verkauf nach dem Motto "kurz und schmerzlos", sondern darum, den cleversten Zeitpunkt abzuwarten und dann den größtmöglichen Ertrag zu erzielen – oder gleich gar nicht zu verkaufen. Wer sich auskennt, spart Tausende Euro. Wichtig ist vor allem, seine eigenen Bedürfnisse richtig einzuschätzen. Und wann muss ein Auto wirklich weg? Und wer kauft es dann? Hier sind fünf Punkte, auf die Sie unbedingt achten sollten, wenn Sie darüber nachdenken, das Auto zu wechseln.
Warum überhaupt verkaufen?
Einen Faktor sollten wir ganz zu Anfang beleuchten. Wer einen Autowechsel plant, weil er ganz einfach Lust dazu hat, kann es meist kaum abwarten, den Wechsel zu vollziehen. Wer jedoch nach Bauchgefühl vorgeht, oftmals in Kombination mit dem vielzitierten Satz "der macht‘s nicht mehr lange", irrt fast immer. Und zwar gewaltig! Denn entgegen der landläufigen Vermutung zerfällt ein gut gewartetes Auto nicht zu Staub oder verwandelt sich in einen Kürbis, wenn der Kilometerstand die magische Zahl von 100, 150 oder 200.000 Kilometern erreicht hat. Auch weit mehr ist in vielen Fällen kein Problem. Dazu gleich noch mehr. Fragen wir uns also mal ganz nüchtern und aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten, was überhaupt sinnvolle Gründe für einen Autowechsel mit Verkauf des Alten sein könnten.
- Geänderte Anforderungen
- Hat sich Ihr Fahrprofil signifikant geändert.
- Brauchen Sie mehr oder deutlich weniger Platz.
- Sind für Sie wichtige Umweltzonen mit ihrem Auto nicht mehr erreichbar.
- Sie müssen künftig schwere Anhänger ziehen.
- Fehlende Funktionen
- Sie haben keine Lust mehr auf‘s Schalten und wollen eine Automatik.
- Sie wünschen sich Ausstattungen, die nicht nachrüstbar sind.
- Finanzielle Gründe
- Die Kombination aus Inzahlungnahme und Rabatt übersteigt den eigentlichen Fahrzeugwert.
- Der Restwert ihres jungen Gebrauchten wird sich in nächster Zeit deutlich verschlechtern.
- Eine teure Reparatur steht an, die sich nicht mehr lohnt.
- Das Auto besitzt einen bekannten, chronischen Krisenherd.
Während die Anforderungen ans eigene Auto, sowie der Wunsch nach entsprechenden Ausstattungen recht klar sein dürften, sollten wir die finanziellen Gründe etwas präzisieren. Wer zum Beispiel vom Händler, bei dem das neue Wunschauto steht ein unmoralisch gutes Angebot für seinen Alten bekommt, womöglich sogar gebunden an einen üppigen Rabatt aufs neue Auto, darf gern zuschlagen. Dann ist man Nutznießer günstiger Konditionen auf Händlerseite, vorausgesetzt der entstandene Deal übertrifft den Preis, den man auf dem freien Markt mühelos für seinen Gebrauchten erzielen könnte. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel bei noch recht jungen Gebrauchten ein baldiger Wertabfall ansteht. Das kann speziell bei verkaufsstarken Autos schon daran liegen, dass ein Nachfolgemodell enthüllt wird, oder Sie in nächster Zeit so viele Kilometer ansammeln werden, dass ein teurer großer Service in die Nähe rückt. In Wirklichkeit kommt dieses Szenario allerdings eher selten vor, und geht oftmals mit einem unwiderstehlichen Angebot für das neue Auto einher.
Anstehende Reparaturen sind entweder aufgrund akuter Schäden und Defekte nötig, oder (gerade bei Autos mit niedrigem Wert) es besteht ein gewisses Niveau an Verschleiß, der in nächster Zeit für viel Geld behoben werden müsste. Da geht es zum Beispiel um kostspielige Zahnriemen- oder Kupplungswechsel oder verschlissene Bremsanlagen. Das sind allesamt Maßnahmen, die aufgrund hoher Arbeits- oder Materialkosten mehr als 50 Prozent des Zeitwerts verschlingen können. Ob sich diese Faustregel aber im Einzelfall wirklich rechnet, klären wir im nächsten Absatz.
Wann ist die Reparaturgrenze erreicht?
Orientieren wir uns hier mal an Beispielen. Wir fahren einen der häufig anzutreffenden Kleinwagen um Baujahr 2010, der im Prinzip als solide gilt, aber schon relativ stark abgenutzt ist, und nun mit einer Laufleistung zwischen 150.000 und 200.000 Kilometern vor der Tür steht. Sie erinnern sich, dass der HU-Prüfer beim letzten Mal meinte, dass die Reifen nur noch für eine Saison gut sind, dass das Fahrwerk ein paar Verschleißreparaturen benötigt, und dass auch der Auspuff kurz vor dem Exitus steht. Nun steht (aufgrund der reinen Laufleistung) auch noch ein Zahnriemenwechsel an. Sie überschlagen kurz die Reparaturkosten und erschrecken, dass rund 1.800 bis 2.000 Euro fällig werden dürften, obwohl ihr Wagen laut einer kurzen Onlinerecherche nur noch etwa 4.000 Euro wert ist. Hier läge also ein klassischer Fall für die 50-Prozent-Faustregel vor. Jetzt kommt's drauf an. Wäre der Wagen nach diesen Wartungsarbeiten wieder in einwandfreiem und zuverlässigen Zustand? Würde eine simple Aufbereitung wieder den ursprünglichen Glanz hervorzaubern (so wie's ein Händler auch machen würde)? Dann sollten Ihre Kleinwagen-Bedürfnisse ja wieder vollstens gestillt sein. So günstig kommen Sie mit keiner Neuanschaffung weg. Den Alten zu behalten ist hier sonnenklar lohnenswert.
Doch was wenn auch das durchreparierte Auto weiterhin kosmetische Schäden trägt? Wenn das Interieur unrettbar verschlissen ist? Wenn der Rost schon an vielen Stellen der Karosserie nagt? Dann lohnt die teure Reparatur nicht mehr. Grund: fürs gleiche Geld könnten Sie ein identisches Auto im viel besseren Zustand bekommen. Und für einen geringen Aufpreis gibt es dann verschiedene jüngere Exemplare, die wiederum mehr "Guthaben" besitzen, ehe wieder teure Reparaturen fällig werden. Weg damit! Käufer finden sich übrigens auch in diesen niedrigen Preisbereichen. Das können Exporthändler sein, aber auch Bastler oder Pfennigfuchser, die ihr Auto so lang am Leben halten, bis es wirklich nicht mehr geht. Hier gilt seit Langem das Credo: "100 Euro pro Monat TÜV". Also werden Sie für ein Auto mit frischem TÜV in der Regel immer noch wenigstens 1.000 Euro bekommen. Investieren Sie nochmal ein paar Euro in eine oberflächliche Aufbereitung, oder zumindest das große Paket in der örtlichen Waschstraße – es wird sich um ein Vielfaches durch Preisaufschläge reinholen.
Ein anderes Szenario gilt bei Premiumfahrzeugen, die einst edel und teuer waren. Wenn Audi, BMW oder Mercedes in die Jahre kommen, bleibt ihnen in der Regel immer noch ein gewisser Kultfaktor, und wenn's bloß um die gute Haltbarkeit vieler Modelle geht. Speziell wenn größere Motoren an Bord sind, bieten solche Fahrzeuge auch im Alter noch vorzüglichen Reisekomfort und ganz viel Verwöhnaroma für verhältnismäßig niedrige Wartungskosten. Mal davon abgesehen, dass es moralisch oft einfach zu schade ist, solch feine Autos einfach grob aufzubrauchen, ist es auch finanziell keine gute Entscheidung, sofern der Pflegezustand ansonsten passt. Aus fast jeder deutschen Nobel-Limousine wird nach ein paar Jahrzehnten ein gesuchter Klassiker, wenn sie nicht völlig heruntergeritten ist. Und dafür finden sich immer Käufer. Die Laufleistung spielt dabei keine Rolle. Noch törichter wäre die Rechnung, dass man für den Restwert seines alten Schätzchens ja sogar ein nagelneues Discounter-Auto kaufen könne. Ob das dann länger lebt und dauerhaft seinen Wert länger behält, ist äußerst fraglich.
Bietet ein neues Auto mehr Gegenwert?
Das letzte Argument sollten wir nochmal etwas genauer beleuchten. Denn bevor wir uns in Verkaufsinserate, Durchschnittspreise und Händlerlisten stürzen, zoomen wir mal etwas aus dem Thema heraus. Wir zahlen viel Geld für individuelle Mobilität. Dafür, dass wir nicht mit Bus und Bahn unser Ziel erreichen müssen. Dafür, dass wir zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit auf Reisen gehen können. Dafür, dass wir dabei Familie und Freunde mitnehmen können. Und dafür, dass wir vielleicht auch einfach Freude daran haben. Das gilt gleichermaßen für Liebhaber, die ihr Vehikel schier vergöttern und für Freiheitsliebende, die einfach gut, praktisch und sicher an ihr Ziel kommen möchten. Dabei ist das Auto in vielen Haushalten der zweitgrößte Kostenpunkt gleich nach dem Wohnen. Wer sagt, dass wir alle paar Jahre ein neues Vermögen ausgeben müssen, nur um die gleichen Vorzüge in einem etwas jüngeren Fahrzeug zu genießen? Wo bitte steht geschrieben, dass genau diese absoluten Grundeigenschaften vom jeweils neueren Modell auch objektiv besser erfüllt werden? Gerade in jüngster Vergangenheit, in denen in der Autoindustrie immer wieder Sparzwänge sichtbar werden, sind Nachfolger nicht in jeder Hinsicht besser als ihre Vorgänger. Keine Sorge, wir verteufeln hier keineswegs alle Neuwagen, doch eine kritische Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Vorteilen muss erlaubt sein. Fakt ist, dass Autos mit jeder Generation sauberer werden. Das gilt für Verbrenner mit ihren immer strengeren Abgasnormen ebenso wie für Elektroautos, für deren Akkuproduktion immer weniger Energie und teure Rohstoffe verbraucht werden müssen. Beides sind technisch beeindruckende Leistungen. Aber kann und will sich der Endverbraucher die immer höheren Neuwagenpreise leisten?
Die Frage erstarkt, wenn man betrachtet, dass neue Generationen in vielen Fällen mittlerweile mit einem kleineren Motorenangebot aufwarten, weniger edle (und teure) Materialien im Innenraum verwenden, oder schlicht ganze Funktionsausstattungen eingespart werden. Und dann wären da noch die EU-Verordnungen, die die Neuwagen dazu zwingen, uns mit Warntönen zu maßregeln, wenn sie meinen, wir würden einen Fehler begehen.
Der schlaueste Ablauf des Verkaufs
Bevor wir hier noch in Polemik verfallen, konzentrieren wir uns lieber wieder auf handfeste Ratschläge. Machen Sie nicht den Fehler, ihren Gebrauchten (wenn er denn wirklich weg soll) allzu forsch abzustoßen. Wer sich nur einen einzelnen Samstag Zeit nimmt, den Wagen gründlich reinigt und dann ordentliche Fotos für ein gutes Inserat mit einem aussagekräftigen Text macht, bekommt am Ende viel mehr Geld für sein Auto als ohne diese kleine Mühe. Erfahrene Gebrauchtkäufer bevorzugen gerade bei älteren Autos einen vertrauenerweckenden Privatverkäufer eindeutig gegenüber einem zwielichtigen Händler. Davon gibt es leider viele. Pflegliche Privatverkäufer nicht – der Vorteil (der schon mal einen Tausender wert sein kann) ist also schon mal automatisch auf ihrer Seite, selbst wenn es dann ein paar Tage dauert, ehe das Auto weg und das Geld in Ihrer Hand ist.
Verfällt man in Torschlusspanik, dass einem das neue Auto durch die Lappen gehen könnte, wenn man nicht sofort zuschlägt, kann es sich sogar lohnen, bei der eigenen Bank einen günstigen Kurzzeitkredit anzufragen, wenn der Restwert vom Gebrauchten für den Kauf des Neuen benötigt wird. Ein weiterer Trick: Vereinbaren Sie beim Händler einen Übergabe- und Zahlungstermin in der nächsten Woche, sofern Sie bereits eine Anzahlung hinterlegen können. Und wer es sich leisten kann, verkauft den Gebrauchten einfach einige Zeit nach dem Neuerwerb. Geduld zahlt sich hier in Form von barem Geld aus.
Das passiert mit Steuer und Versicherung bei Überlappung
Okay, angenommen, der Neue steht bereits vor der Tür, während der Gebrauchte noch ein paar Tage in angemeldeter Form auf einen Käufer wartet. Was ist mit Steuer und Versicherung? Die ist schließlich schon bezahlt! Die Antwort ist simpel: Sobald der Gebrauchte um- oder abgemeldet wird, bekommen Finanzamt und Versicherung automatisch die Anweisung, die nun überschüssigen Beiträge auf ihr Konto zu erstatten. Das Beste: Autoversicherungen räumen eine gewisse Zeit ein, in der sich der Schadenfreiheitsrabatt des alten Auto auf das Neue übertragen lässt, selbst wenn es zu einer zeitweisen Überschneidung kommt. Läuft die Neuanschaffung dann für eine Weile auf einem unrabattierten Vertrag, eher (nach Ummeldung) Ihre Prozente übernommen werden, entstehen keine Mehrkosten. Das funktioniert sogar, wenn man die Kfz-Versicherung über Vergleichsportale bucht.
