Das kann der Challenger 3
Insgesamt sollen 148 Challenger 2 zum Challenger 3 umgebaut werden.
Großbritannien bereitet den Wechsel auf einen neuen Kampfpanzer vor. Der Challenger 3 soll den Challenger 2 ablösen und nach derzeitiger Planung ab 2027 schrittweise bei der British Army eingeführt werden. Noch befindet sich der Panzer in der Erprobung.
Inzwischen hat der Challenger 3 unter anderem erste bemannte Schießtests mit seiner neuen 120-mm-Glattrohrkanone sowie umfangreiche Fahrversuche absolviert. Weitere Tests laufen, bevor die Serienfertigung beginnen kann. Acht Testfahrzeuge wurden dafür gebaut.
Beim Challenger 3 handelt es sich nicht um eine komplette Neuentwicklung. Rheinmetall BAE Systems Land, kurz RBSL, baut vorhandene Challenger 2 umfassend um. Großbritannien bestellte 2021 insgesamt 148 Fahrzeuge für rund 800 Millionen Pfund. Wesentliche Teile der Wanne werden weiterverwendet, während Turm, Bewaffnung, Elektronik und Schutzsysteme umfangreich verändert werden.
Neuer Turm mit Glattrohrkanone
Eine der größten Änderungen betrifft die Hauptbewaffnung. Der Challenger 2 verwendet die britische gezogene 120-mm-Kanone L30A1. Im Challenger 3 wird sie durch die 120-mm-Glattrohrkanone L55A1 von Rheinmetall ersetzt. Damit kann Großbritannien moderne NATO-kompatible 120-mm-Munition einsetzen. Dazu gehören kinetische Pfeilgeschosse gegen stark gepanzerte Ziele sowie programmierbare Mehrzweckmunition. Ende 2025 fanden erstmals bemannte Schießversuche mit dem neuen Waffensystem statt.
Der Challenger 3 behält eine vierköpfige Besatzung. Fahrer, Kommandant, Richtschütze und Ladeschütze bleiben an Bord. Einen Ladeautomaten bekommt der britische Kampfpanzer nicht.
Elektronik wird vollständig erneuert
Mit dem neuen Turm hält auch eine moderne Feuerleit- und Beobachtungstechnik Einzug. Kommandant und Richtschütze erhalten neue Tag- und Nachtsichtgeräte sowie Wärmebildsysteme. Hinzu kommt eine automatische Zielverfolgung. Auch für den Fahrer sind Kameras und Wärmebildtechnik vorgesehen.
Grundlegend verändert wird zudem die elektronische Architektur. Der Challenger 3 erhält eine offene Generic Vehicle Architecture. Sensoren, Kommunikationsgeräte und andere elektronische Systeme sollen sich dadurch später leichter ergänzen oder austauschen lassen. Die British Army bezeichnet den Challenger 3 als ihren ersten vollständig digital ausgelegten Kampfpanzer (zum Kampfpanzer-Vergleich).
Trophy ergänzt die eigentliche Panzerung
Beim Schutz setzt Großbritannien auf eine Kombination aus neuer Panzerung und aktiven Systemen. Für den Challenger 3 wurde ein modulares Panzerungssystem entwickelt. Einzelne Elemente können dadurch ausgetauscht und bei späteren Modernisierungen durch weiterentwickelte Module ersetzt werden.
Zusätzlich soll Trophy zum Einsatz kommen. Das aktive Schutzsystem erkennt mit Radarsensoren anfliegende Bedrohungen wie Panzerabwehrraketen und Lenkflugkörper. Eine Gegenmaßnahme soll die Geschosse bekämpfen, bevor sie den Panzer treffen. Ergänzt wird die Ausstattung durch ein Laserwarnsystem, das die Besatzung beispielsweise vor einer Erfassung durch Laserentfernungsmesser oder laserbasierte Zielsysteme warnen kann.
Beim Antrieb bleibt vieles vom Challenger 2 erhalten
Weniger umfangreich fallen die Änderungen am Antrieb aus. Vorgesehen sind ein überarbeiteter Dieselmotor, eine verbesserte Kühlung und eine Hydrogas-Federung der dritten Generation. Eine vollständig neue Antriebseinheit gehört nicht zum Programm. Die British Army gibt eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60 km/h an. Frühere technische Unterlagen von RBSL nennen ein Gewicht von rund 66 Tonnen.
Die Mobilität wird ebenfalls praktisch erprobt. Bei einer Testreihe legte ein Challenger 3 insgesamt 789 Kilometer auf Straßen und im Gelände zurück. Dabei wurden unter anderem Vibrationen, Geräuschentwicklung sowie die Belastungen für Besatzung, Fahrzeug und Munition untersucht.
Einige technische Angaben zum Challenger 3 sind noch nicht endgültig veröffentlicht. Das betrifft insbesondere die Motorleistung, Reichweite und weitere Daten der späteren Serienkonfiguration.
Serienfertigung soll nach den Tests beginnen
Die acht vorhandenen Fahrzeuge dienen der Erprobung von Bewaffnung, Fahrwerk, Elektronik und Schutzsystemen. Erste Mobilitäts- und Schießversuche sind abgeschlossen, weitere Tests laufen. Erst danach soll der Umbau der für die Truppe bestimmten Fahrzeuge beginnen.
Als Ziel für die erste Einsatzbereitschaft gelten weiterhin 18 Challenger 3 im Jahr 2027. Ob dieser Termin gehalten werden kann, ist jedoch offen. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte im Juni 2026 Probleme in der Lieferkette und überprüft deshalb den Zeitplan für die erste sowie die vollständige Einsatzbereitschaft. Ein neuer verbindlicher Termin wurde bisher nicht genannt.
