„Das Fahrverhalten eines Peugeot muss besonders sein“
Alain Favey ist seit 2025 CEO von Peugeot und sprach mit uns über Lenkräder, das Marken-Image und eine mögliche Rückkehr des RCZ.
Wo sehen Sie Peugeot im Kontext der anderen Stellantis-Marken?
Unsere Positionierung ist "Upper Mainstream". Unter den europäischen Marken im Konzern haben wir als Volumenmarke eine klare Rolle, die sich nicht mit anderen Marken überschneidet.
Was macht diese Rolle aus?
Sie beruht auf den "Driving Sensations", den Fahreindrücken, und auf Technologie. Innovation ist ein Treiber für uns und soll es auch bleiben – als Nächstes mit dem Hypersquare-Lenkrad und Steer-by-Wire im B-Segment (siehe Fotoshow über dem Artikel). Und natürlich auch das Design, das wir als ein zentrales Merkmal der Marke sehen. Wir wollen ein spezifisches Design haben, das vielleicht gar nicht jedem gefällt. Schließlich noch das Thema Qualität: Wir wollen zeigen, dass wir Topqualität anbieten und dass wir langlebige Autos bauen.
Wie stellen Sie sicher, dass Sie bei einem Modell das selbst gesteckte Qualitätsniveau erreichen?
Wir arbeiten hart an Technologie und Zuverlässigkeit, und wir haben die Qualitätskontrollen intensiviert, damit wir alle Auffälligkeiten rechtzeitig entdecken. Es ist klar, dass Peugeot ohne Qualität sein Markenversprechen nicht erfüllen kann. Deswegen ist sie für uns der Schlüssel zu allem.
Wie schaffen Sie es, mit Konzernbauteilen ein Fahrerlebnis und eine Performance zu erzeugen, die zur Marke passen?
Das Fahrverhalten eines Peugeot muss etwas Besonderes sein. Unsere Ingenieure arbeiten Tag und Nacht an dem, was die Marke Peugeot ausmacht und was unsere Kunden von uns erwarten. Unsere Experten sind in der Lage, genau zu definieren, wie ein Peugeot fahren soll oder eben nicht. Und es ist für uns wichtig, das gerade im Testzentrum von Belchamp zu tun, weil hier das Herz von Peugeot schlägt.
Ist es eine besondere Herausforderung, bei steigendem Kosten- und Wettbewerbsdruck die Marken-Identität zu erhalten und zu schärfen?
Wir nutzen eine Konzernplattform, das ist natürlich ein Vorteil für uns. Peugeot allein hätte nicht die gleiche Kostenbasis und das Volumen wie Stellantis. Aber die Plattform erlaubt auch eine gewisse Freiheit für jede Marke. Das sehen Sie im Innenraum an unserem i-Cockpit. Es war eine bewusste Entscheidung, das Interieur so zu gestalten, weil wir das als Teil unserer Marken-Identität betrachten. Und unsere Kunden mögen diese Sitzposition und das kleinere Lenkrad, sie erwarten das jetzt von uns.
Sie entwickeln das Cockpit-Konzept im neuen 208 mit dem eckigen Hypersquare-Lenkrad weiter.
Wir hätten auch wieder ein rundes Lenkrad machen können, aber das ist eben unser Spirit. Etwas Neues zu erforschen, auch in Sachen Fahrerposition, ist schon sehr interessant. Und ich glaube, wir treffen damit wieder einen Nerv: ein neuartiges Fahrerlebnis zu ermöglichen und gleichzeitig auch etwas, das das Autofahren erleichtert.
Die Akzeptanz dieses Features kann über Erfolg und Misserfolg einer Baureihe entscheiden.
Wir erleichtern den Übergang dadurch, dass es auch weiterhin ein herkömmliches Lenkrad geben wird. Obwohl wir wirklich absolut davon überzeugt sind, dass das die Lenkung der Zukunft ist. Nicht nur bei uns, sondern generell in der ganzen Industrie. Das ist nur eine Frage der Zeit.
Wird der aktuelle 208 noch eine Zeit lang parallel weitergebaut?
Ja – das machen wir für diejenigen unter unseren Kunden, die bewusst keine neue Technologie suchen, sondern ein einfaches, bewährtes und preiswertes Auto wollen. Für sie werden wir das bisherige Modell weiter anbieten. Das ist sehr wichtig, weil wir wissen, dass es eine Zeit lang dauern wird, bis der Markt zu 100 Prozent elektrisch wird. Aber es ist klar: Verbrennermodelle im B-Segment wird es nicht ewig geben. Darum erscheint es uns auch logisch, in ein neues Modell zu investieren, das State of the Art sein wird im zukunftsträchtigen Markt der BEV im B-Segment. Und für den anderen Teil des Marktes, der irgendwann verschwinden wird, haben wir ein Auto auf einer bekannten und kostengünstigen Basis.
Gibt es ein Modell oder Konzept, das Sie gerne realisieren würden?
Etwas, das ich sehr gerne hätte, wäre eine Art Halo-Modell. Dass wir den E-208 GTI wieder einführen, ist sicher ein guter Weg, und wir werden weiter daran arbeiten, dass wir auch andere Modelle wieder bringen können. Das wäre mein großer Wunsch.
Einen elektrischen RCZ vielleicht?
Vieles ist denkbar, und als Markenchef träume ich von vielen Dingen. Wir müssen diese Träume aber auch in etwas umsetzen können, das wirtschaftlich tragfähig ist. Daran arbeiten wir im Moment.
