Der erste Prototyp für die Rennstrecke
Nach fast 20 Jahren Abwesenheit kehrt die britische Sportwagenmarke Marcos mit einem neuen Supersportwagen zurück. Das Project Mosquito fokussiert sich zunächst nur auf die Rennstrecke.
Es gibt Marken, die nie so richtig aus dem Bewusstsein verschwinden, auch wenn sie lange Zeit nichts von sich hören lassen. Und dann gibt es da die, die man fast schon vergessen hat – wie Marcos. Wer hätte gedacht, dass die britische Sportwagenmarke, die seit fast zwei Jahrzehnten in der Versenkung verschwunden ist, wieder zurückkommt? Doch genau das ist jetzt der Fall: Auf die erste Ankündigung des Comebacks folgen nun konkretere Pläne. Die Marcos Motor Company möchte künftig neue Fahrzeuge bauen und gleichzeitig die alten Modelle, die längst Kultstatus erreicht haben, weiterhin erhalten. Inzwischen hat eines der Projekte einen Namen: "Project Mosquito".
Dabei handelt es sich um eine Hommage an den klassischen Mini Marcos. Die Silhouette soll wiederzuerkennen sein, doch die technische Plattform wird modernisiert. Der Mosquito ist als reines Tracktool ausgelegt und soll nach Motorsport-Standards homologiert werden. Mit einem Gewicht von unter 700 Kilogramm und einer Leistung von über 300 PS folgt das Konzept konsequent der Leichtbau-Philosophie der Marke. Eine Straßenzulassung ist nicht vorgesehen.
Ein weiteres Unterfangen beschreibt ein gänzlich neues Fahrzeug für die Straße und die Rennstrecke. Marcos hat bereits ein komplettes Chassis gebaut, das sich gerade in der weiteren Evaluierung befindet. Dabei handelt es sich um einen leichten Mittelmotor-Sportwagen, für den rund 250 PS bei etwa 635 Kilogramm angepeilt werden. Ein fahrbares Chassis existiert bereits. Das Fahrzeug basiert nicht auf früheren Marcos-Modellen, soll jedoch dem Markenkern aus Leichtbau, Einfachheit und direktem Fahrverhalten treu bleiben.
Der Service für die bisherigen Modelle soll weiter bestehen
Außerdem möchte das Unternehmen den bestehenden Kunden ihr Marcos Heritage Spares-Angebot für Originalteile, Service, Wartung und Reparaturen anbieten. Um wirklich jedem Wunsch gerecht zu werden, kündigt der britische Hersteller Performance-Upgrades und Tuning-Pakete an. "Wir wollen diesem ursprünglichen Ethos treu bleiben und gleichzeitig nach vorne schauen – Marcos für ein neues, jüngeres Publikum erlebbar machen und die Marke für diejenigen zurückbringen, die mit ihr aufgewachsen sind", sagt Eigentümer und Vorstandsvorsitzender Howard Nash. Das Unternehmen beschäftigt aktuell rund 46 Mitarbeiter und stellt sich damit breiter auf als bei früheren Neustartversuchen.
Vom Pionier zum Insolvenzszenario
Marcos, gegründet 1959 von Rennfahrer Jeremy Marsh und Luftfahrtingenieur Frank Costin, gehörte zu den innovativen Marken im britischen Sportwagenbau. Schon in den frühen Jahren setzte Marcos auf unkonventionelle Techniken. Statt schwere Stahlrahmen zu verwenden, nutzten sie Sperrholzchassis und glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK). Mit dem Mini Marcos startete man 1965 in die Produktion eines ersten Serienmodells, das auf der Technik des Mini von Austin basierte.
In den 1960er- und 1970er-Jahren brachte Marcos eine Reihe von erfolgreichen Modellen auf den Markt, darunter den Marcos Mantis und die Marcos Mantara-Serie. Besonders auf der Rennstrecke konnte die Marke immer wieder auf sich aufmerksam machen. Der Mantis fuhr etwa in der britischen GT-Serie und bei internationalen Rallyes.
Die Erfolge und die Pleiten
Trotz seines ungewöhnlichen Designs und der starken Motorsport-DNA hatte der Hersteller immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen. 1971 musste das Unternehmen erstmals Insolvenz anmelden. Doch die Geschichte der Marke sollte noch nicht zu Ende sein. Jeremy Marsh kaufte die Rechte an der Firma zurück, und 1981 brachte Marcos wieder neue Modelle auf den Markt. Etwa das V6 Coupé als Kit zum selbst zusammenbauen. Die sogenannten Kit Cars waren damals erheblich günstiger als fertig zusammengebaute Autos – wer viel Zeit und Spaß am Schrauben oder wenig Geld hatte, der kaufte sich ein Kit Car.
Im Low-Budget-Segment zu Hause, war Marcos nicht immun gegen die Finanzkrisen, die den britischen Automobilmarkt in den 1990er-Jahren erschütterten. 2000 meldete das Unternehmen erneut Konkurs an. Zwei Jahre später folgte ein weiterer Wiederbelebungsversuch, doch auch dieses Unterfangen scheiterte. 2007 kam das endgültige Aus.
Warum ging Marcos pleite?
Der Niedergang der Marke lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Einer davon war die ständige Finanznot und die Unfähigkeit, eine stabile Produktionsbasis zu schaffen. Viele der Modelle wurden als Bausätze verkauft, was einer breiten Marktpräsenz im Weg stand. Zudem erlebte Marcos in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren einen starken Wettbewerb durch etablierte Marken wie Lotus, TVR und andere britische Spezialisten, die mit eigenen Leichtbau-Sportwagen einen ähnlichen Markt bedienten. Marcos konnte nie die notwendige Finanzierung aufbringen, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben und seine Fahrzeuge in größeren Stückzahlen zu produzieren.
Ob der neue Marcos jedoch das alte Erbe der Marke lebendig halten kann, bleibt abzuwarten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass große Ambitionen alleine nicht ausreichen, um im Motorsport- und Sportwagenmarkt Fuß zu fassen. Doch mit der richtigen Mischung aus Innovation, Finanzkraft und einer treuen Anhängerschaft könnte das Comeback gelingen.
Im Video sehen Sie den Ferrari Dodici Cilindri Spider. Der neue Marcos könnte ein Konkurrent für ihn werden.
