Lancia Aurelia und Alfa Romeo 1900 gehören in Deutschland zu den ganz seltenen Klassikern.
Lancia Aurelia und Alfa Romeo 1900 gehören in Deutschland zu den ganz seltenen Klassikern.
Dabei haben beide eine große Bedeutung - für ihre Marken und für die Automobilgeschichte, wenn es etwas staatstragender formuliert sein darf.
Der 1900 ist Alfas erste Nachkriegskonstruktion und zudem erstes Großserienauto – eine Familienlimousine mit selbsttragender Karosserie.
Chrom trägt der 1900er nur an seiner Front und an den Stoßstangen.
Der Alfa Romeo 1900 ist der erste Alfa, der am Fließband gefertigt wurde.
Mit 17.243 Exemplaren erreichten Alfa Romeo 1900 Berlina und 1900 Berlina Super nennenswerte Stückzahlen für die noch junge Nachkriegsgeschichte der ehemaligen Rennwagenmanufaktur.
Neuer 1,9-Liter-Vierzylinder mit – Ehrensache für Alfa – zwei obenliegenden Nockenwellen.
Im 1900 Super leistet der Vierzylinder 80 PS bei 4.800/min.
Wohlfühlambiente: Das Platzangebot im Alfa Romeo 1900 ist ordentlich, bei vielen Familienvätern war der 1900 beliebt. Wenn sie das nötige Kleingeld hatten, konnten sie den 1900 im Alltag - und am Wochenende bei Rennen fahren.
Der Alfa 1900 wurde als "la berlina che vince le corse" beworben - als "die Limousine, die Rennen gewinnt".
Der Alfa Romeo 1900 Super Jahrgang 54 verfügt bereits über drei Rundinstrumente.
Zugschalter mit leicht vergilbten Knöpfen für Licht und Choke vor Chromblende.
Ein Zeichen für Sportlichkeit: Stehende Pedale für schmale Füße.
Mit dem Alfa 1900 habe sich der Autobauer aus dem Mailänder Stadtteil Portello nach dem Zweiten Weltkrieg vom Edelproduzenten sündhaft teurer Einzelanfertigungen zum Massenhersteller gewandelt.
Für die Passagiere im Fond gibt es statt ausgeformter Sitze zwei dicke Kordeln, an denen sie sich bei sportlicherer Gangart festhalten können.
Die sportlichen Talente der beiden Limousinen spürt man sofort.
Auffallend große Fensterflächen bestimmen die Linie der Lancia Aurelia.
Ganz eindeutig ein Produkt aus der Feder Pininfarinas: Die Lancia Aurelia kam im gleichen Jahr wie der Alfa Romeo 1900 auf den Markt.
Doch der Lancia ist ungleich engagierter konstruiert worden - und trumpft mit zahlreichen Neuerungen auf.
Schon wenn man die Türen öffnet, erkennt man die Exklusivität des Lancia durch die fehlende B-Säule.
Zwei durchgehende Sitzbänke und hinten angeschlagene Fondtüren.
Das Cockpit ist recht gut ausgestattet. Man beachte den schmalen Kardantunnel.
Ebenfalls drei Rundinstrumente - mit vier Anzeigen - und Lenkradschaltung in der Aurelia.
Obendrein gibt es ein Radio und eine Anzeige für die Wassertemperatur, die mittig auf dem Armaturenbrett thront.
Die Lancia Aurelia besitzt ebenfalls stehende Pedale.
Der erste Serien-V6 der Welt kommt von Lancia und leistet in der Aurelia 56 PS.
Die Lancia Aurelia kommt mit einem modernen Fahrwerk - und ist ihrer Zeit um Jahre voraus: Transaxle-Bauweise, Einzelradaufhängung rundum, Schraubenfedern in ölgefüllten Gehäusen und die erste Schräglenker-Hinterachse der Automobilgeschichte.
Fazit von Michael Schröder: "Die Leichtigkeit, mit der beide Italo-Klassiker sich heute noch bewegen lassen, überrascht, ebenso deren 50er-Jahre-Charme. Dass diese auf den ersten Blick unscheinbaren Limousinen einst ernsthafte Sportwagen waren, ...
... spricht ebenfalls für sie. Optisch und vom Charakter her wäre der Alfa meine Wahl, wohingegen die Aurelia mich durch ihre eigenwillige Technik begeistert."
Alfa Romeo baute von dem 1900 als Berlina und Berlina Super zwischen 1950 und 1954 insgesamt 17.243 Exemplare.
Lancia fertigte von der Aurelia B10-Limousine zwischen 1950 und 1952 nur 4.938 Einheiten.