Mit V8-Sound, Schaltrucken und „Sitz-Shaker“
Die Topversion, der GT 63, hat drei Axial-Fluss-Motoren, die maximal 860 kW (1.169 PS) zur Verfügung stellen.
Mercedes-AMG erweitert seine elektrische GT-Baureihe um einen SUV mit drei Antriebsvarianten und bis zu 860 kW (1.169 PS) Leistung. Wie viel Sportwagen in der rund fünf Meter langen Karosserie steckt und welche Rolle dabei der Komfort im Fond spielt, zeigt der Blick auf Technik und Ausstattung.
Es ist nur wenige Monate her, dass der Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé in Los Angeles seine Weltpremiere feierte. Jetzt stellen die Affalterbacher dem vollelektrischen Modell einen SUV zur Seite. Der Mercedes-AMG GT SUV ist knapp 5,10 Meter lang und soll laut Hersteller Sportlichkeit und Komfort miteinander verbinden. Die technische Basis bildet die AMG.EA-Architektur. Der SUV ist nach dem GT 4-Türer Coupé das zweite Serienmodell auf dieser Basis und zugleich der erste eigenständig von AMG entwickelte Full-Size-SUV.
Die Sportlichkeit steckt schon im Design
Der Mercedes-AMG GT SUV ist als Performance-SUV ausgelegt. Dafür kombiniert er eine steile Front mit einem langen Radstand, einer breiten Spur und kurzen Überhängen. Die flach abfallende Dachlinie verleiht der Optik eine gewisse Dynamik. Ausgestellte Kotflügel, große Räder, Powerdomes und ausgeprägte hintere Schultern machen den Elektro-AMG optisch zum Kraftpaket.
Die flache Frontscheibe, rahmenlosen Seitenscheiben und kleine Außenspiegel prägen die Seitenansicht und sind für SUVs eher untypisch. Trotz hoher Schulterlinie und tiefer Sitzposition verspricht Mercedes-AMG eine gute Rundumsicht und einen alltagstauglichen Einstieg.
An der Front sitzt die AMG-typische Kühlerverkleidung mit vertikalen Streben. Sie kann ebenso wie der zentral platzierte Mercedes-Stern beleuchtet werden. Die Scheinwerfer greifen das Sternmotiv auf. Am Heck sitzen sechs kreisrunde Rückleuchten in Turbinen-Optik, die bereits vom viertürigen Coupé bekannt sind. Ein Leuchtenband ist im Lichtpaket optional erhältlich.
Die Modellvarianten GT 63 und GT 55 sind jeweils 5.084 Millimeter lang, 2.001 Millimeter breit und 1.656 Millimeter hoch. Der GT 53 fällt mit 5.080 Millimetern Länge und 1.653 Millimetern Höhe etwas kleiner aus. Der Radstand beträgt bei allen drei Varianten 3.040 Millimeter.
Aktive Aerodynamik
Die Versionen GT 63 und GT 55 verfügen über aktive Aerokinetics-Elemente. Der Dachspoiler ist bei niedrigen Geschwindigkeiten in die Karosserie integriert. Ab 150 km/h verändert er automatisch seine Position. Dabei berücksichtigt das System unter anderem Geschwindigkeit, Beschleunigung und Fahrdynamik. Bei schneller Kurvenfahrt stellt sich der Spoiler steiler auf. So soll er für mehr Stabilität und Traktion sorgen.
Auch das Aerokinetics-Airpanel arbeitet automatisch. Vertikale Lamellen in der Frontschürze regeln den Kühlluftstrom. Solange keine zusätzliche Kühlung notwendig ist, bleiben sie geschlossen.
Tiefe Sitzposition und AMG Race Engineer
Die Aufteilung des Innenraums folgt einer Zweiteilung: Im vorderen Bereich sitzt der Fahrer tief und stärker in das Auto integriert als in einem klassischen SUV. Im Fond soll dagegen der Komfort im Vordergrund stehen.
Das 14,0-Zoll-Multimedia-Display ist zum Fahrer geneigt und bildet mit dem 10,2-Zoll-Kombiinstrument eine Einheit. Für den Beifahrer gibt es ein separates 14-Zoll-Display. Bei den Versionen GT 63 und GT 55 sitzt in der Mittelkonsole die AMG Race Engineer Control-Unit. Über drei Drehsteller lassen sich Ansprechverhalten, Kurvenverhalten und Schlupf anpassen. Das AMG Performance-Lenkrad bietet über integrierte Tasten Zugriff auf verschiedene Fahrfunktionen. Die Rekuperation lässt sich über Schaltpaddles steuern. Optional sind AMG Performance-Sitze mit integrierten Kopfstützen erhältlich.
Panoramadach mit Lichtinszenierung
Im Fond gibt es eine Dreiersitzbank. Die Rücksitzlehnen lassen sich umklappen, die Kopfstützen elektrisch nach hinten klappen. Das Kofferraumvolumen beträgt 607 Liter bei aufgestellten Rücksitzen und 1.740 Liter bei umgelegten Lehnen. Unter der vorderen Haube stehen weitere 111 Liter Stauraum im sogenannten Frunk zur Verfügung.
Das Panorama-Glasdach "Sky Control" kann transparent oder blickdicht geschaltet werden und ist wärmedämmend ausgeführt. Optional lässt sich eine AMG-Lichtinszenierung integrieren. Die Ambientebeleuchtung zieht sich als Leuchtband durch den Innenraum.
Die neue MBUX-Generation basiert auf dem Mercedes-Benz Operating System MB.OS. Zum System gehören unter anderem das AMG Performance Menu, AMG Set-up und AMG Track Pace. Außerdem sind die KI-Dienste ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini in den MBUX Virtual Assistant integriert.
Sieben Fahrmodi für alle Fälle
Das Fahrprogramm AMGForce Sport+ soll im GT SUV eine Verbrenner-Atmosphäre erzeugen. Im GT 63 und GT 55 wird der Klang eines AMG-V8-Motors simuliert, im GT 53 der eines AMG-Sechszylinders. Dazu kommen simulierte Schaltvorgänge, ein angepasstes Display-Design und "Sitz-Shaker".
Insgesamt stehen sieben AMG-Dynamic-Select-Fahrprogramme zur Verfügung: Comfort, Sport, AMGFORCE Sport+, Race, Glätte, Eco und Individual. Sie verändern unter anderem die Leistungsabgabe, die Fahrwerksabstimmung, die Kraftverteilung und das Ansprechverhalten. Im Race-Modus gibt es unter anderem Launch Control, Drag Race, Track Race und einen Drift-Modus. Das Programm Glätte ist für nasse oder rutschige Fahrbahnen ausgelegt. Im Eco-Modus werden Leistung, Drehmoment und Höchstgeschwindigkeit zugunsten der Energieeffizienz gedrosselt.
Mit AMG Track Pace kann der GT SUV mehr als 80 fahrzeugspezifische Daten zehnmal pro Sekunde erfassen. Dazu gehören unter anderem Runden- und Sektorzeiten, Beschleunigungswerte sowie Telemetriedaten. Zahlreiche Rennstrecken sind bereits hinterlegt.
Extra Fahrwerksstabilisierung und Hinterachslenkung
Beim Fahrwerk setzt AMG auf das neu entwickelte Active-Ride-Control-Plus-System. Es kombiniert Luftfedern mit einer aktiven Nick- und Wankstabilisierung. Beim GT 63 gehört das System zur Serienausstattung, beim GT 55 ist es optional erhältlich. Anstelle klassischer Stabilisatoren übernehmen aktive Hydraulikelemente die Kontrolle über die Karosseriebewegungen. Sie begrenzen das Wanken in Kurven und reduzieren das Eintauchen der Front beim Bremsen. Beim Beschleunigen verhindern sie, dass sich die Fahrzeugfront stark anhebt.
Eine zentrale Pumpe und geregelte Ventile stellen dafür den nötigen Druck bereit. Je nach Fahrprogramm verändert sich die Wankabstützung. Dreifach schaltbare Luftfedern und ein 8,2-Liter-Druckspeicher ergänzen das System. Bei einseitigen Unebenheiten soll die hydraulische Regelung außerdem den Komfort verbessern.
Zur Serienausstattung gehört eine aktive Hinterachslenkung. Bis zu 80 km/h lenken die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern. Das verkleinert den Wendekreis und soll das Einlenken erleichtern. Bei höherem Tempo lenken die Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder. Das erhöht die Stabilität.
Alle drei Varianten nutzen den vollvariablen Allradantrieb AMG Performance 4Matic+. Beim GT 63 und GT 55 verteilt Torque Vectoring die Kraft zusätzlich zwischen den beiden Hinterrädern. Die Drehmomentverteilung kann sich je nach Fahrsituation laufend verändern. Unter bestimmten Bedingungen fährt der SUV mit Heckantrieb, bei Bedarf wird die Vorderachse zugeschaltet.
Beim GT 53 und GT 55 sind Stahlbremsen serienmäßig. Für den GT 55 gibt es optional eine Carbon-Keramik-Bremsanlage. Im GT 63 gehört sie zur Serienausstattung.
Drei Axial-Fluss-Motoren
Der Mercedes-AMG GT SUV ist in drei Varianten erhältlich. Den Einstieg bildet der GT 53. Zwei permanenterregte Synchronmotoren – einer an der Vorder-, einer an der Hinterachse – leisten zusammen 400 kW (544 PS) und entwickeln ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmetern. Mit dem Driver’s Package erreicht der GT 53 eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Den Sprint von null auf 100 km/h absolviert er in 4,2 Sekunden.
Der vordere Synchronmotor übernimmt die Rolle des Boostermotors. Er wird zugeschaltet, wenn zusätzliche Leistung oder Traktion benötigt wird. Bei geringer Last entkoppelt ihn das System, um Schleppverluste zu reduzieren. Der hintere Motor ist mit einem Zweiganggetriebe verbunden. Der kurze erste Gang unterstützt die Beschleunigung aus dem Stand und im Stadtverkehr. Der zweite Gang ist auf höhere Geschwindigkeiten und niedrige Drehzahlen auf längeren Strecken ausgelegt.
Im GT 55 arbeiten drei Axial-Fluss-Motoren. Zusammen leisten sie 600 kW (816 PS) und entwickeln maximal 1.860 Newtonmeter. Mit dem Driver’s Package erreicht der GT 55 eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Den Sprint von null auf 100 km/h absolviert er in 3,1 Sekunden.
Das Topmodell ist der GT 63. Seine drei Axial-Fluss-Motoren leisten zusammen maximal 860 kW (1.169 PS) und stellen bis zu 2.000 Newtonmeter bereit. Der GT 63 beschleunigt in 2,7 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt mit Driver’s Package ebenfalls bei 270 km/h.
Beim GT 63 und GT 55 sind die beiden hinteren Axial-Fluss-Motoren in einer gemeinsamen "High Performance Electric Drive Unit" zusammengefasst. Hinzu kommt ein Eingangs-Planetenradgetriebe. Motoren und Getriebe werden mit Öl gekühlt. Die vordere Antriebseinheit besteht aus einem einzelnen Axial-Fluss-Motor, einem Stirnradgetriebe mit integrierter Parksperre und einem flüssigkeitsgekühlten Siliziumkarbid-Inverter.
Die Dauerleistung liegt beim GT 55 und GT 63 bei 530 kW (721 PS). Beim GT 53 sind dauerhaft 270 kW (367 PS) abrufbar. Die maximale Boost-Leistung kann beim GT 63 laut Mercedes-AMG 63 Sekunden, beim GT 55 55 Sekunden und beim GT 53 53 Sekunden genutzt werden.
High Performance Electric Battery
Die Hochvolt-Batterie basiert laut Mercedes-AMG auf einem Technologiekonzept, das von der Formel 1 inspiriert ist. Für den GT 63 und GT 55 gibt es zwei Varianten mit 106 kWh oder 128 kWh nutzbarer Kapazität. Die kleinere Batterie besteht aus 18 Modulen, die größere aus 22 Modulen. Der GT 53 erhält ausschließlich die 106-kWh-Batterie. Die Nennspannung beträgt bei allen Varianten 800 Volt.
Ein wichtiger Bestandteil der Batterie sind die direkt gekühlten Rundzellen. Dabei umströmt ein elektrisch nicht leitendes Öl jede einzelne Zelle. Das soll für eine gleichmäßige Temperaturverteilung sorgen und auch bei wiederholter Belastung eine konstante Leistungsabgabe ermöglichen. Für die Kühlung der Batterie und der übrigen Antriebskomponenten ist der sogenannte "Central Coolant Hub" zuständig. Das System kann je nach Bedarf mehrere Komponenten gleichzeitig kühlen oder die Kühlleistung gezielt auf einzelne Bauteile verteilen. Das ist beispielsweise dann möglich, wenn die Batterie bereits im optimalen Temperaturbereich liegt, während die Elektromotoren oder die Leistungselektronik zusätzliche Kühlung benötigen.
Mit der 106-kWh-Batterie erreicht der GT 63 und GT 55 eine WLTP-Reichweite von 525 bis 585 Kilometern. Mit der 128-kWh-Batterie sind es 620 bis 700 Kilometer. Der GT 53 kommt mit seiner 106-kWh-Batterie auf 597 bis 668 Kilometer nach WLTP.
Beim DC-Laden sind je nach Batterievariante bis zu 600 kW oder 710 kW möglich. Die kleinere Batterie kann mit bis zu 600 kW laden, die größere mit bis zu 710 kW. Beim GT 53 liegt die maximale Ladeleistung ebenfalls bei 600 kW. Von zehn auf 80 Prozent soll der Ladevorgang mit der 106-kWh-Batterie elf Minuten dauern. Mit der 128-kWh-Batterie sind es zwölf Minuten.
In zehn Minuten lassen sich beim GT 63 und GT 55 laut Datenblatt bis zu 386 Kilometer WLTP-Reichweite mit der 106-kWh-Batterie nachladen. Mit der 128-kWh-Batterie sind es bis zu 454 Kilometer. Steht keine 800-Volt-Ladesäule zur Verfügung, kann der AMG GT SUV auch an einer 400-Volt-Infrastruktur geladen werden. Das System wechselt automatisch zwischen dem 800- und dem 400-Volt-Modus. Die maximale AC-Ladeleistung beträgt 11 kW.
Marktstart und Preise
Der Mercedes-AMG GT 53 SUV ist ab dem 20. Oktober 2026 bestellbar. Der Preis beginnt in Deutschland bei 113.050 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die beiden stärkeren Varianten folgen im Frühjahr 2027. Einen Preis für den GT 55 und den GT 63 nennt Mercedes-AMG bislang nicht.
